18. Spieltag, Sonntag, 09.03.2003, 13.00 Uhr
Aufstellung: Björn W. - Dirk (65. Björn U.),
Jens, Nicolas - Joachim, Schrammi, Magnus, Philip (46. Frank Schm.),
Helmut, Stefan - Johnny
Tore:
1:0 (28.)
2:0 (79.)
3:0 (86.)
Stupor mundi
Da hat BWA zum ersten Mal in dieser Saison alle Hochkaräter mit
Ausnahme von Michael Janert leidlich fit an Bord, und heraus kommt
so rein gar nichts. Da staunt die Welt und sucht nach Erklärungen.
Und der Chronist sucht eifrig mit.
Der eigentliche Spielverlauf in aller Kürze.
BWA verschlief die erste Halbzeit und hatte nur zwei annähernd
gefährlich Torgelegenheiten nach Standards (Dirk, Steffi). Der
Gegner hatte ein optisches Übergewicht bekam das zugegeben recht
schöne Führungstor indes von BWA blitzsauber serviert. Ecke von
links auf den Kurzen Pfosten, ein Eisenbahner kann den Ball ziemlich
unbedrängt annehmen und auf den Sechzehner zurücklegen, wo sein
Kollege in den Winkel vollendet. Schön.
In der zweiten Hälfte BWA mit mehr Druck (Frank Schmidt für Philip samt
Systemänderung) aber erstaunlich wenig Durchschlagskraft, sieht man
einmal von Franks Kopfball (Auf der Linie geklärt; 62.) und Johnnys
Großchance nach dem einzig herausgespielten Angriff (78.) ab. ESV
machte in der Schlussphase noch das 2:0 und 3:0, hätte aber schon
viel früher viel deutlicher führen müssen.
Ach ja, katastrophale Schiedsrichterleistung, luftarmer Ball und widrige
Platzverhältnisse.
Die eigene Nase
Helmut brachte es nach dem Schlusspfiff auf den Punkt: "Hier sollte
sich jeder an die eigene Nase fassen." Sollte dem ein oder anderem
dazu die nötige Einsicht fehlen, der Chronist ist gerne bereit dem
Betreffenden die nötigen Stichworte zu geben.
Deshalb an dieser Stelle erst- und zugleich letztmalig in dieser Saison
eine Einzelkritik, von Nummer C wie Coach bis zur Nummer 14.
Aus gegebenem Anlass und durchaus milde. Was bringt es schließlich, wenn
jetzt draufgehauen wird? Wir wissen ja alle, bla, bla, bla
Und wer sich im Vergleich zu den Mannschaftskameraden zu heftig
abgebürstet sieht, dem lege ich gerne persönlich dar, dass alles
noch viel schlimmer war. Nicht, dass es nachher heißt, ich sei für
Mannschafts- und Vereinsaustritte verantwortlich. Wer also ein
Problem hat, sollte den Mund aufmachen, Männer. Dafür stehe ich
gerne am Dienstag nach dem Training zur Verfügung. Trotz Verletzung,
aber auf ein Bier.
Coach + Taktik
Die Aufstellung mag mit Bedacht gewählt worden sein, indes erwies
sie sich aber als dem Spiel oder der Tagesform der Mannschaft nicht
angemessen. Jansen hatte mit nur einer Spitze (Johnny) begonnen,
ließ Frank Schmidt (Jet-Lag nachdem am Morgen erst aus dem
Kuba-Urlaub zurückgekehrt) auf der Bank und versuchte über ein
kompaktes wenngleich offensives Mittelfeld zum Erfolg zu kommen.
Notgedrungen ließ er zudem Dirk Libero spielen, Björn Uhlhorn fühlte
sich nach Muskelproblemen und gerade überstandener Grippe nicht fit.
Da auch Thotti ob Influenca passen musste hatte der Trainer ein
Problem im zentralen defensiven Mittelfeld (Michael Janert musste
arbeiten) und positionierte Joachim vor der Abwehr. Risiko.
