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"Glückskatzen" 2016

Foyerausstellung von Maike Brautmeier
November – Dezember 2016






 

 








Ausstellungsdauer: 11. November – 17. Dezember  


Einladungskarte CRAZY


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Aussenansicht

Glueckskatzen2

Glueckskatzenfenster-Ausschnitt

 

 

www.maike-brautmeier

 

im Projekt Hör-Spiel, gefördert von: Hoer-Spiel-Muenster

 

Andreas Weber

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Kunstpublikum, liebe Tierfreunde. Ich begrüße sie heute zu der Ausstellungseröffnung „Glückskatzen“ von Maike Brautmeier. Wie der Name der Ausstellung schon sagt, geht es heute um Katzen, genauer gesagt um Glückskatzen, um die Umsatz- und Winkekatze Maneki Neko. Ein Name so wohlklingend wie eine Sushi Rolle: Maneki Neko.

Doch, ich sehe es an ihren Nasenspitzen, sie fragen sich zurecht, wer den eigentlich Maneki Neko ist. Warum winkt das Viech zu blöd? Woher kommt sie eigentlich und was will sie hier?

Auch ich habe mich diese Fragen gestellt und freue mich, ein paar Antworten gefunden zu haben. Statt einer Ausstellungsrede also heute eine kleine Geschichte von fernen Zeiten.

Maneki Neko, übersetzt die Winkekatze, ist Japanerin und ihre Ur- Ur - Ur - Ahnin hieß Tama und war eine dreifarbige Katze, die mit einem alten, sehr, sehr armen Mönch in der Nähe von Tokio in einem heruntergekommenen Tempel lebte. Es war das 17. Jahrhundert. In Europa tobte gerade der Dreißigjährige Krieg, der Buchdruck wurde erfunden, die Hexenverfolgung war im vollen Gange, aber davon wusste Tama, die arme, treue Katze nichts. War ihr auch egal, was in Europa passierte.

Jedenfalls saß Tama eines Tages vor ihrem armen bscheiden Tempel und guckte beunruhigt Richtung Himmel. „Ein Unwetter zieht auf. Gut, dass ich hier im im Trockenen sitze“, sagte Tama sich und tatsächlich kam es wenige Minuten später zu einem Wolkenbruch, den Tama so noch nicht erlebt hatte. Es goss wie aus Kübeln, es donnerte, es blitze und Tama war nur froh in so einem trockenen, warmen Tempel zu sitzen.

Nicht meinem übelsten Feind wünsche ich, bei diesem Wetter unterwegs zu sein, dachte Tama gerade, als sie einen Mann vor dem Kloster wahrnahm, der unter einem Baum Schutz gegen das Unwetter suchte.

Ja, ist er denn des Wahnsinns, sagte Tama und schlug die Pfoten über dem Kopf zusammen. Unter einem Baum kann man bei so einem Wetter doch nicht Schutz suchen. Wenn da mal der Blitz einschlägt. Und dann noch eine Eiche. "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“, wollte sie dem Mann zuschreien, da sie aber nicht wirklich sprechen konnte, winkte sie nur hektisch mit dem Arm, also der Pfote, dass er in den Tempel kommen sollte.

Der Mann verstand. Er rannte zum Tempel und fand Unterschlupf bei der Katze und dem Mönch. Und tatsächlich schlug der Blitz wenige Augenblicke nachdem der Mann den Tempel erreicht hatte, in dem Baum ein. Ohne die Katze wäre der Mann tot gewesen, soviel war mal klar. Tama hatte dem Mann das Leben gerettet und dieser war unendlich dankbar. „Ich bin so dankbar“, sagte der Mann. Und weil es sich bei dem Mann nicht um einen gewöhnlichen Mann handelte, sondern um einen sehr, sehr reichen Fürsten beschenkte er den Tempel und seine Bewohner, also Tama und den alten, sehr, sehr armen Mönch, mit sehr, sehr viel Geld und förderte den Tempel, wie nur ein sehr reicher Fürst einen Tempel beschenken kann. Diese Geschichte von Tama und dem reichen Fürsten verbreitetet sich in Windeseile durchs ganze Land und mit Jahren auch über die ganze Welt. Und heute kennt fast jeder Tama.

