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Teil 2

„Global Heroes“ – Heldinnen und Helden aus Afrika“

Im Herbst 2013 ging es am Geschwister-Scholl-Gymnasium mit dem ethnologischen Unterrichtsprojekt  und sechs weiteren starken Persönlichkeiten  weiter:

  • Ken Saro-Wiwa (Schriftsteller, Fernsehautor, politischer Umweltaktivist aus Nigeria)
  • Waris Dirie (Fotomodell, Schriftstellerin, Aktivistin gegen die weibliche Genitalverstümmelung aus Somalia)
  • Haile Gerima (Prof. für Filmbildung, Regisseur und politischer Filmemacher aus Äthiopien)
  • Angelique Kidjo (Sängerin, Kulturbotschafterin aus Benin)
  • Steve Biko (Anti-Apartheidskämpfer aus Südafrika)
  • Leymah Gbowee (Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin aus Liberia)

Es folgen die Text- und Bildporträts der sechs neuen „Global Heroes“- Heldinnen und Helden aus Afrika.

Nigeria

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  Ken Saro-Wiwa

“Ich fürchte nicht, hingerichtet zu werden. Ich erwarte es.“

Kenule Beeson Saro-Wiwa, genannt Ken Saro-Wiwa, wurde 1941 in Bori, Nigeria geboren. Er studierte Jura an der Universität von Ibadan und setzte sich früh für Umweltschutz und Menschenrechte ein. Als Führer der Ogoni, einem indigenen Volk im Nigerdelta, gründete er 1990 die gewaltfreie „Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes“ (MOSOP). Die Mitglieder forderten die politische und kulturelle Autonomie für die Ogoni und verlangten einen angemessenen Anteil an den Einnahmen aus der Erdölförderung von Shell.
Wiwa war neben seiner politischen Tätigkeit Schriftsteller, Journalist und Fernsehproduzent. Er verfasste Werke wie „Sozaboy“(1985) oder „Die Sterne dort unten“(1986). In diesen Werken setzte er sich für die einfache Bevölkerung ein und demonstrierte seine Überzeugung gegen Krieg, die er aus dem nigerianischen Bürgerkrieg (1967-1970) gewonnen hatte. Hauptziele seines Engagements waren vor allem der Kampf gegen die korrupte Abacha-Regierung und der Widerstand gegen die internationalen Konzerne wie Shell, die das Niger Delta seit 1956 durch ihre profitorientierte Ölproduktion verseuchten.
Am 22.Mai 1994 wurde Ken Saro-Wiwa von der nigerianischen Regierung verhaftet. Die Anschuldigung lautete, vier regierungstreue Ogoni-Politiker mit Freunden ermordet zu haben. Dafür gab es allerdings keine Beweise. Während seiner Haft erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Im Januar 1995 wurde er wegen Beihilfe zum Mord angeklagt und am 31.Oktober von einem Sondertribunal zum Tod durch Erhängen verurteilt. Einen Lichtblick hatte Wiwa noch, denn es erfolgte seine Nominierung für den Friedensnobelpreis. Trotzdem wurden er und acht weitere Ogoni am 10.November 1995 gehängt. Der große Aufschrei der Weltöffentlichkeit kam zu spät, um noch seinen Tod zu verhindern. Doch Ken Saro-Wiwa bleibt den Menschen in den Köpfen, als ein Held aus Afrika, als jemand, der mit seinem Tod rechnete!