BWA bekam das Spiel von Anfang an nicht in den Griff. ESV ließ den Ball
ziemlich sicher hinten herumlaufen und wartete auf die Lücken im
Mittelfeld. Johnny lief sich einen Wolf für nichts, das eigene
Mittelfeld stand nicht kompakt genug, trotz der vielen dort nominell
aufgestellten Leute. Insbesondere die Zentrale war immer
wieder unterbesetzt und Joachim kam auf der für ihn ungewohnten
Mittelposition nicht zurecht.
Das alles wurde an der Linie wohl erkannt, indes stellte der Trainer
vorerst nicht um. Zum einen, weil er glaubte zu Joachim keine
Alternative zu haben. Einspruch, Euer Ehren. Entweder stellt er das
Mittelfeld so um, dass er zum Beispiel Philip weiter nach hinten
zieht, als halbrechten Abfangjäger und Joachim weiter auf seine
stärkere linke Seite wandern lässt oder er hat spätestens zur
zweiten Halbzeit den Mut, Dirk auf die zentrale Position
vorzuziehen, Björn U. zu bringen oder aber zum Beispiel Jens oder
Nicolas den Ausputzer spielen zu lassen.
Zum anderen muss der Trainer frühzeitig das missglückte Sturmexperiment
beenden und einen zweiten Angreifer bringen, sei es, dass er Steffi
vorschiebt, sei es, dass er Frank Schmidt frühzeitig bringt, um den
Gegner stärker in dessen keineswegs gar so sicheren Abwehr zu
beschäftigen. Die Ein-Mann-Sturm-Version setzt auf Konter und das
schnelle Vorstoßen (mindestens) eines Mittelfeldspielers. Helmut
würde dazu die Pässe geben. Der ideale Spieler dafür ist ob seiner
Schnelligkeit Frank Schmidt, der spielte allerdings nicht. Steffi
ist es nicht, er hat viele Qualitäten, Schnelligkeit gehört nicht
dazu. Philip dito. Blieben Leute wie Schrammi, Magnus und Joachim,
doch ist deren Weg zum gegnerischen Tor definitiv zu lang.
Ob die Mannschaft mit den Umstellungen besser gespielt hätte, sei
dahingestellt. Aber reagieren muss der Coach, von der Linie kommt im
Spiel definitiv zu wenig Konstruktives. "Jungs, enger bei den Leuten
stehen!" bringt da nicht weiter. Warum nicht einfach mal Helmut an
den Rand holen und mit ihm die Lage besprechen. Klare Anweisungen,
wenn die Mannschaft wie Sonntag schlicht zu ruhig und lethargisch
ist.
Und, aber das ist ein altes Lied, wir sollten bitte versuchen unsere
Stärken aufzustellen und uns nicht nach dem Gegner zu richten. Warum
ziehen wir schon vor dem Spiel den Schwanz ein, indem wir uns
defensiver aufstellen? Wenn der Gegner wirklich so stark ist, werden
wir uns früher oder später sowieso in der Defensive wiederfinden.
Fazit: Mannschaftsbesprechung
Björn W.
Wirkte trotz erheblichen Kaffeegenusses vor dem Spiel nicht
hundertprozentig wach. Zwar an sämtlichen Gegentreffern ohne Schuld,
war er doch nicht so sicher wie gewohnt. Einige hohe Flanken
erlangte er gar nicht, andere klatschte er einhändig ab, statt sie
zu fausten.
Fazit: Klar ist allerdings, an ihm lag es nicht.
Dirk
Die Ersatzspieler rieben sich Mitte der ersten Halbzeit verwundert
die Ohren. So lethargisch friedlich ruhig war es auf dem Platz.
