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Jugendbegegnung
Rjasan – Blau-Weiß Aasee – das war’s!


"Unsere Erwartungen wurden noch übertroffen", sagte Maxim gegen Ende des Besuches von dreizehn jungen RjasanerInnen bei Blau-Weiß Aasee. "Das Programm ist nicht mehr zu toppen" fand Dietmar mehr als einmal und alle würden die zwei Wochen vom 8. bis 22. Juli 2001 in großartiger Erinnerung behalten. Aber wie war das noch? (Die kursiv erscheinenden Texte entstammen übrigens der Lagerzeitung, sind also Primärquellen und daher mit mehr Respekt zu betrachten als der Rest.)

Da kamen die (würde Hanna sagen) also nach zweitägiger Busfahrt sonntags um 12:45 Uhr am Busbahnhof Münster an, wurden in sechs Autos geladen und dann nach Hiltrup ins Kloster, Tür zu, fertig ;-) Im Missionshaus der Herz-Jesu-Missionare, das die insgesamt 22 für die erste Woche bewohnen sollten, gab es erst einmal Ausruhen und abends eine Begrüßung mit Grillen.

Der Montag war dann ziemlich sportlich, mit Brennball vormittags, Volleyball mit Frank nachmittags, und gegen Abend das vielzitierte "Radfahren üben", geboren aus der Annahme, da wir selbst im April in Rjasan nur ganz vereinzelt Fahrräder gesehen hatten, könnten die das alle nicht, und bei dem Busstreik; jedenfalls hatten wir für jede/n ein Fahrrad besorgt und sind dann ein bißchen ums Kloster herumgefahren. "Die meisten konnten Fahrradfahren, und die es nicht konnten, können es jetzt immer noch nicht", lautete Hanna’s absolut zutreffendes Fazit. Später gab es dann noch ein sehr langes und intensives Wasserballspiel, bei dem sich die Herren bei zahlenmäßiger Unterlegenheit von zeitweise drei vs. elf mit 118 zu 114 Toren knapp, aber ungefährdet gegen die Damen durchsetzten.

Als wir erfahren haben, dass es im Kloster ein Schwimmbad gibt, gingen wir schon am ersten Abend dahin. Für Russland ist es unmöglich, dass im Kloster ein Schwimmbecken ist, deswegen waren wir sehr erstaunt und überrascht (und natürlich erfreut). Und zwei Tage später, als Dietmar Tore und Bälle holte, wurde das Schwimmbad zu einem richtigen "Kampfort" zwischen gemischten deutsch-russischen Mannschaften. Ein besonders spannendes und kräftiges Ringen gab es zwischen Kathi und Sascha (zum Glück war das Becken nicht so tief).
Während der ersten Woche im Kloster haben wir uns viel bewegt: Fahrrad und Scooters gefahren, Volleyball und Badminton gespielt, aber die meisten blauen Flecken und Kratzer haben wir beim Wasserball gekriegt. Das waren echt tolle Abende – mit viel Lachen und Energie (nach dem Halbfinale wurde Tanja sogar in die Augenklinik mit einer Augenverletzung transportiert). Und obwohl ich auch einen ganz schönen Kratzer am Kinn habe, hat Wasserball mir trotzdem am meisten Spaß gemacht.
Lena

Am Dienstag ging es dann mit dem Fahrrad in die Stadt, also nach Münster, wo die Gruppe durch Andrea Lammers vom sog. Amt 01 ("des Rates und des Oberbürgermeisters") und Bürgermeister Günter Schulze Blasum im Friedenssaal herzlich empfangen wurde.

