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SAME FAME BUT DIFFERENT

Foyerausstellung von Isabelle von Schilcher
Januar – März 2012



















Ausstellungsdauer: 27. Januar – 9. März











9. März:



www.isabellevonschilcher.de

Der cellophantastische Kunstblumenberg

von Stephan Trescher

[...]

Was sehen wir? Einen großen Haufen an Blumen, einzeln in Cellophan verpackt. Unterschiedliche Blumen in unterschiedlichen Farben, unterschiedlich eingepackt: manche kunstvoll, manche nur ordentlich, manche ganz und gar schlampig, dann ist die Folie einfach nur drumgewickelt; manche Blumen bleiben gar ganz hüllenlos, dafür gibt es auch einiges an Cellophan, das für sich bleibt und keine Blume ummanteln darf.

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Es geht der Künstlerin gerade nicht um Verpackung einerseits und Inhalt andererseits, sondern um die Farbtupfer der annähernd tausend Seidenblumen und die regenbogenbunten Reflexe und strahlenden Lichtakzente der geknickten, gefalteten und geknäuelten Cellophanhüllen. Zusammen ergeben sie eine geballte Ladung von Farbe, Glanz und Volumen (nein, das ist jetzt nicht die Wella-Haarkur-Reklame), eine vielteilige, vielfarbige, unberechenbar wild strukturierte Skulptur mit „ein bißchen Glitzer-Glitzer“.

[...]

Ein Haufen, kann das eine Skulptur sein? Ja, durchaus.

In diesem Fall ist das Wechselspiel von Form und Formlosigkeit sogar konstitutiv für die ganze Arbeit - die sich damit, ihrer scheinbaren Simplizität zum Trotz, als von einer ganzen

Reihe von Dichotomien geprägt darstellt.

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Was die Künstlerin uns hier präsentiert, ist also zugleich autonome und soziale Skulptur, eine Plastik und ein Geschenk. Damit reagiert sie nicht zuletzt auf den Raum des cuba-Foyers, den sie nicht so sehr als architektonischen begreift, sondern vielmehr als sozialen. Das heißt: Einerseits als Ort des Durchgangs, des nur  flüchtigen Verweilens und andererseits, vor allem, als Vorraum zur Cuba-Kneipe, einem Ort der Begegnung, als Treffpunkt und Tanzlokal.

Womit wir fast von selbst beim pop-kulturellen Aspekt der Arbeit von Isabelle von Schilcher angekommen wären. Denn es geht ihr auch um die Übertreibung des Phänomens der gehäuften Blumendarreichung, die in der Regel, wie die Künstlerin es selbst einmal pointiert formuliert hat, nur „tote, singende oder heiratende Personen“ trifft.

Es gibt zum einen das Blumenniederlegen in großer Zahl an Denkmälern, Grabstätten und Erinnerungsorten. Dann das massenhafte Blumenüberreichen an Hochzeitspaare und schließlich, als hysterische Übersteigerung, das Werfen von Blumen und Sträußen (charakteristischerweise unbedingt mit schützender Cellophan-Verpackung) auf die Bühne von Popstars - obwohl ihnen da manchmal von fliegender Unterwäsche und Kuscheltieren der Rang abgelaufen wird.

Kurz: Es handelt sich hier also um eine ironische Übertreibung des Huldigungszeremoniells der Popkultur. Aber wem wird hier gehuldigt? Nicht irgendwelchen unerreichbaren Berühmtheiten, sondern uns, dem Publikum, bzw. den unterschiedlichen Publikümmern.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, an den Titel der Ausstellung zu erinnern: Same Fame But Different - das ist erst einmal eine Reaktion auf den Gesamttitel, den ich für die diesjährige Ausstellungsserie im Cuba-Foyer gewählt habe, Same Girls. Isabelle von Schilchers Same Fame But Different spielt dabei natürlich auf die thailändisch-pidgin-englische Redensart „same same but different“ an - zu deutsch: „haargenauso, aber doch anders“. Der Titel läßt sich aber ohne größere Umschweife auch auf Andy Warhols berühmten Orakelspruch beziehen, dass in der Zukunft jeder für 15 Minuten berühmt sein wird. 

Das heißt: In gewissem Rahmen kehrt Isabelle von Schilcher die Rollen um. Sie ist diejenige, die als Künstlerin im Rampenlicht steht, aber sie nimmt keine Blumen entgegen, sondern überreicht sie an ihr Publikum.

Ihre kunstblumenbunte, plastikfolienfunkelnde Skulptur strahlt vor gezielt gesetzten Spotlights und vor Glanz und Glamour; aber flüchtig wie der Ruhm ist auch dieses Kunstwerk, das sich nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nach und nach auflösen wird, ins Nichts oder einen kümmerlichen Rest.

[...]

Ist das postmoderne Neo-Flower Power?  Dafür ist das Werk eigentlich zu künstlich. Aber im Gedanken des Sich-Verschenkens steckt auf jeden Fall ein four-letter-word drin: nicht F-A-M-E sondern L-O-V- E, Love!

Auszüge aus der Rede von Stephan Trescher zur Eröffnung der Ausstellung „Same Fame But Different“ von Isabelle von Schilcher im cuba-cultur-Foyer am 27. Januar 2012




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