Selbst der Libero sagte kaum etwas, was immer ein Indiz für die
eigene Leistung ist. Nur wer leistet, darf nach seinem Credo den
Mund aufmachen. Der Aasee-Mittelläufer führte also nicht nur seine
Jungs nicht, er spielte ziemlich schwach. Die ganzen taktischen
Fehler, die er bei seinem Coach ausmachte hätte der Libero ja auch
eigenhändig auf dem Spielfeld abstellen können, indes er tat es
nicht und unterließ Umstellungen.
Die Lücken in der Abwehr konnte er kaum schließen, das Verschieben nach
vorne, das Engmachen der Räume im Mittelfeld, das Kapitän Jens immer
wieder energisch einforderte, veranlasste sein Abwehrchef zu selten
und dann zu inkonsequent. Es fehlte dem Spiel des Liberos an Feuer.
Die Abschläge kamen zwar partiell bis zum gegnerischen Tor, fanden
aber die eigenen Spieler kaum, waren zu steil angestellt und
dementsprechend leicht per Kopfball zu klären. Und sie kamen alle in
die Mitte.
Nach vorne brachte der Libero wenig bis gar nichts für den Spielaufbau
und kam selbst nur zu einer einzigen guten Torchance nach Helmuts
einziger vernünftiger Ecke (7.). Und schließlich ließ er Joachim
schlicht hängen, als der in der Mitte große Schwierigkeiten
offenbarte. Als er dann in der 65. verletzt ausgewechselt wurde, tat
er der Mannschaft sogar noch einen Gefallen.
Fazit: Eines seiner schwächsten Spiele.
Björn U.
Kam in der 65. Minute für Dirk. Björn war ob Grippe und
Muskelfaserriss geschwächt, keine Frage und deshalb spielte er
schwach. Genug Energie hatte der Herr allerdings noch, um sich ohne
längere Aufwärmphase in die Lamentationen der Mitspieler
einzuschalten. Statt "Jungs, wir packen jetzt noch einmal richtig
an!" nur "Schiri, der schubst doch!" Spätestens wenn die Stimme des
Liberos dann ungeahnt schrille Höhen erklimmt, wie am Sonntag
geschehen, ist auch dem letzten Mitspieler klar, das Björn mit
anderen Dingen beschäftigt ist, als mit Fußballspielen: "Schiri, das
müssen sie sich einmal anhören, was der Siebener da von sich gibt.
Das gibt’s doch nicht. Das müssen sie doch einmal pfeifen." Ein
solches Verhalten ist eines ehedemen Kapitäns nicht würdig.
En passent, aber an dieser Stelle dürfen sich auch gerne die Herren
Gehling, Schmidt, Avenarius, Dimon und Jötten, ach eigentlich alle
angesprochen fühlen. Den Schiedsrichter in unserer Liga, der auf
derartige Vorhaltungen mit einem "Danke, Sportskamerad, dass sie
mich darauf hinweisen, ich werde natürlich umgehend einschreiten."
hat der Chronist noch nicht gesehen. Es bringt nichts, nichts,
nichts.
Gleiches für Maßnahmen der Selbstjustiz, z. B. Nachtreten, doch dazu
unter A wie Avenarius mehr.
Fazit: Werde schnell wieder fit.
Nicolas
Solide in seiner Manndeckerrolle, mehr aber auch nicht. Lief seinen
Gegenspieler oft ab, um dann den erkämpften Ball einfach ins Aus zu
spielen. Im Zweikampf manchmal nach wie vor zu grün. Nach vorne mit
einigen wenigen Ansätzen, dann aber mitunter zu ungenau. In der
zweiten Halbzeit, als BWA aufmachte, häufig gegen eine Überzahl der
Gegner stehend, erledigte er seine Aufgabe zufriedenstellend.
Nicolas ist kein Spieler, der ein Spiel tragen kann, das ist auch
nicht seine Aufgabe. Er erfüllt seinen Teil zuverlässig, so auch
Sonntag. Angenehm ist dabei seine ruhige Art, die sich wohltuend vom
Gemotze seiner Kameraden Richtung Schiri abhebt. Fazit: Passabel
Jens
Der Kapitän war einer der am Sonntag "wollte" - und damit stand er
ziemlich allein. Immer wieder forderte er zumal Dirk aber auch seine
übrigen Verteidigerkollegen auf, engagierter zu Werke zu gehen,
rauszuschieben, die Räume eng zu machen.
