Kunstprojekt: Die Handlungsreisenden
Intermediales Kunstprojekt zum Jahr des Westfälischen Friedens
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Harald Busch, Anja Kreysing, Michael Müller,
Gudula Rosa
Die Handlungsreisenden ist ein intermediales Kunstprojekt, das im Rahmen
des Jubiläums "350 Jahre Westfälischer Friede" realisiert
wird. Die Grundidee ist: Künstler und Künstlerinnen aus Münster
und der Region reisen quasi als "Gesandte" in ein Partnerland,
um dort während des Sommers 1998 in Kooperation mit einem/einer Künstler/Künstlerin
ein künstlerisches Projekt zu entwickeln. Die Ergebnisse werden nach
Münster gebracht, eben so wie vor 350 Jahren die verschiedenen Gesandten
die Kultur ihrer Länder und Regionen mit in die Verhandlungsstädte
des Westfälischen Friedens (Münster und Osnabrück) mitgebracht
haben. Das jeweilige Partnerland gehört dabei zu jenen Ländern,
die vom 30-jährigen Krieg betroffen waren.
Was aber hat ein solches Projekt zu tun mit dem Westfälischen Frieden,
der vor 350 Jahren nach langen Verhandlungen unterzeichnet wurde?
Das Gelingen der langwierigen Friedensverhandlungen, an denen alle damaligen
europäischen Mächte beteiligt waren, hing bekanntlich zu einem
erheblichen Teil vom Informationsaustausch und der Nachrichtenweitergabe
ab. Dadurch erst wurde dieser erste gesamteuropäische Gesandtenkongreß
überhaupt möglich. Heute in Zeiten eines wie selbstverständlich
erscheinenden Datentransfers und weltweiter Kommunikation scheint es durchaus
erheblich und wichtig, die an den Kommunikationsprozessen Beteiligten einmal
in den Vordergrund zu rücken. Sie sind die Handlungsreisenden, die
Agierenden, die sich in die Ferne begeben und dort auf Kommunikationspartner
treffen.
Im Rahmen des Projekts Die Handlungsreisenden sind es ausgewählte Künstler aus Münster und der Region, die auf ihre Gegenüber in anderen europäischen Regionen - solchen, in denen der 30-jährige-Krieg stattfand - treffen. Sie sind Unterhändler und in eigener Sache, dabei aber in vielfältiger Form Transporteure von Kultur und in gewisser Weise auch Repräsentanten ihrer Region. Fünf Künstlern und Künstlerinnen aus den Bereichen bildende Kunst und Musik wurde durch das Projekt Die Handlungsreisenden ein Austausch bzw. Aufenthalt im Ausland ermöglicht, bei dem in enger Auseinandersetzung mit Kooperationspartnern künstlerisch gearbeitet wurde.
Das Projekt Die Handlungsreisenden möchte dabei bewußt nicht
vordergründig Toleranz und Miteinander behaupten, oder Kunstwerke und
künstlerische Projekte präsentieren, die sich von der Ideologie
des Glücklichen-Miteinanders aller Kunstschaffenden vereinnahmen lassen.
Vielmehr geht es den Organisatoren darum, spannungsreiche Projekte zu realisieren,
die gleichzeitig etwas von den Schwierigkeiten wie den Chancen und Möglichkeiten
mitteilen, die das Aufeinandertreffen von individuellen Künstlerpersönlichkeiten
wie von Kulturträgern haben kann und sollte.