Seit diesem Tag steht die Winkekatze, die dem Fürst das Leben gerettet hat, für Glück und Reichtum und nicht selten stellen sich heute Geschäftsleute eine Winkekatze ins Schaufenster, die Kunden hereinwinken soll, damit diese auch ihr Geld bei ihnen lassen. Schaden kann es nicht, denken sie sich und da haben sie recht.

Nun Maike Brautmeier hat gleich hundert Winkekatzen in unser Schaufenster gestellt. Sie weiß: Wir sind auch nur ein armes, kleines Kulturzentrum, ein kleiner Tempel der Kultur. Stefan Schwarze, Erhard Hirt und ich sind die armen Mönche und können sehr gute reiche Fürsten oder Münsteraner gebrauchen, die ihr Geld in unser Haus tragen.

Maike Brautmeiers Arbeit ist somit sehr persönlich und sehr ortsbezogen. Man könnte sagen, ortsbezogene Winkekatzenkunst

Nur... warum ist eine Katze schwarz? Ist es das schwarze Schaf, was sich als Katze getarnt hat. Die eine Aussätzige? Sie winkt wie die anderen, die alle gleich aussehen, alle gleich winken.

Auch hier habe ich mir Gedanken gemacht.

Wollte eine lange Zeit niemand, die eine schwarze Katze, das schwarze Schaf sein, so hat sich das in den Neunzigern wieder geändert. Auf einmal wollte jeder anders sein. Individualität war das neue Hip. Ich war das Neue Wir. Ich und mein Magnum. Ich und meine Ag. Ich will so bleiben, wie ich bin.

Doch Angst und Terror zog in den letzten Monaten in die Köpfe der armen weißen Kätzchen und Kater ein. Das arme weiße Kätzchen suchte wieder den Schutz der Herde. Niemand wollte mehr das schwarze Schaf, die schwarze Katze sein. Man rottete sich wieder hinter Populisten, Rattenfänger zusammen. Sie schrien, dass man Katzen -Volk ist. Uniformiertes weißes Katzenvolk. Auf einmal war die Katze Herdentier, auch gegen ihre Natur. Eine reine Lüge war das. Aber das war dem Populisten egal, dass alles Lüge war.

Nur wenige schienen auf die Lügen nicht zu hören. Also hier ein Symbol: Die schwarze Katze als einzige, die alles richtig macht. Sich nicht als etwas ausgibt, was sie nicht ist, nämlich blödes Herdentier.

Maike Brautmeiers Arbeit ist somit auch sehr aktuell, hoch politisch. Politische Winkekatzenkunst.

Und damit bin ich auch schon fast am Ende. Wären dort nicht die Mäuschen im großen Foyer. Sie laufen unendlich in ihrer Acht, immer weiter, immer weiter. Das Mäuschen läuft immer weiter, weil das Mäuschen vor ihm weiter läuft. Sie haben kein wirkliches Ziel, sie folgen einfach den Anderen. Immer im Kreis, bis der Heißkleber irgendwann spröde wird und sie von der Wand abfallen. Nein, das ist auch kein schönes Leben. Weiße Katze, weiße Maus. Wenn ich mich entscheiden müsste, jemand anderes sein und ich bin sehr froh, mich nicht entscheiden zu müssen, würde ich mich für die schwarze Katze entscheiden. Ich bin also ein guter Kater.

Maike Brautmeiers Arbeit ist Statement für Individualität. Individulelle Winkekatzenkunst.

Dieser Text ist keine Rede geworden. Nehmen sie ihn nicht zu ernst. Er ist vielleicht ein wenig Dada. Dieser Text ist eher eine Geschichte, die mir Maike mit ihrer Arbeit erzählt. Dieser Text soll Lust machen, nach eigenen Geschichten zu suchen. Dieser Text sagt Danke Schön an Maike Brautmeier, die immer wieder mit ihrer inszenierter Fotografie, ihren Installationen und ihrer Kunst Ausstellungsbesucher Geschichten erzählt, die viel Freude machen, die, ohne dabei schwanger sein, viele kleine Texte transportieren.

So, wer mehr erfahren möchte, über Maike Brautmeier, wer jetzt noch wissen möchte, warum das ganze auch mit Klang arbeitet, der nimmt sich jetzt ein Glas Wein und fragt sie selber.

Ich danke ihr erst einmal und schließe mit den Worten „Maneki Neko, Freunde. Maneki Neko“.

Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Glückskatzen“ von Maike Brautmeier am 11. November 2016 im cuba-cultur-Foyer, Münster




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