Das Problem ist, dass die Mitspieler schlicht nicht auf ihn hören,
es fehlt ein wenig die Autorität. Der Mann braucht mehr Gehör, weil
er es verdient hat, denn seine taktischen Hinweise sind so verkehrt
nicht.
Im eigenen Spiel nicht immer sicher, hat er besonders in der
Vorwärtsbewegung einige Böcke geschossen, wurde aber von seinen
Kameraden auch weitgehend im Stich gelassen. Für Jens Spiel ist es
enorm wichtig, dass er Anspielstationen hat, dass man ihn nicht mit
dem Ball und einem oder mehreren Gegenspielern hängen lässt. Dann
kommt er ins Rotieren.
Fazit: Der Einsatz stimmte, aber das langte Sonntag nicht.
Magnus
Aus gegebenem Anlass wird zwar in diesem Spielbericht auf die
Benennung eines Spielers des Tages verzichtet, Magnus wäre indes ein
Kandidat gewesen. Unauffällig spulte er sein Programm herunter, ließ
sich von der Hektik nicht wirklich anstecken und spielte solide,
wenn auch nicht sonderlich effektiv im defensiven rechten
Mittelfeld. Mehr Magnus als Magic. Dazu war sein Gegenspieler etwas
zu stark. Dessen Benehmen auf dem Platz war zwar unter aller Sau,
verbal wie tätlich, indes konnte er leider auch Fußballspielen,
sodass Magnus über weite Strecken der ersten Halbzeit einen dritten
Manndecker gab. Nach etwa 25 Minuten bekam er seinen Antipoden
besser in den Griff, in Halbzeit II ließ der sich zudem etwas mehr
in die Mitte zurückfallen.
Nur einmal in den ersten 45 Minuten konnte Magnus sich mit einem
Flankenlauf nach vorne einschalten, das wurde in der zweiten
Halbzeit zwar etwas besser, bedingt auch durch die Umstellungen im
System, von Erfolg gekrönt war es nicht. Am Sonntag stand ihm in
Halbzeit I zudem bei seinen Ausflügen nach vorne häufig ein
indisponierter Helmut im Weg (Siehe dort)
Fazit: Bild hätte eine 3 oder 4 gegeben
Joachim
Bezeichnete sich nach dem Spiel als schlechtester Mann auf dem
Platz. Soviel Selbstkritik ehrt ihn, wenn es auch andere heiße
Kandidaten gab. Kam mit seiner zentralen Rolle über weite Strecken
der ersten Halbzeit nicht zurecht, sah sich aber auch starkem Druck
des Gegners, auch in Person seines guten direkten Gegenspielers
ausgesetzt. Joachims Spiel krankte an mehreren Faktoren. Zum einen
war er definitiv nicht frisch, aus welchen Gründen auch immer, zum
zweiten kam er wie viele andere auch offensichtlich nicht mit Ball
und Platz zurecht. So viele Stockfehler wie am Sonntag sieht man bei
einem Spieler seiner technischen Güte sonst nicht. Zum dritten, und
das ist das eigentliche Problem: Joachim konnte die ihm zugedachte
Rolle nicht ausfüllen, weil er es schlicht nicht gewohnt war, von
beiden Seiten unter Druck gesetzt zu werden. Auf seiner linken Seite
kommen Gegenspieler von vorne oder rechts, zudem ist vor ihm viel
Platz an der Linie, in den er zur Not selbst laufen kann, schnell
wie er ist. Die defensive Zentrale im Mittelfeld ist dicht, die
Gegner kommen von vorne, von rechts und von links.