Ken

 

 

 

 

 

Ken Saro-Wiwa

Ken Saro-Wiwa

Team
Lucas Eiling, Luka Renner, Niko Sensmeier

Musik aus Nigeria
You Tube Musikvideo: Aduke –  Hear the voice
http://www.youtube.com/watch?v=ZHcYQCZZ-gM

 

 

Somalia

150px-Flag_of_Somalia.svg  Waris Dirie

 „Weibliche Genitalverstümmelung hat nichts mit Kultur, Tradition oder   Religion zu tun. Sie ist Folter und ein Verbrechen, das bekämpft werden muss.“

Waris Dirie wurde 1965 in der Region von Gaalkacyo in Somalia (Ostafrika) geboren. Vom Beruf aus ist sie Fotomodell und Schriftstellerin. Ihr Bestseller „Wüstenblume“, den sie 1998 veröffentlichte, wurde 2009 von Sherry Hormann verfilmt. Im März 2005 erhielt Waris Dirie in Wien die österreichische Staatsbürgerschaft.
Sie ist Menschenrechtsaktivistin und engagiert sich weltweit für Frauenrechte und gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen. Ihre Motivation kam durch die eigenen schlimmen Erfahrungen der Beschneidung im Alter von fünf Jahren. Acht Jahre später floh sie vor der Zwangsheirat nach Großbritannien.
Im Jahre 2002 gründete sie die „Desert Flower Foundation“, um gemeinsam mit anderen Frauen und Unterstützern dem Verbrechen der Beschneidung ein Ende zu setzen. Mindestens 150 Millionen Frauen auf dieser Welt sind Opfer von weiblicher Genitalverstümmlung (Female Genital Mutilation, FGM). Jährlich werden rund drei Millionen Mädchen in Afrika, Europa, den USA, Asien und Australien genital verstümmelt. 2003 hielt sie einen Vortrag vorm europäischen Parlament in Brüssel, in dem sie das europaweite Verbot gegen die weibliche Beschneidung forderte. Als Folge verschärften viele europäische Politiker die Gesetzte gegen die weibliche Beschneidung.
Am 11. September 2013 eröffnete Waris Dirie in Berlin-Zehlendorf das erste „Desert Flower Center“, in dem genitalverstümmelte Frauen behandelt und operiert werden können. Zu ihrem Frausein meint sie in ihrem Buch „Wüstenblume“: „Als ich ein Kind war, sagte ich, ich will keine Frau werden. Warum, wenn es so schmerzhaft ist und so unglückselig. Aber jetzt da ich erwachsen bin, bin ich stolz, dass ich sie bin.“

Porträt Dirie

 

                                                                             

Waris Dirie

Waris Dirie

Team
Laura Grabowsky, Kerstin Krüger, Laura van Oosterwijck

Musik aus Somalia
You TubeMusikvideo: Nas & Demian Marley feat. K’naan (Somalia) – Tribal Wars
http://www.youtube.com/watch?v=pKlEOtI9NjU

 

Äthiopien

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 Haile Gerima

“I never wanted to be part of an industry that fails to represent the world as it really exists.”

Haile Gerima ist ein äthiopischer Regisseur und Drehbuchautor. Der politische Filmemacher wurde 1946 in Gondar, Äthiopien, geboren. Beeinflusst durch die Tätigkeit seines Vaters, der durch Äthiopien reiste und Theaterstücke aufführte, wurde er schon früh an diese Kunst herangeführt. 1968, im Alter von 22 Jahren wanderte er aus seiner Heimat in die USA aus. In Chicago studierte er Theater. In seinem Studium wurde er von Anfang an mit Rassismus konfrontiert. Heute unterrichtet Gerima an der Howard University in Washington „Radio, Fernsehen und Film“. Außerdem ist er Mitglied in der „Los Angeles School of Filmmakers“.
Gerimas Filme haben alle einen politischen Hintergrund, wobei er besonderen Wert darauf legt, die Realität widerzuspiegeln. Aus diesem Grund lehnt er die eurozentrische Perspektive der meisten Hollywoodproduktionen ab und versucht, den Zuschauern die Geschichte Afrikas und insbesondere seines Heimatlandes Äthiopien, so realistisch wie möglich nahezubringen. In seinen Filmen behandelt er Themen wie strukturellen Rassismus in Amerika, Sklaverei, Ausbeutung und Armut. Aber er thematisiert auch die Brutalität der Diktatur in Äthiopien.
Gerimas Meisterwerk „Sankofa“ wurde 1993 erstausgestrahlt und lockte weltweit Millionen Zuschauer in die Kinos. Sein bisher letzter Film „Teza“ aus dem Jahr 2008 behandelt die schwierige Rückkehr eines äthiopischen Medizinstudenten in sein Heimatland nach jahrelangem Aufenthalt in Deutschland.