Was bedeutet es, wenn zwei Künstler mit unterschiedlichen persönlichen,
kulturellen und künstlerischen Hintergründen zusammenkommen, um
gemeinsam Kunst zu produzieren? Müssen sie Kompromisse eingehen? Streiten
sie während des Schaffensprozesses? Wie gehen sie mit Mißverständnissen,
wie mit Kommunikationsproblemen um? Produzieren sie weitere Schwierigkeiten
oder gelingt es ihnen, ein besseres Verständnis für die Ideen
des anderen zu gewinnen? Ist es wahr, daß eine Reise in ein anderes
Land hilft, Mißverständnisse abzubauen, oder wird durch sie nur
deutlicher, wie unterschiedlich Menschen und die von ihnen repräsentierten
Kulturen sind? Nutzt die gemeinsame Arbeit der Kunst? Nutzt gemeinsame Arbeit
Europa? - waren die Fragen, denen sich die Handlungsreisenden und die Organisatoren
stellen mußten. Antworten, vielleicht aber auch neue Fragen, lassen
sich während der Laufzeit der Ausstellungen, Installationen und Konzerte
im Rahmen des Projekts Die Handlungsreisenden besichtigen und erhören.
Text von Allison Plath-Moseley und Nils Plath
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Termine:
Freitag, 18. September, 20 Uhr:
Eröffnungskonzert. Uraufführungen für Blockflöte und
Koto von Makoto Shinohara und Satoshi Ohmae, gespielt von Gudula Rosa
und Makiko Goto (Niederlande). Aula
der Musikhochschule, Ludgeriplatz 1, Münster.
Beide Komponisten werden anwesend sein.
Sonntag, 20. September, ab 18 Uhr:
Eröffnung der Ausstellungen und Installationen in Form eines Stadtrundgangs,
mit Einfürung in die einzelnen Arbeiten.
Harald Busch: "acceleratore"
von den Geschwindigkeiten - eine Videoskulptur als Kanon in Bild und Ton
mit Musik von Enzo Avitabile (Italien)
Di. 22. Sept. - Fr. 2. Okt. cuba, Achtermannstraße
An Seebach: Schaufensterinstallation
"LIBERTY" mit Gertrude Moser-Wagner
(Österreich) Reisebüro Dr. Tigges Windthorstr. 13 (Schaufenster
Achtermannstraße)
Mo. 21. Sept. - Fr. 16. Okt.
Michael Müller: Ausstellung
"Dialog" mit Koen Vercaemer
(Belgien)
Lichthof des Landeshaus Freiherr vom Steinplatz 1
Mo. 21. Sept. - Fr. 16. Okt.
Anja Kreysing: "Bøsen
Sell" Sound mart/enterprise zone mit Niels Winther (Dänemark)
Ladenlokal Bahnhofstr. 20 (neben Rolandkino)
Di. 22. Sept. - Fr. 16. Okt.
Einzelveranstaltungen von "Bøsen Sell":
Mi. 23.9.,
Fr . 2.10,
Fr. 9.10,
Fr. 16.10. jew. 20 Uhr: RESONATOR,
Anja Kreysing und Canine, "NOMAD BASIC" / Powerbookmusik
Gastkonzerte:
Sa. 26. 9. 21.30 Uhr: Earthscraper, heavy dub tools
(Münster): DubHop
Sa. 3.10. 20.00 Uhr: Michael Kolberg (Luna3): Steel-Elektronik
Sa. 10.10. 20.00 Uhr: Ralf Schreiber (Köln): Live-Elektronik
Sa. 17.10. 20.00 Uhr: Trio-Tape (Kopenhagen):
Niels Winther, Henning Frimann, Zlatko Buric
Die Handlungsreisenden werden unterstützt von:
und
GAD Gesellschaft für automatische Datenverarbeitung eG
sowie den Tochterunternehmen
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Besonderer Dank geht an:
Claudia Wissmann, Maria Blondeel, Franz-Joself Webbeler, Reisebüro
Dr. Tigges, Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Westfälische Filmtheaterbetriebe.
Zu den Künstlern:
Enzo Avitabile
Harald Busch
Makiko Goto
Anja Kreysing
Gertrude Moser-Wagner
Michael Mueller
Gudula Rosa
Satoshi Ohmae
An Seebach
Makoto Shinohara
Koen Vercaemer
Niels Winther