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Saison 2002/2003 - Kreisliga B3
22. Spieltag, Sonntag, 13.04.2003, 13.00 Uhr
Blau-Weiß Aasee - Clube Juventude
0 : 1 (0
: 1)
Aufstellung: Björn W. - Björn U. (72. Jan
B.), Jens, Schrammi - Joachim, Thotti, Michael, Dirk (74. Philip),
Helmut - Frank, Johnny
Tor:
0:1 (14.)
Bes. Vorkommnisse:
(36.) Gelb-Rote Karte: Michael (Meckern/Nicht-Wiederanmelden)
(68.) Rote Karte Juventude (Tätlichkeit)
Erneut knapp daneben - Verlernt Aasee das Siegen?
Philip: Zerrung - Michael: Baut gerade sein Haus -
Johnny: Finger gebrochen - Dirk: Magen/Darm-Krankenschein - Schrammi:
Junggesellenabschied - Jan: 90 Minuten in der Zweiten.
Die Liste der Ausfälle vor diesem Spiel also erkennbar lang, das
besondere Problem des Trainers aber: Alle Vorgenannten mussten
trotzdem spielen. Richtig aus fielen: Nicholas: Hexenschuss -
Steffi: Achillessehne - Magnus: Autounfall - Christian: Skiurlaub.
Eitel Sonnenschein vor Spielbeginn, der Trainer schöpfte aus dem
Vollen. Einige Spieler machten sich dies zunutze und erhöhten
umgehend den eigenen Marktwert: "Michael, wir haben nur zehn Leute -
maximal" - "Ich steh gerade auf meinem Bau. Wenn mir in zwei Wochen
drei Leute aus der Mannschaft helfen, könnte ich vielleicht..." Die
drei Leute bekam er und wir für eine halbe Stunde den grauen Wolf,
aber das ist eine andere Geschichte.
Spiel
Juventude hat im Moment einen Lauf und dürfte nach Lage der Dinge in
dieser Saison den zweiten Tabellenplatz erreichen. Zudem steht die
Truppe im Pokalhalbfinale, was bis dato noch nie einer B-Truppe
gelang.
Das portugiesische Problem: BWA ist so etwas wie der
Vereinsangstgegner, schon im Hinspiel bekamen sie gegen uns (4:2)
die mit Abstand meisten Gegentore der Saison und verloren das Spiel,
entsprechen vorsichtig ging der Gast zunächst zu Werke.
Aasees Problem: Es fehlte gestern die spielerische Potenz im
Mittelfeld, um daraus Kapital zu schlagen. Helmut ("Ich war heute
richtig schlecht") bekam das Spiel zu keinem Zeitpunkt in den Griff,
Dirk spürte die eigenen Beine kaum und wankte über den Platz.
Impulse nach vorne? Allenfalls zu erahnen. Johnny ("Fingers") ging
vorne aus gutem Grund nicht richtig in die Zweikämpfe. Das konnten
die guten Thotti, Joachim und Frank, wieweil bemüht, nicht alles
kompensieren.
Um es klar zu sagen: BWA hätte dieses Spiel gewinnen müssen.
Juventude hatte nur eine wirkliche Chance im gesamten Spiel, und
damit ist nicht die zum Tor führende gemeint. BWA hatte deren zwar
auch nicht viele, drei in Halbzeit I, fünf im zweiten
Spielabschnitt, aber qualitativ deutlich höherwertig. Am Ende nutzte
es nichts, und das hatte mehrere Gründe:
Der Gegner war nicht gut, aber er war clever. Die Portugiesen
nutzten ihre erste zeitweilige numerische Überlegenheit in Halbzeit
I (Dirk war auf der Toilette.) eiskalt aus. Joachim passt von links
schlampig auf Björn U. zurück, ein Clube-Spieler geht dazwischen,
bedient seinen bulligen Mittelstürmer, der mit einer
Arsch-Raus-Drehung in Schussposition gelangt, und abschließt.