Um Münster enger kennenzulernen, war bei uns ein Stadtspiel. Wir wurden in vier Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe bekam verschiedene Aufgaben: Wir mussten einen Mord lösen. Das war nicht leicht, weil alles auf deutsch war. Darum mussten unsere deutschen Freunde uns viel helfen. Wir liefen durch das Zentrum der Stadt und sahen viele interessante Orte und Gebäude. Wir konnten nicht alles verstehen und erklären z.B. Lena und Dascha versuchten Johannisbeeren zu malen mit Kreide, damit Jens und Sarah sie verstehen konnten.
Dascha

Mittwoch war erstmal der Geburtstag von Lara. Daneben wurde in einem Studio des Bürgerfunks von Radio Antenne Münster eine einstündige Sendung für die Serie "School‘s out", diesmal mit dem Untertitel "Ost meets West" aufgenommen. Die Moderatoren Melanie und Norbert entlockten den Gästen einige Perlen, so erläuterte Gesine, sie sei für das "leibliche Wohl" zuständig, und einer faselte etwas von "innerer Vernetzung".

Meine erste Reise nach Deutschland ist ein großes Erlebnis meines ganzen Lebens. Ich bin auch sehr stolz darauf, dass wir in Münster viele Spuren hinterlassen haben. Einmal steht unser Foto in zwei Zeitungen und zweitens haben wir eine Radiosendung gemacht. Zuerst hatte ich große Angst, dass ich meine Antwort, die ich vorher tüchtig vorbereitet habe, nicht rechtzeitig sagen werde, so dass alle Zuhörer verstehen werden, dass ich nichts verstehe. Aber unser Moderator Norbert hat alles sehr professionell gemacht und die Radiosendung mit Klostercharts von uns ist sehr gut geworden. Wir haben sie auf eine Kassette aufgenommen und jetzt kann ich auch meinen Freunden in Russland nachweisen, dass ich in Deutschland ein Radio-Star geworden bin.
Mascha

Am Abend wurden wir dann sehr freundlich von McDonalds zum Snack eingeladen, später noch Billiard und Jovel, bis vom Bahnhof kein Bus mehr fuhr.

Der Diskobesuch ist es, was mich am meisten an der Reise interessiert hat. Unsere Betreuer haben uns gesagt, dass die Jugendlichen vor 16 in Deutschland nicht in die Disko gehen dürfen, darum waren wir sehr angenehm überrascht, als wir ins Jovel gingen. Wir gingen sogar am Abend vorher rechtzeitig schlafen.
Ich gehe in Rjasan oft tanzen und kenne auch die meisten Diskos in unserer Stadt. Die sind aber gar nicht so cool wie Jovel. In Rjasaner Diskos wird meistens schlechte Pop-Musik gespielt und hier gab es viel Rock. Bei uns fängt richtige Party schon gegen 23 an und hier war halb elf noch fast keiner da und leider mussten wir schon gehen, als es erst richtig losging.
Tanja

Der Donnerstag war dann mehr zum Erholen; vormittags Badminton, später alternativ Stadtbad Mitte, Botanischer Garten oder Training zum "Turnier der Sieger", einer Pferdeveranstaltung.

Am Freitag, den 13. Juli haben wir uns um 10.30 Uhr mit leichter Müdigkeit auf den Weg nach Gievenbeck gemacht. Dank Jens konnten wir die wunderbare Landschaft des Münsterlandes länger als unbedingt nötig genießen, ganz zum Gefallen der Russen. Nach 1 ¼ Stunden kamen wir müde, dennoch aber gutgelaunt am russischen Soldatenfriedhof an. Auf diesem Friedhof liegen Gefallene des 1. Weltkrieges. Die Mehrheit der Gräber ist von Russen belegt, da die Toten von England, Frankreich, Belgien etc. in ihre Heimat zurückgebracht wurden und nun auf dortigen Friedhöfen liegen.
Nachdem wir uns den Friedhof angeschaut haben, sind wir zum Rüschhaus gefahren, um uns für den Rückweg zu stärken. Dabei möchten wir uns auch ganz ganz herzlich bei den Betreuern bedanken, die immer durch kleine Buffets dafür gesorgt haben, dass wir etwas zwischen die Zähne bekommen.
Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen kleinen Abstecher zum Hüerländer Hof gemacht, um noch eine Runde Minigolf zu spielen. Nachdem der Sieger feststand, machten wir uns auf den Rückweg. Dieser stellte sich für so manche als sehr beschwerlich heraus. Eugenia landete im Gebüsch und Kathi vor einem Straßenpfeiler. Trotz kleiner Missgeschicke kamen alle heil bei Aasee an und manch eine/r denkt mit einem Grinsen an diesen Tag zurück.
Fridde u. Kathi