Porträt Gerima

 

 

 

 

 

Haile Gerima

Haile Gerima

Team
Kirsten Becker, Julia Gundlach

Musik aus Äthiopien
You Tube Musikvideo –  Yegna feat. Haile Roots „Abet“

Benin

150px-Flag_of_Benin.svg  Angelique Kidjo

“It is an issue of attitude change. You cannot preserve cattle and let your children die.”

Angelique Kidjo wurde 1960 in Ouidah, Benin, Westafrika geboren. Sie ist Sängerin und bekannt als „Queen of Afro-Funk“. Sie landete weltweite Charts Hits, wie zum Beispiel „Agolo“ im Jahr 1994.
Schon in jungen Jahren begann Angelique Kidjo sich für Musik und Tanz zu interessieren. Mit Hilfe ihrer Musik versucht sie Menschen zu erreichen und auf Korruption und Krieg aufmerksam zu machen. Da sie in ihren Liedern nicht die politische Linie der kommunistischen Machthaber in Benin vertrat, wanderte sie aus Furcht vor einer Gefängnisstrafe 1982 nach Frankreich aus. Dort begann sie ein Jurastudium, um sich für Menschenrechte einsetzen zu können. Kidjo brach das Studium aber ab, um sich ganz ihrer Musik widmen und sich für Menschenrechte einzusetzen zu können.
Kidjo wird Sonderbotschafterin der UNESCO und ist seit 2002 Botschafterin für UNICEF. Mit ihrer Stiftung „Batonga“ (Schmetterling), unterstützt sie Mädchen in fünf afrikanischen Staaten, damit sie weiterführende Schule besuchen können. Durch ihr großes Engagement hat die engagierte Diva bereits diverse internationale Auszeichnungen erhalten, wie beispielsweise einen Grammy für das Beste zeitgenössische Weltmusikalbum. Für viele Afrikanerinnen, die sich Gleichberechtigung wünschen, hat Ihr Werdegang eine Vorbildfunktion.

Porträt Kidjo

 

 

 

 

 

 

Angelique Kidjo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Musik aus Benin
You Tube Musikvideo: Angelique Kidjo –  Batonga (Schmetterling)

http://www.youtube.com/watch?v=duiyobfig

 

Südafrika

Flag_of_South_Africa.svg  Steve Biko

 „Es ist besser für eine Idee zu sterben, als für eine Idee zu leben, die sterben wird.“

Stephen Bantu Biko (Steve Biko) wurde am 18.Dezember 1946 in King Williams Town in Südafrika geboren. Er besuchte die Grundschule in King William‘s Town und ging dann auf die Missionarsschule Marianhill in Natal. 1966 schrieb er sich für Medizin in der schwarzen Abteilung der Universität von Natal ein, da er als schwarzer Südafrikaner aufgrund der rassistischen Apartheidsgesetze nicht mit Weißen zusammen studieren durfte. Biko sah sich durch diese Diskriminierung provoziert und gründete mit seinen Studienfreunden 1968 die Südafrikanische Studenten Organisation (SASO), deren Präsident er wurde. Steve Biko legte viel Wert darauf, die schwarzen Studenten gegen die Apartheidsgesetze zu mobilisieren, denn sie waren die Hauptstütze der Organisation. Die SASO entwickelte sich schnell zu einer gewaltigen Kraft in der politischen Welt Südafrikas.
Als späterer Publikationsdirektor der Studentenorganisation veröffentlichte Biko mehrere engagierte Texte zur schwarzen Widerstandsbewegung. Sein Ziel war die Gleichberechtigung für alle Südafrikaner. Durch seine politischen Aktivitäten und seine Popularität wurde er immer gefährlicher für das Regime. Daher schränkte die Regierung mittels der Apartheidsgesetze Bikos Wirkungskreis immer stärker ein. Entgegen seiner Aufenthaltsbeschränkung verließ der südafrikanische Bürgerrechtler King Williams Town. Nach seiner Verhaftung wurde er im Polizeigefängnis so stark gefoltert, dass er am 12. September 1977 auf dem Weg ins Krankenhaus an den Folgen seinen Verletzungen erlag.
Neben Nelson Mandela ist Steve Biko der populärste Aktivist für Gleichberechtigung im Kampf gegen die Apartheid.