Schrammi, dabei getunnelt, kann einem nicht eben schnell Richtung
Tor trudelnden Ball nurmehr hinterher sehen, Björn erreicht den
nicht ernsthaft platzierten Ball nicht. Was für eine Gurke.
Danach beschränkte sich Juventude auf ein einigermaßen sicheres
Spiel aus der Abwehr heraus und das sollte schließlich auch reichen.
Und, anders als man es vom Gegner in anderen Jahren gewohnt war, die
Herren blieben ruhig
Grund zwei: BWA war zu keiner Phase richtig zwingend, so das der
Betrachter das Gefühl gehabt hätte, "hier klingelt es gleich".
Bemüht, ja natürlich, aber letztlich kam viel zu wenig gegen einen
schwachen Gegner, kaum herausgespielte Aktionen. Der "brennen heiße
Wüstensand" im Stadion Rote Erde schien irgendwie besonders im
BWA-Getriebe angekommen zu sein. Das Spiel war eine Lust.
Im Mindesten der Ausgleich wäre dennoch drin gewesen. Frank Schmidt
setzte einen Kopfball nach Ecke Helmut auf die Latte (17.), kurze
Zeit später schoss er aus zwölf Metern knapp über dieselbige. Johnny
setzte sich einige Male gut in Szene, aber entweder fanden seine
Anspiele keinen Abnehmer oder er verzog den Abschluss. In Summe aber
zuwenig Offensiv-Kraft was, siehe oben, am Mittelfeld lag. Nachdem
Michael wieder bauen gehen konnte (36.), behielt BWA zwar mit viel
läuferischem und kämpferischem Aufwand die Initiative und hatte in
Halbzeit II einige Chancen, superdick waren die allerdings nicht.
Mit zwei Ausnahmen: Frank Schmidt nahm Dirk einen Kopfball von der
Platte, dessen Vorlage Helmut in den Rücken der Abwehr geschnibbelt
hatte. Der Rekonvaleszent sah sich hier schon jubeln (61.). Und der
spät eingewechselte Jan hätte beinahe nach Johnnys Hereingabe von
der Grundlinie am langen Pfosten zwei Meter vor dem freien Gehäuse
locker und elegant eingeschoben (86.). Leider versemmelte er -
locker und elegant, wobei der Schiedsrichter dankenswerter Weise
beim Zuspiel widersinnig auf Abseits entschieden hatte. Somit
bedurfte es der Selbstgeißelung des Schützen nicht.
Was wunderte war, dass BWA nach wiedererlangter numerischer
Gleichheit (Björn W. hatte provoziert) die Initiative sukzessive
abgab.
Da es sich dem Chronisten verbietet, den Herrn in Schwarz an den
Pranger zu stellen als Grund drei ersatzweise zu nennen: Michael
Janert.
Michael darf sich seine erste Karte nicht holen. Keine Frage. Das
war dumm und unbeherrscht, dafür entschuldigte er sich auch in der
Halbzeit bei der Mannschaft. Anständig, aber letztlich war das Kind
schon im Brunnen. Was Michael nach seiner ersten Karte nicht
begriffen hatte. Der diesmal zunächst keineswegs schlechte
Schiedsrichter (Der Herr beehrte uns bereits im BFV-Spiel, meine
seinerzeitige Philippika siehe dort.) hatte ihn nach seiner
Meckerei, wie sagt man, "auf dem Kieker". Und so war es ihm (pardon)
ein innerer Vorbeimarsch, Michael vom Platz zu stellen. Wegen
unsportlichen Verhaltens. Michael hatte, an diesem heißen Tage nicht
ungewöhnlich, außerhalb des Spielfeldes etwas getrunken und wurde,
wieder auf dem Platz, vom Schiri mit einem "Sie wissen, was gleich
kommt!" freudig begrüßt. Bei der nächsten Unterbrechung verwarnte er
ihn zum zweiten Mal, weil sich der Mittelfeldmann nicht angemeldet
hatte.