Es heißt also wirklich, "bei Aasee" und nicht etwa "am Aasee ankommen", ebenso wie "ich gehe zu Aasee, spiele bei Aasee, komme von Aasee, ein Tor / Punkt für oder gegen Aasee" natürlich vollkommen richtig sind.

Ich bin in Deutschland zum ersten Mal und habe hier sehr viel Schönes erlebt. Besonders interessant fand ich Minigolf. Ich kannte früher nur Groß-Golf, aber dieses Spiel finde ich zu langweilig. Mini-Golf hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allem auch darum, weil wir zusammen mit den deutschen Mädchen gespielt und viel gelacht haben. Dann haben wir uns noch ganz toll auf dem Spielplatz amüsiert und Rehe gefüttert.
Nastja

Deutsche Krankenhäuser. Hier in Münster treiben wir viel Sport. Einmal haben wir Brennball gespielt und ich verletzte meine Kniescheibe, sie war abgesprungen und es hat sich ein Bluterguss am Knie gebildet. Es tat mir weh und wir gingen zum Arzt. Münsters Krankenhaus ist sehr ordentlich, sauber und sehr gut ausgestattet. Die Krankenschwester fragte mich, ob ich gehen könne. Ich antwortete, daß ich nicht gehen kann. Sie gab mir einen Rollstuhl. Das war sehr lustig, weil Olga mich geschoben hat, sie konnte aber weder bremsen, noch mich durch die Kurven fahren, weil wir sehr schnell waren. Dann haben sie mein Knie geröntgt und nach fünf Minuten hatten sie das Bild schon. In Russland muss man einen Tag auf dieses Bild warten.
Sie gaben mir Krücken und es war sehr lustig, mit diesen Krücken zu laufen. In zwei Jahren muß ich mich operieren lassen und ich habe keine Angst, diese Operation in Deutschland machen zu lassen.
Dascha

Köln. In der Schule haben wir gelernt, dass Köln eine der schönsten Städte Deutschlands ist. Fast in jedem Lehrbuch für Deutsch gibt es Bilder des Kölner Domes und ich habe immer davon geträumt, den Dom einmal mit eigenen Augen zu sehen. Darum habe ich mich wahnsinnig gefreut, als wir nach Köln gefahren sind.
Am Hauptbahnhof angekommen, sind wir direkt zum Dom gegangen. Er machte auf mich einen wunderbaren Eindruck und auf die ganze Gruppe auch, meine ich. Björn, der für uns die Reise organisiert hat und überhaupt sehr nett war, zeigte uns einige Kirchen und das Rathaus und erzählte sehr interessante Geschichten dazu. Dann gingen wir ins Schokoladenmuseum. Ich wußte früher nicht, wie man Schokolade macht. Am besten hat mir gefallen, als wir alle Kakaobohnen gegessen und gelacht haben. Nach der Führung hat uns Björn noch Schokolade geschenkt.
Am Nachmittag fing es an zu regnen und wir wurden ganz nass, weil wir keine Regenjacken hatten und mit Tüten aus dem Schokoladenmuseum auf dem Kopf herumliefen. Am Ende sind wir noch 500 Stufen auf den Kölner Dom hochgeklettert!
Ich freue mich schon darauf, wie ich über unsere Fahrt nach Köln im Deutschunterricht in der Schule erzählen werde.
Luba

Köln war samstags. Am Abend bedankten wir uns bei den Brüdern und Schwestern des Herz-Jesu-Missionshauses mit einer kleinen Musik- / Tanz-Performance durch Aljona und Nastja für die sehr herzliche Aufnahme. Sonntagmorgens besuchten wir abschließend den Gottesdienst und gegen Mittag wurden die Mädchen von den Gastfamilien abgeholt, in denen sie die zweite Woche wohnen sollten.

