Bildungsinitiative
Entkolonisieren als Bildungsauftrag
Wir werden es wagen die Zukunft zu erfinden.
Thomas Sankara
Die Bildungsinitiative Afrika checken steht in direkter Nachfolge zum ehemaligen Verein Checkpoint Afrika (2007-2023), möchte aber dessen langjährige antirassistische Arbeit im pädagogischen Bereich intensivieren und internationalisieren. Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht die Zusammenarbeit mit einer kenianischen Hochschule, um gemeinsam innovatives, empowerndes und frei zugängliches Bildungsmaterial (OER) zum afrikanischen Kontinent zu erstellen. Zudem sind Schulkooperationen geplant. Die übergeordnete Zielsetzung der bildungspolitischen Projektarbeit soll dabei im Entkolonisieren von destruktiven und realitätsprägenden Welt- und Menschenbildern liegen, die bis heute nicht nur das Bewusstsein, sondern auch die Lebens- und Erfahrungsrealitäten von Menschen in Europa, Afrika und der afrikanischen Diaspora entscheidend und nachhaltig prägen.*
Frantz Fanon als visionärer und revolutionärer Lehrmeister
Zur Verwirklichung dieser Zielsetzung kommt der Aktivistischen Theorie Frantz Fanons, in der er die verbindende Einheit von radikaler Theorie und revolutionärer Praxis einfordert, fundamentale Bedeutung zu. Sein Credo: Bildung darf kein rein akademischer Akt sein, sondern muss untrennbar mit dem revolutionären Kampf um gesellschaftliche Befreiung und Veränderung verbunden sein. Ihm, dem brillanten Arzt, Psychiater, Politiker, Philosoph und Schriftsteller von der französischen Insel Martinique**, seinem kompromisslosen Kampf gegen die kolonialrassistische Unmenschlichkeit Europas, seinem unbändigen Mut und progressiven Geist, seinem radikalen Humanismus sowie der epochalen Bedeutung seines aufrüttelnden Werkes*** und inspirierenden Wirkens ist die kommende kenianisch-deutsche Zusammenarbeit gewidmet.
Frantz Fanon‘s legacy: A Guide to Liberation Today (1:17 Min.)
Empowernde Vorbilder aus Afrika
Als Ausgangspunkt für die pädagogische Zusammenarbeit und Zielsetzung ist ein Revival des ehemaligen Checkpoint Afrika Schulprojektes „Global Heroes – Heldinnen und Helden aus Afrika“ geplant. Das innovative Projekt verbindet Kunst mit Politik und kann aufgrund seines interdisziplinären Ansatzes auf vielfältige Weise für die pädagogische Zusammenarbeit wiederbelebt werden. Im Mittelpunkt stehen charismatische und historische Persönlichkeiten aus afrikanischen Ländern, die mir ihrem visionären Denken und mutigen Handeln der Weltgemeinschaft konstruktive und zukunftsfähige Lösungen zur Bewältigung globaler Herausforderungen vorgegeben haben. Die Projektarbeit setzt auf die Vielfalt positiver Gegenbilder, um die vorherrschende abfällige sowie abwertende Sicht auf den afrikanischen Kontinent und seine Darstellung als dystopischen Ort grundlegend zu verändern.
Gegen irrationale Menschenbilder und destruktive Weltsichten
Fakt ist: Das Image Afrikas und die Wahrnehmung seiner Menschen sind im kollektiven Bewusstsein Europas im Kern ungebrochen negativ geblieben. Das Fatale ist, dass dieses einseitige und stigmatisierende Negativimage als Folge der 600 Jahre andauernden destruktiven und kolonialrassistischen Vorherrschaft bis heute weltweit verbreitet ist: fatalerweise auch auf dem afrikanischen Kontinent und seiner Diaspora. Der Videobeitrag „Warum halten sich Stereotype über Afrika so hartnäckig?“ sucht nach Gründen für die Fortexistenz und Wirkmächtigkeit kolonialrassistischer Bilder und enttarnt diese als einseitig und falsch.
Wie tief kolonialrassistische Menschenbilder, Denk- und Verhaltensmuster immer noch in der Weltpolitik verankert sind, verdeutlichen die unzähligen menschenverachtenden und demagogischen Hassreden des aktuell amtierenden US-Präsidenten Donald Trump über Afrika und der afrikanischen Diaspora. Unverkennbar und unverhohlen zeigt sich in ihnen sein Festhalten an der kolonialrassistischen Ideologie der „White supremacy“ (Weiße Vorherrschaft). Diese prägt, obwohl schon längst als irrational und unhaltbar bewiesen, bis heute weltpolitische und gesellschaftliche Realitäten ganz entscheidend: auch in Deutschland.
Reaktionen auf Trumps rassistische und menschenverachtende Verbalattaken:
Anmerkungen
*Bildungskooperation
Mehr Infos finden sie unter dem Menüpunkt Aktuelles.
** Martinique
Martinique ist kein eigenständiges Land, sondern bis heute ein überseeisches Departement und Besitz Frankreichs geblieben. Die karibische Insel gehört rechtlich und politisch zu Frankreich sowie zur Europäischen Union. Offizielle Währung ist der Euro. In der Frühphase der kolonialen Gewaltherrschaft verübten die Franzosen einen Genozid an der originären Bevölkerung Martiniques. Zur Beschaffung neuer Arbeitskräfte für die Plantagewirtschaft versklavten sie jahrhundertelang Menschen vom afrikanischen Kontinent, deren Nachfahren bis heute den größten Bevölkerungsanteil auf Martinique bilden. Einen verschwindend geringen Anteil an der Bevölkerung haben die Nachkommen französischer Sklavenhalter*innen, die aber immer noch bis heute die Insel ökonomisch weitgehend dominieren. Weitere Minderheiten bilden eingewanderter Menschen aus Indien, China, Syrien und dem Libanon. Die offizielle Sprache auf der Insel ist Französisch, aber die Muttersprache der Mehrheit der Bevölkerung ist Martinique-Kreolisch.
*** Literaturangaben zu Frantz Fanon
Fanon, Frantz (1952). Black Skin, White Masks. Grove Press. New York.
(Französisches Original: Peau noire, masques blancs (1952). Éditions du Seuil. Paris)
Fanon, Frantz (1967). The Wretched Of The Earth.Penguin Books. München.
(französisches Original 1961)
Fanon, Frantz (1967). Towards the African Revolution. Grove Press. New York.
(Französisches Orginal: Pour la révolution africaine (1964).Verlag François Maspero. Paris.
Fanon, Frantz (1965). Studies in a Dying Colonialism. Grove Press. New York.
(Französisches Original: L ‚An Cinq, de la Revolution Algerienne (1959).
Fanon, Frantz (1967). Letter to the Youth of Africa.Veröffentlicht in: Towards the Afrikan Revolution.
(Französisches Original 1958): Lettre à la Jeunesse française. Erschienen in der Zeitung El Moudjahid, Organ der algerischen Befreiungsfront (FLN).