Archiv Projekt: Foyer -Austellungen
| Silent Space/Kirkcudbright
Foyerausstellung von Tasillo Sturm: |
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Glück und Gegenlicht Schwarz auf Grün leuchten uns Zeichen entgegen, Hieroglyphen, nein Buchstaben aber was buchstabieren sie? Bald kommt man drauf: Ach so, das ist spiegelverkehrt rückwärts, da steht nicht „Kcülg“, da steht „Glück“. Eine Glücksverkehrung, ein Glück, das sich von uns abgewandt hat; einen Moment lang stutzen wir vielleicht ob der Unentzifferbarkeit und in diesem Moment hat uns das Bild schon gefangen genommen, mit seiner Rätselhaftigkeit, seinem grünen Glühen, das die ursprünglich schwarze Mauer im Hintergrund zum Leuchten bringt. [...] Irgendwie scheinen die beiden untrennbar verknüpft, zumindest im Deutschen klingen sie ja auch ähnlich, die Worte „Glück“ und „Grün“. Dennoch bleibt es ein merkwürdig Ding mit den Symbolfarben: Traditionell ist Grün schließlich als Farbe der Hoffnung bekannt und Glück und Hoffnung sind ja nun nicht ganz dasselbe. Müßte zum Beispiel Liebesglück nicht eher rot sein? [...] Zum größten Bestandteil von Tassilo Sturms Ensemble, dem, was er selbst seinen „Kronleuchter“ nennt, obwohl die Arbeit inzwischen einen schönen eigenen Titel hat: Hell. Von dem nicht ganz klar ist, meint er ihn direkt und deutsch oder eher erschreckend englisch. Jedenfalls ist dieser Leuchter ein höchst ambivalentes Ding. Als Lampe viel zu groß für den Ort. Und innen viel heller als außen. Dieses Etwas, diese leuchtende Skulptur dient nicht wirklich der Beleuchtung des Raumes. Es ist eher ein wörtlich genommenes Licht-unter-den-Scheffel-Stellen. Eine schwarze Kuppel überwölbt ein mit zahlreichen Neonröhren bestücktes, massives Eisengerüst, dessen unteres Ende wir unter dem Schirm hinweg gerade noch zu sehen bekommen. Wie auch die mit wärmereflektierender Überlebensfolie in Gold ausgekleidete Innenseite. Durch sie bekommt die fast schon gleißende Neonhelligkeit etwas wohlig Warmes und, wenn wir um die originale Funktion der Folie wissen, auch etwas symbolisch Schützendes. In jedem Fall ist klar, dass dieser Leuchtkörper eine begehbare Skulptur ist. Anders als in seinen sonstigen Werken macht es Tassilo Sturm uns Betrachtern hier leicht, in diesen Raum im Raum einzutreten verglichen mit seinen verwinkelten Tunnelkonstruktionen oder den minimalistischen Wohnsärgen ist dieser Lichtdom wirklich einladend. Wir sind aufgefordert uns unter den hellen Schirm zu flüchten, eine Lichtdusche zu nehmen, in dieses goldene Leuchten einzutauchen. Dort kann man sich zumindest außerhalb von Vernissagen ziemlich isoliert fühlen, allein aber glücklich, aus dem Lichtkörper einen Rückzugsraum gewinnen, in jenen silent space eintreten, den der Ausstellungstitel meint. Aber irgendwann müssen wir aus diesem Kokon aus Licht wieder hinaus in die finstere und feindliche Welt. Dort, von außen betrachtet, können wir umso besser ein paar nüchterne Reflexionen anstellen. Und kommen schließlich darauf, was die ganze Ausstellung zusammenhält: Das Gegen-Licht. Eigentlich haben wir es hier ausschließlich mit dysfunktionalen Leuchten zu tun, mit Antilampen: Lampen, die nach innen strahlen, Lampen, die wir nur von hinten sehen und zu guter Letzt Lampen, denen der Hals umgedreht, denen also die Glühbirnen herausgeschraubt werden. [...] Eigentlich war es ja vorhin schon klar, bei der Betrachtung der großen grünen Photographie, jetzt vor dem Video-Bildschirm wird es noch deutlicher: Auch hier hat Tassilo Sturm eine überdimensionale Lampe gebaut, eben einen grünen Glücksleuchter. Das Glück liegt zwar nicht in Ketten, aber es hängt an ihnen, so monumental massiv ist das Lichtobjekt geraten. Das Glück hat Gewicht. Im Film sehen wir: Erst flammt das CK auf, dann das GLÜ, dann vergehen 20 Minuten, in denen der Künstler sorgsam eine nach der anderen grünen Glühbirne aus der Fassung dreht (ohne dabei selbst je aus der Fassung zu geraten). Lange läßt er uns nicht im Dunkeln stehen, dann geht wieder alles retour: Es beginnt das sukzessive, ebenso lang andauernde Wiederreindrehen. Mag sein, die eine oder andere Birne ist beschädigt, aber am Ende ist es im Großen und Ganzen wieder so weit: das Glück leuchtet grün.. [...] Stephan Trescher: Auszüge aus Rede zur Eröffnung der Ausstellung von Tassilo Sturm silent space/Kirkcudbright, |