Am Montag hörte man sich am neuen Treffpunkt Vereinsgelände zunächst die besagte Radiosendung an.

Nachtbesuch im Zoo. Am Montag, dem 16. Juli, sind wir mit den russischen Mädchen nach einem gemeinsamen Nachmittag, in den Zoo zu einer Nachtführung gegangen. Dort wurden wir von Christoph Matzke, einem netten Zoobiologen, empfangen. Er erzählte uns viel über die verschiedenen Tiere. Man hatte den Eindruck, dass er jedes Tier persönlich kannte.
Er zeigte uns die Bären, die Raubtiere, die Nashörner und die Reptilien. Der Höhepunkt war aber das erst drei Wochen alte Giraffenbaby. Um 23.30h durften wir endlich nach Hause gehen.

Am Dienstag ging es in Kanus von Telgte nach Gelmer.

Paddeln auf der Ems. Als ich das im Programm gelesen habe, verstand ich zuerst gar nichts. Später hat es sich herausgestellt, dass "Ems" ein Fluss ist und "paddeln" ...
Was "paddeln" heißt, habe ich erst dann verstanden, als wir im Boot zusammen mit Björn und Kathi saßen. Wir waren ein sehr gutes Team, aber das haben wir erst am Ende der Fahrt bewiesen, als wir als erste angekommen sind. Zuerst haben alle über uns nur gelacht, weil wir zweimal gekentert sind. Aber ich glaube, wir haben deswegen sogar mehr Spaß gehabt als die anderen.
Natascha

Nachdem am Abend noch ein russischer Tanz und ein tolles Lied in russisch und so etwas wie deutsch einstudiert wurde, stand der Mittwoch im Zeichen des deutsch-russischen Abends, zu dem wir alle Helfer, Förderer, Gasteltern, April-Rjasan-Fahrer und Interessierte eingeladen hatten, Borschtsch, Kartoffelsalat und Lett-Öl einzunehmen. Bei einem Rjasan-Quiz verblüfften die Aaseer durch profundes Wissen.

Donnerstag fuhr die Gruppe dann mit etwas Verstärkung und im Bus nach "Fort Fun" im Sauerland. Mal ein paar Berge sehen, sich ordentlich durchschleudern lassen und den ganzen Tag vermeintlich harmloses Honkytonk-Gedudel hören – das fehlte bisher noch.

Am Freitag wurde die Lagerzeitung fertiggestellt und am Samstagmorgen ging es dann für einige um 4.00 Uhr, für die meisten um 6.00 Uhr zum Großen Flohmarkt, auf dem wir dank der Gaben einiger Vereinsaktiven einen passablen Verkaufsstand auf die Beine stellten und auch einen ganz guten Erlös erzielten. Später trafen sich alle noch einmal zum Abschlußabend bei Dietmar und jede/r durfte jeder/m anderen noch einmal schriftlich das Passende erzählen.

Am Sonntag dann Transfer mit fünf Autos zum Busbahnhof Dortmund, herzlicher und schmerzlicher Abschied, der Fahrer des Hettich-Busses macht Druck und verläßt um 13:45 Uhr den Parkplatz.

Schönen Dank an alle, die es für uns möglich gemacht haben, das schöne Münster mit eigenen Augen zu sehen, an alle, die unseren Aufenthalt finanziert haben, an alle Gastfamilien und an unsere Kollegen Dietmar, Jens und Gesine.
Olga, Natascha und Max

 

 

 

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