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AMERICAN DREAMS 1991

oder: Das andere Amerika - Aspekte nordamerikanischer Subkultur
 
Dr. Ross

Dieses Projekt stellte -ein Jahr vor den offiziellen Feiern zur 'Entdeckung' bzw. Eroberung Amerikas- Anteile amerikanischer Kultur vor, in der die Widersprüche ihren Platz haben und das historische und ethnische Erbe eines komplizierten politischen Gebildes wie den USA erkennbar wird.

Gezeigt wurden ethnische, historische, philosophische, künstlerische Bearbeitungen des "amerikanischen Traums" mit seinen vielfältigen Facetten und seinen "Kehrseiten" in Film, Musik, Kunst und Vorträgen mit philosophischen und sozialpolitischen Themenstellungen.

Das politische Gebilde der USA ging aus Europa hervor (Aufklärung, bürgerliche Revolution, Naturrecht und Demokratie). Seit Kriegsende befindet sich Europa in einem unaufhörlichen Amerikanisierungsprozeß in nahezu allen Lebensbereichen. Trotz Verlust der ökonomischen Führungsposition auf dem Weltmarkt fungieren die USA nach wie vor als Weltkulturträger. In der Regel neigen wir dazu, die USA und die amerikanische Kultur zu reduzieren auf Popkultur, Disneyland, Hanburger, Cola, Western; Hollywood; Imperialismus, Dollar- und Drogenkriege. Daß sich unter diesen Synonymen amerikanischer Lebensart eine Vielfalt tradierter und neuer lebendiger Kulturen verbergen, vergessen wir meist, handelt es sich doch bei der o.g.vermeintlichen amerikanischen Kultur um eine produzierte Kultur der gesellschaftlichen Synthese, die Widersprüche ausgrenzt, den Common Sense von Mittelstand und Mittelmaß propagiert, in der das Element des Entertainments zum Maßstab der Verkäuflichkeit wird.

"Life, Liberty and the Pursuit of Happiness" - Das in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 jedem freien Bürger zugestandene unveräußerliche Recht auf Leben, Freiheit und Glück bildet den Ursprung des sogenannten amerikanischen Traums, der bis heute Grundfeste der Sozialstruktur und Kultur der Vereinigten Staaten geblieben ist. Daß nun aber nicht jeder Immigrant auch den Status des freien Bürgers erlangen konnte, aus Gründen, die - ethisch und rassisch verbrämt - machtpolitischen Ursprungs sind, davon handelt die Geschichte des "anderen Amerika", also von den Menschen, die nicht angelsächsisch, weiß und männlich sind, von den indianischen Ureinwohnern, den Afroamerikanern, den Latinos und den Frauen.

Die überaus lebendige Kultur des 50 Bundesstaaten umfassenden Schmelztiegels ist ein Produkt der ständigen Vermischung von weißer europäischer Kultur und der ethnisch vielfältigen Kulturen der Immigranten. Keine zweite staatlich-politische Föderation kann eine derartige Vielfalt an eigenständigen regionalen, historisch überlieferten und ethnisch fundierten Lebensweisen und Kulturen aufweisen.

Der amerikanische Traum fungiert als Sinnbild einer an (ständig wachsendem) Wohlstand und Gewinnstreben orientierten Gesellschaft, der WASPs, der "White Anglo Saxon Puritans", wie sie in den US-Sprachgebrauch eingegangen sind. Diese amerikanische Gesellschaft als eine ständig im Aufbau und Abbruch befindliche lebt ihre tradierten Mythen weiter, obwohl diese sich inzwischen zum Teil in ihr Gegenteil verkehrt haben. Und die Kehrseiten der Mythen sind es, die heute eine Aussage über den historischen Wahrheitsgehalt des amerikanischen Traums machen können.

Ziel dieses Projektes war es, ein wenig hinter die Oberfläche zu schauen, Entstehungsbedingungen, Widersprüche und regionale wie ethnische Verwurzelungen amerikanischer Kultur aufzuzeigen.

Gegenstand waren sowohl alltagskulturelle Phänomene als auch die bewußt künstlerischen Bewältigungsformen der Auseinandersetzung mit ihnen. Der Bogen spannte sich dabei von alltäglicher 'Gebrauchs'-Kultur - hier sei etwa auf die 'volksmusikalischen' Wurzeln regionaler, ethnisch geprägter Musik hingewiesen - bis hin zu explizit künstlerischen Auseinandersetzungsformen zeitgenössischer Kunst.

Die beteiligten amerikanischen Künstler waren: Buddy Ace Blues Band, Myra Brooklyn, Tom Cora, The Creole Zydeko Farmers, Dr. Ross, LaDonna Smith. Vorträge gab es: von Renate Domnick, Thomas Düllo, Peter Friese, Harald Justin, Dieter Keiner und der Big Mountain Aktionsgruppe, sowie ein umfangreiches Filmprogramm.
 
Dr. Ross und Dieter Keiner



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