Dem kann man begegnen, wie langsamere oder lauffaulere Zeitgenossen wie
Michael und Dirk es tun, indem man abwartend weitgehend im Raum
spielt und seine Neben- und Vorderleute so organisiert, dass man die
Räume eng macht und dann selbst den Zweikampf sucht. Oder man
organisiert es mit großem läuferischen Aufwand und deckt einen
einzelnen Gegenspieler zu. Das muss dann allerdings zwanzig Meter
weiter weg vom eigenen Tor geschehen. Ziel ist es, zum einen dem
Gegner den Zahn zu ziehen und zum anderen selbst etwas für den
Spielaufbau zu tun. Wichtig ist dann, dass die beiden anderen
defensiven Mittelfeldspieler mitziehen.
Joachim fehlte für beide Versionen schlicht die Übung auf dieser Position
und ESV war etwas zu stark (oder wir zu schwach) das Ganze mal
auszuprobieren.
Und schließlich muss der Mann, wenn er diese Position spielt, den Mund
aufmachen, das gehört dazu. Er muss organisieren, er muss Kommandos
geben, nach denen sich die anderen zu richten haben. Er muss führen.
Das tat er nicht. Dabei hätten ihm seine bisherigen Leistungen im
Saisonverlauf sicherlich die Autorität dazu gegeben.
In der zweiten Halbzeit wurde Joachim zudem von seinem Gegenspieler
derart provoziert und malträtiert, dass er die Nerven verlor und
nachtrat (und dabei sogar den ‚falschen’ ESVer traf). Um es klar zu
sagen. Für solche Aktionen, wie auch immer sie persönlich motiviert
sein mögen, hat der Chronist kein, absolut kein Verständnis. Das
einzige, was dabei herauskommen kann und wird ist die Schwächung der
eigenen Mannschaft.
"Das lass ich mir nicht gefallen!" hatte Joachim seine Aktion
begründet. Das verlangt auch keiner. Nur gibt es andere Wege, gerade
in einem Fußballspiel, sich zu ‚rächen’. Wer nachtritt ist um nichts
besser als derjenige, der es vermeintlich verdient hat. Kanalisieren
der Emotionen. (Dass BWA für die kleine Treterei zwischendurch noch
andere heiße Kandidaten hat, ließ den Chronisten diese Passage etwas
ausführlicher gestalten, die entsprechenden Sportskameraden sind
ausdrücklich angesprochen.)
Fazit: Das weiß er selbst
Schrammi
Auch er einer, der wollte. Lief sich auf der linken Außenbahn eine
Rinne, ohne dass auch nur eine seiner Offensivaktionen von Erfolg
gekrönt war. Mit viel Einsatz, aber ohne Sicherheit im eigenen
Spiel, viele Abspielfehler, viel Ungenauigkeiten. Ließ sich
glücklicherweise von der allgemeinen Hektik nicht anstecken, er hat
halt ein sonniges Gemüt. Trotzdem durchaus steigerungsfähig, wenn
auch zu seiner Entschuldigung gesagt werden muss, dass gerade er und
sein Spiel auf die Pässe aus dem Mittelfeld angewiesen sind, die
kann er nicht auch noch selbst schlagen. Darf auch ruhig mehr den
Mund aufmachen und muss Flanken üben, 100 Stück auf dem nächsten
Training, und die Stürmer üben gleich das Laufen in die richtigen
Positionen mit.
Fazit: Zwar unter, aber in der Nähe der Normalform.
