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Foyerausstellung von jae pas
Februar –  April – 2015







 




Ausstellungsdauer: 27. Februar – 5. April 2015


Einladungskarte CRAZY





www.jaepas.de

Eröffnungsrede von Andreas Weber

Die Künstlergruppe JaePas im Foyer des Kulturzentrums cuba. Diese wenigen Zeilen sind eine Willkommensbotschaft, eine Ausstellungsrede, Worte zur Kunst. Es ist ein Lobgesang. Beginne ich also mit einem „Hurra, Hurra“ und dem Danke, dass ich ein paar Worte zu der Ausstellung verlieren darf. Ich danke ihnen, aber ich habe schlechte Laune, so gar ganz furchtbare Laune habe ich, was sie aber auch bald merken werden.

Ich lese gerade ein Buch über die Kunst und den Kunstbetrieb. Es ist wirklich sehr gut. Es heißt „Kunst hassen“. Also nach ein paar Seiten hat man verstanden, was die Autorin sagen möchte, aber diese ersten paar Seiten kann ich empfehlen.

Kunst hassen. Ich finde momentan auch viel zum Hassen: LWL Landesmuseum finde ich austauschbar - überhaupt finde ich diese erhabenen Schweigetempel der Hochkultur überschätzt. Die momentane Ausstellung „Nacktes Leben“ finde ich auch dröge, und diese sogenannten Kunstfreunde, die leise, ehrfürchtig durch die Hallen schlurfen, gehen mir ebenfalls auf den Sack.

Letztens hat das Landesmuseum ein paar Duzend Nudisten eingeladen, die Ausstellung zu erleben: Das sollte wild und jung sein. In einer von der Öffentlichkeit getrennten Privatführung, wurden sie durch die Ausstellung geleitet. Fand ich blöde.

Überhaupt finde ich neunzig Prozent der Klamotten, die hier als Kunst verkauft werden, langweilig. Der letzte Rundgang in der Kunstakademie langweilig. Offene Ateliers in der Schulstraße: Zum Einschlafen. Open House in der Fresnostraße: Ein Schlaflabor. Kunst im Speicher 2: Ganz öde Nummer.

Und immer wieder diese Kunstführer, Kunsthistoriker, sogenannten Kuratoren, die einem den letzten Müll als „ganz großen Zirkus“ verkaufen wollen. Eine Zumutung.

Dazwischen gibt es hier und da in Münster glücklicherweise oder unglücklicherweise ein paar gallische Dörfer. Wenige Künstler, Häuptlinge, Druiden, die dazu führen, dass ich mir weiterhin Ausstellungen anschaue. Tatsächlich gibt es diese Künstler sogar an der Akademie, in den Atelierhäusern und in den wenigen Ausstellungsräumen in dieser Stadt. Es ist nicht alles verloren. Nicht alle zieht es nach Berlin. Berlin finde ich übrigens auch dröge. Na ja, vielleicht habe ich auch einfach nur schlecht geschlafen. Vielleicht ist doch nicht alles mies? Vielleicht? Vielleicht?

Gallische Dörfer: Ich freue mich sehr das JaePas heute hier ausstellen. Jetzt habe ich den Dreh, den Kunstgriff endlich geschafft: Es geht um Mobiles, Nail Design und 220 nummerierte Einladungskarten, und es geht darum, dass JaePas hier schon mal ausgestellt haben. 2006 war das, vor fast zehn Jahren, also neun Jahren (zehn Jahre klingt nur besser). Damals war es die dritte Ausstellung, die ich hier kuratieren durfte. Die beiden feinen Herren haben damals einen SB Bäckerladen in das Foyer installiert, einen SB Bäcker, der gerade pleite gemacht hat. Nur noch die Reste, Müll des Inventars, lag im Foyer verstreut. „Ist das Kunst oder kann das weg“, bekam damals eine ganz neue Bedeutung, denn nach der Ausstellung war es Müll. Reste der Installation sind immer noch im cuba zu sehen. Die rote Wand am hinteren Eingang ist die letzte Spur des SB- Pleitegeiers. Neben dem SB Bäcker stellte JaePas eine Klotür im Öffentlichen Raum auf. Da stand sie die Klotür und wurde damals von einem Rausschmeißer des Cuba Novas bewacht. Wollte man durch die Tür gehen, musste man Geld einwerfen. Das machte wohl kein Sinn, aber trotzdem gingen im ersten Monat mehrere hundert Menschen durch die Tür.

Heute haben JaePas ein Mobile im vorderen Bereich des Foyers installiert. Wenn ich das gemacht hätte, hieße es übrigens gebastelt. An dem Mobile hängen die Einladungskarten zur Ausstellung. Deswegen sind hier übrigens so wenig Gäste, die Werbung hängt am Mobile. Die Karten hängen am Mobile. Sie tragen Titel. Jede Karte einen anderen. Sie sind nummeriert. Ein paar doppelt. Sie sind marmorisiert. Heißt das marmorisieren oder marmorieren? Egal. Personen, zum großen Teil Frauen, die sich in dem Kunsthandwerk des Nails Designs auskennen, werden die Technik, wie die Karten marmoriert wurden, erkennen. Freunde: Water marbling ist das Stichwort. Man nehme ein Töpfchen mit Wasser, tropfe Lacke rein, mit einem Schaschlikspieß ein Muster bilden und Fingernägel, in diesem Fall Einladungskarten drauf und fertig. Water marbling. Erst SB Bäcker, Klotüren und jetzt Nail Design. Ein Schuft, wer dort ein Prinzip hinter vermutet.

Auf der Dokumenta 2007 fällten sie die Beuyssche Eiche, 2006 versenkten sie den ganzen Stolz Münsters, eine der riesigen Billardkugeln von Claes Oldenburg im Aasee.

Es ging, es geht ihnen scheinbar immer um die Freiheit der Kunst, es geht um die Kunst. Gerne mit Ironie. Gerne ohne Respekt. Man kann nur hassen, was man liebt. Oder so ähnlich.

Heute ein Mobile mit 220 Einladungskarten. Auf ihnen einzelne Titel, die sich mit der Kunst, dem Kunstbetrieb beschäftigen. Kunst und Ökologie, Kunstwerk Dokumenta, Ästhetik des Immateriellen, Supermarktsystem Biennale. Der Kunstkosmos als Mobile. 220 gestaltete Karten, jede ein Unikat. 230 Nummern. Und am Ende das Rätsel, meine Frage an sie, woher die einzelnen Titel stammen? Was hat JaePas sich dabei gedacht?

Ach ja, ich finde Kunst nicht scheiße, sonst würde ich hier nicht stehen. Ich möchte nur, dass man eine eigene Meinung hat, nicht als schluckt. Schlucken Sie also bitte nicht, gucken sie lieber, bilden sie sich ihre Meinung und lösen sie das Rätsel.

Danke. Hurra. Hurra.

cuba-cultur-Foyer, am 27. 2. 2015




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