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Hölleneingang a, b, c bis z

 

Klanginstallation von Denise Ritter
September – Oktober 2017




 







Ausstellungsdauer: 15. September –  20. Okotber
 


Einladungskarte Tatoy

Hoelleneingang



Detail-Hoelleneinmgang

Fotos: Dense Ritter



Denise Ritter


im Projekt Hör-Spiel, gefördert von: Hoer-Spiel-Muenster

Das Unzugängliche, hier wird’s Ereignis
von Stephan Trescher

[…] Die Klangkünstlerin Denise Ritter hat […] eine visuell höchst reizvolle Installation geschaffen.
Durch die Metamorphose der signalfarbenen Pylonen in rein schwarzweiße Zebrahütchen und zusätzlich durch ihre waagerechte Anordnung, die den graphischen Effekt noch verstärkt. Gleichzeitig werden in einem Schritt Form und Funktion dieser Absperr-Pömpel umgedeutet: Indem die Künstlerin Lautsprecher darin einbaut, verwandeln sich die liegenden Pylonen in Megaphone oder Flüstertüten.
Eigentlich wäre das für eine bewundernde Betrachtung schon genug, wie die schwarzweißen Pylonen als graphisch-flächig wirkendes, aber skulpturales Baukastensystem den Raum bespielen und dabei neu definieren. Aber natürlich verschränkt die Künstlerin diese Form ihrer Klangquellen auch mit dem Inhalt, geht es doch in Hölleneingang a, b, c bis z um Grenzen, Absperrungen und den Wunsch nach Überwindung derselben.
Genauer könnte man sagen: Ihre Klanginstallation umkreist das Thema der Unerreichbarkeit.
Das Unerreichbare kann dabei ein Ideal sein, als verlorengegangenes Paradies oder Erinnerung an die Heimat in Erscheinung treten, es kann sogar auf unerreichbare Personen gemünzt sein, auf Idole und Helden. Aber es bleibt letztlich, wie fast immer bei Denise Ritter, mit konkreten Orten verknüpft.
[…]
Das ganze akustische Material besteht dabei überwiegend aus field recordings, also Außenaufnahmen vor Ort, die sie vergleichsweise wenig bearbeitet hat, manchmal leicht verfremdet, so daß das Geräuschhafte mehr klangliche Qualitäten gewinnt, aber nur ganz wenig, bevor es wieder zurückkehrt zum echten Originalklang.
In der Summe ergibt das eine klangliche Collage von erheblicher Diffusität – und genau auf die kam es der Künstlerin auch an.
[…]
Das Unerreichbare kann aber auch ganz andere Formen annehmen. Hier kommen dann die Interviewten ins Spiel – im einen Fall die Stimme eines Geographen, mit dem die Künstlerin schon eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet […], im anderen Fall ist es ein Musiker, mit dem sie nur ein einziges Mal gesprochen hat, dessen Musik sie aber so schätzt, daß er für sie einfach ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens geworden ist, wenn auch einer, den sie lange für unerreichbar hielt.

Jedenfalls sprechen beide Menschen, der eine als Geograph eher gezielt, der Musiker eher zufällig von Orten – Orten der Sehnsucht, Orten der Inspiration (sie können Masuren heißen oder Malta, New York und Barcelona) und liefern so wiederum neue Facetten dieser räumlich topographischen Selbstverortung, als die wir diese Klanginstallation auch verstehen können.
Apropos „Verstehen“: Obwohl für Denise Ritters Verhältnisse diese Arbeit relativ narrativ und linear ist, so geht es ihr doch nicht darum, eine konkrete Geschichte zu erzählen und auch nicht darum, daß wir jedes einzelne Wort verstehen. […] Eher geht es der Künstlerin um eine akustische Sensibilisierung; darum, daß wir unsere Wahrnehmung wahrnehmen.

Es ist auch nicht so wichtig, ob wir die Aufnahmeorte erkennen können, das Meer in Dänemark oder einen Vorort von Dijon – eher geht es um innere Landschaften, um soundscapes, „Klangschaften“.
Wie hören Flughäfen, Bahnhöfe, Regen, Meer und Vogelgezwitscher, menschliche Stimmen als Lärmwolke von weitem und relativ nahe, aber trotzdem bruchstückhaft, wie vorbeiwehende Gesprächsfetzen von Passanten, und wir hören Verkehrslärm auf nassen Straßen.
Es ist aber nicht, wie die musikalisch Gebildeten unter uns meinen könnten, der verregnete Highway to Hell, es ist irgendeine Straße, irgendwo im Nirgendwo.
Der Hölleneingang kommt trotzdem vor, er wird expressis verbis vom Geographen erwähnt – aber eigentlich dient er ihm dort nur als poetisches Beispiel für alles, was festgefügt und geordnet ist – im Gegensatz beispielsweise zu den Wolken am Himmel. Er fragt die Künstlerin auch, wie sie diese wohl einfangen, „adressieren“ wolle.
Denn eigentlich versucht sie hier genau das, nämlich das Ungreifbare, wenn nicht festzuhalten, so doch einzukreisen, zu umzingeln, um es unserer staunenden Beobachtung anheimzugeben.
Auszüge aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung von
Denise Ritter: Hölleneingang  a, b, c bis z
im cuba-cultur-Foyer, Münster, am 15.9.2017

Rede zur Eröffnung der Ausstellung von Denise Ritterr – cuba-cultur-Foyer, Münster, am 15. September 2017 im cuba-cultur-Foyer




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