Stefan
Ein fast vollständiger Ausfall. Kam mit seiner Rolle im Mittelfeld
schlecht zurecht
In der Rückwärtsbewegung zu häufig einfach überspielt, wenn er den
ballführenden Spieler ohne Anweisung angriff und seinen Gegenspieler
stehen ließ. Im Zweikampf schwach, defensiv wie offensiv. Hatte er
sich einmal durchgesetzt, blieb er im Dribbling am nächsten
Gegenspieler hängen. Zeigte nur vereinzelt Torgefahr. War nach Dirks
Freistoßlupfer in den Rücken der Abwehr zu überrascht um den Ball
locker einzuschieben (20.), hatte in der zweiten Halbzeit eine große
Chance, die fälschlicherweise wegen vermeintlichem Abseits
zurückgepfiffen wurde. Aber, wie er hinterher zugab "den hätte ich
wahrscheinlich heute eh nicht gemacht". Keine Sicherheit im
Zusammenspiel zum Beispiel mit Helmut, seine sonst so große Stärke,
das Behaupten des Balles, Tempodribbling, Auge für die Situation, an
der richtigen Stelle zu stehen, wenn man vorher nicht zuviel eben
dorthin laufen musste, all das ließ sich Sonntag kaum erahnen. Dass
was sonst bei ihm Eleganz ist, war Sonntag nur Pomade. Stand häufig
den Mitspielern im Weg oder die ihm beim Gedränge in der Enge des
Mittelfeldes.
Fazit: Abhaken.
Helmut
Der Stratege stand besonders in der ersten Halbzeit völlig neben den
Schuhen. Hatte sich wegen der Enge im Mittelfeld konsequent auf
seine rechte Seite verzogen, was wiederum Magnus davon abhielt, nach
vorne zu stoßen. Viele leichte Ballverluste, Probleme mit Schuhen
und Geläuf, ungenau wie viele seiner Mitspieler, strahlte er vor
allem keine Sicherheit aus. Und das BWA-Spiel braucht Helmuts
Sicherheit. Für die Mitspieler galt immer. Wenn ich nicht weiß,
wohin mit dem Ball, gib ihn Helmut, der kann damit umgehen, der
weiß, was zu tun ist. Sonntag wusste er nicht. Die Ecken (der Ball)
bis auf die erste, die Dirk auch durchaus hätte versenken können
(7.), allesamt ungenau, in der zweiten Halbzeit zudem konsequent auf
den (guten) Torwart gezogen.
Als BWA in Halbzeit I durchhing und überhaupt kein geregelter Spielaufbau
zustande kommen wollte, hätte Helmut das Heft in die Hand nehmen
sollen und sich zentraler verschieben müssen. Das tat er nicht,
vielleicht ging es Sonntag auch einfach nicht.
Sicherlich fehlte ihm in Halbzeit I auch Frank Schmidt, dessen Laufwege
er sonst so sicher antizipieren kann. Das ging in der zweiten Hälfte
besser, obwohl Helmut auch da nicht überzeugte. Zu häufig
versprangen ihm Bälle, er bekam keine Ruhe in die eigenen Aktionen
Fazit: Für den nach der bescheidenen Meinung des Chronisten
definitiv besten Fußballer BWAs viel, viel zu wenig.
Philip
Und als er in der Halbzeit ausgewechselt wurde (nicht, dass es nicht
andere heiße Kandidaten gegeben hätte), fiel einigen Mitspielern
erst auf, dass Philip auf dem Platz gewesen war. Ohne Glück in seine
Aktionen, ohne Durchsetzungsvermögen, der F-Jugend-Trainer des
Chronisten hätte die Wendung "wie Falschgeld über den Platz laufen"
verwendet. Soll man sagen: "Ganz schwach", oder sollte es heißen,
"dem Niveau der anderen angepasst"? Keine Impulse, keine Ideen,
keine Initiative, wusste bis zu seiner Auswechslung nicht, wie er
seine Rolle gegen einige seiner ehemaligen Kameraden bei ESV
ausfüllen sollte. War er in dieser Saison schon mal in die Bresche
gesprungen, wenn die BWA-Altherren-Fraktion leistungsmäßig
durchhing, tat er dies Sonntag nicht. Lief viel, immer hinterher.
Fiel durch rein gar nichts auf.
Fazit: Für was?
Frank Schm.