Steve Biko

                                                            

 

 

 


 

     

 

Steve Biko

Steve Biko

                                                      Team
Milad Albers, Marco Lolaj, Sam Nafe

Musiktitel zu Steve Biko

You Tube Musikvideo: Tappa Zukie – Tribute To Steve Biko
http://www.youtube.com/watch?v=6kX8-VgV5MU
You Tube Musikvideo: Peter Gabriel & Youssou N#Dour- Biko
https://www.youtube.com/watch?v=jdDEwVD7dHE

Liberia

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 Leymah Gbowee

“Man kann Menschen von der Notwendigkeit überzeugen, jedoch erst wenn die Machtlosen sehen, dass sie etwas bewegen können wird man ihre Bewegung nicht mehr stoppen können.“

Leymah Roberta Gbowee wurde am 1. Februar 1972 in Monrovia geboren. Sie lebte bis zum 17. Lebensjahr im Landesinneren und zog dann wieder in die Hauptstadt Liberias zurück. Dort erlebte sie den Ausbruch des Bürgerkrieges (1989-2003); der ihr Leben und ihre Aktivitäten nachhaltig prägte. In den folgenden Jahren machte sie sich einen Namen als Frauen- und Friedensaktivistin.
In Monrovia arbeitete sie als Streetworkerin, um den vom Bürgerkrieg traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Zwischen Dezember 2001 und 2005 arbeitete sie als Programmkoordinatorin bei „Women in Peacebuilding“. Im Jahr 2002 gründete sie mit anderen Frauen die Bewegung „Women of Liberia Mass Action for Peace“, mit welcher sie öffentliche Gebete und Protestgesänge für den Frieden veranstaltete.
Als Erkennungsmerkmal trugen die Frauen weiße Kleidungsstücke als Zeichen der Reinheit. Ihr „Sex-Streik“ zwang die männliche Regierung zu einer pazifistischen Politik, da ein Großteil der liberianischen Frauen den Männern den Sex verweigerte. Aufgrund ihrer gewaltfreien Proteste fand Sie große Akzeptanz in der Bevölkerung sowie viele neue Anhänger.
Nach dem Bürgerkrieg, in der Zeit vom Februar 2004 bis Oktober 2005, war sie Mitglied der Kommission für Wahrheit und Versöhnung in Liberia. Im Jahr 2009 erhielt sie den Gruber-Preis für Frauenrechte und den „Crystal Award for Bulding Peace“ des „Victor E. Ward Educational Fund of Liberia“. Für ihr großes Engagement, gewaltfrei Frieden und Frauenrechte durchzusetzen, erhielt sie 2011 den Friedensnobelpreis.

Porträt Gbowee

 

 

 

Leymah Gbowee

Leymah Gbowee

 

Team
Marc Becker, David Braun, Fabian Portner,
Kai-Niklas Tzieply

You Tube Musikvideo: Alpha Blondy – Peace in Liberia
http://www.youtube.com/watch?v=zRZsUoFSL4Q

Der Checkpoint Afrika e. V. bedankt sich bei allen Beteiligten, insbesondere bei den Schülerinnen und Schülern für die engagierte Zusammenarbeit. Die Porträts (Collagen) der Heldinnen und Helden aus Afrika sind im Original 80×100 cm groß.
Das Projekt wurde in Kooperation mit der Volkshochschule Münster, gefördert durch dvv international und mit finanzieller Unterstützung des BMZ durchgeführt.