Der des Feldes Verwiesene verlor die Contenance und artikulierte
nachfolgend differenziert seinen Unmut, konstatierte die
offensichtliche Konjunktion von Ignoranz und Arroganz in der Person
des Schiedsrichters, vermeinte mehr Intelligenz bei seiner Tochter
(1 Jahr) denn beim Unparteiischen auszumachen - und ging
schließlich. Der Herr in Schwarz-Gelb drohte seinerseits dem vom
Spiel Ausgeschlossenen mit einem Sonderbericht ob dessen verbaler
Einlassungen.
Sonderbericht
Ist es denn zuviel verlangt? Kann man denn nicht einfach einen
anständig schlechten Kreisliga B -Schiedsrichter bekommen? Einen der
Sorte, die zu alt ist, die das Spiel aus dem Mittelkreis leitet,
halbblind. Oder dieser Herren, die ihre Entscheidungen fühlen, beide
Mannschaften gleichermaßen benachteiligen, jene, die Kommentare auf
die Palme bringen, die aber Härten überhaupt nicht wahrnehmen. Und
schließlich eine der gemütlichen Vaterfiguren, die will, das alle
mit allen Freund sind, die jeden Körperkontakt abpfeift. Und allen
gemein ist dieses herrliche "Ego me absolvo!" - "Ich pfeife nur, was
ich sehe."
So einen eben, der einfach dem Niveau der Klasse angemessen ist.
Aber bitte nicht er. Und nicht uns. Und warum zum zweiten Male in
einer Saison? Angereist mit kleiner (sic!) weiblicher Entourage, übt
er schon vor dem Spiel seine Posen, spricht sich seine
Entscheidungstexte vor, lernt die Spielernamen weitgehend auswendig
("Bitte, Herr Gerling!"), manche Spieler kennt der Herr "alle-Ringe-außer-Eheringen-sind-vor-dem-Spiel-abzunehmen"
mit Vornamen. Der Netzkontrolleur weiß um alle Regeln, auch die ganz
neuen und die irgendwann in der Zukunft gültig werdenden. Der Herr
Schienenbeischonerzähler ist offen für Experimente (Im BFV-Spiel
erfand er die Netto-Spielzeit; diesmal pfiff er nach exakt 90
Minuten ab.) und er ist vor allen Dingen eines. Er ist sich seiner
selbst bewusst. Er weiß, dass er ganz sicher zu sehr viel Höherem,
hier höherklassigem berufen ist.
Seiner gibt es wenige. Es sind diese Schiedsrichter mit dem
integrierten Erziehungsauftrag, die sich diebisch freuen, wenn sie
eine Regel wie beim Platzverweis zur Anwendung bringen. Auf solche
Momente warten sie, manchmal ein ganzes Spiel lang und tun dabei
nichts anderes. Außer stolzieren, Pfauen allesamt.
De iudicibus nihil nisi bene!
Auf dem Weg in die Halbzeitpause sprach der Chronist den
Unparteiischen an und fragte nach dem Grund des Platzverweises. "Er
hat den Platz verlassen und sich nicht wieder angemeldet. Ihr seid
der Regel konform, ihr wisst, dass man dann verwarnt wird." Freud
hätte dieselbige.
Spieler des Tages
Thorsten Gehling. Ackerte und rackerte auf rechts über 90
Minuten und übernahm in Unterzahl locker einen zweiten Gegenspieler
auf seiner Seite. Das Übergewicht, das Aasee über weite Strecken des
Spiels hatte, war vor allem ihm zu danken. Ein Vorbild in punkto
Einsatz und diesmal auch Disziplin. Unerwartet (Freund Schiri)
unverwarnt, ruhig in der Auseinandersetzung.
Nach vorne hätte er mit ein wenig mehr Glück zum Matchwinner werden
können, bekam einige Bälle um Haaresbreite nicht.
Stark. |