Um es klar zu sagen. Die Maßnahme, den erfolgreichsten Torschützen
der bisherigen Saison zunächst auf der Bank zu lassen, hätte der
Chronist genauso getroffen. Drei Wochen Trainingsrückstand, zudem
frisch aus dem Flieger mit einer Stunde Schlaf und einer Reise in
den Knochen. Und schließlich hatte die Mannschaft vor zwei Wochen ja
ganz passabel ohne ihn gespielt.
Mit Frank kam nach dem Wechsel frischer Wind in den Angriff, er hatte die
größte Chance des Spieles als der Torwart eine Flanke unterlief und
der BWA-Goalgetter ihn per Kopf überlupfte. Dass auf der Linie ein
ESVer stand war Pech. Der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt, wer weiß.
Richtig durchschlagskräftig war auch Frank nicht, sein Pirouetten-
und Kreiselspiel litt stark unter Ball- und Platzqualität, trotz
einiger ganz schöner aber letztlich brotloser Aktionen.
Auf jeden Fall eine Verstärkung war er noch einer der besseren der
Schlechten. Effektiv war er nicht. Und das ist er sonst.
Fazit: Wenn die gegnerische Abwehr so schlecht war, wie er nach dem
Spiel behauptete, warum macht er dann kein Tor?
Johnny
Es gab genug externe Gründe, warum Johnny am Sonntag sein bis dato
schlechtestes Spiel für die Erste ablieferte, in seiner angenehm
selbstkritischen Art wird der Mittelstürmer aber nichts unversucht
lassen, die Ursachen bei sich zu suchen. Er dürfte fündig werden.
Nur eine große Torchance in 90 Minuten, reihenweise schwache und ungenaue
Hereingaben auf nicht mitgelaufene Mitspieler. Sicher, der Mann hat
recht wenn er beklagt, dass er in Halbzeit I nur vier, fünf Bälle
bekam. Dass er aber vor den Augen vieler Bekannter bei ESV versucht,
drei davon per Hacke aufzulegen, will sich dem Chronisten nicht
recht erklären. Das ist sein Spiel nun nicht. Keine, aber auch rein
gar keine seiner gewohnten Stärken konnte der BWA-Sturmführer in die
Waagschale werfen. Ist man es sonst von ihm gewohnt, dass er dem
Gegenspieler durch ständigen Körperkontakt zu verstehen gibt "Egal,
wohin Du den Ball auch führen magst, ich werde da sein!" und ihm so
das Selbstvertrauen raubt oder dass er selbst im Ballbesitz den
Verteidiger durch sein penetrantes "Hör mal, Du siehst den Ball zwar
und ich führe ihn bestimmt nicht elegant, aber zwischen Dir und dem
Ball sind lockere 85 kg Lebendgewicht und die räumst Du nicht an die
Seite!" enerviert. Nichts davon am Sonntag. Johnny war, mit Verlaub
ein ziemlicher Ausfall.
Sicher ein Opfer des Systems hatte er sich nach 20 Minuten schon einen
Wolf im ständigen Hin und Her als einziger Spitze gelaufen und dann
schlicht keinen Bock mehr. Er motzte nicht einmal mehr mit dem
Schiri. Lethargisch, lustlos, seltsam abwesend.
Fazit: Sein eigenes
Thotti
Nicht gespielt, weil grippegeschwächt, tat sich der Kapitän an der
Seitenlinie durch selten qualifizierte Äußerungen in Richtung Schiri
hervor. Kaum Anfeuern, keine Hinweise an die Mitspieler. Nur Motzen.
Fazit: Kein Kommentar
Wenn oben beklagt wurde, dass von der Linie zu
wenig kommt sind damit auch die Ersatzspieler gemeint, alle, nicht
nur der hier stellvertretend kritisierte.
Egal, wer auf der Bank sitzt, die jeweiligen Auswechselspieler überbieten
sich häufig in ironischen und witzigen Kommentaren, als ginge sie
das Geschehen auf dem Platz, dessen sie doch eigentlich ein Teil
sind, nichts an. Gewisse Heimzuschauer fallen gerne ein. Und den
Tag, an dem ein Auswechselspieler bei 0:1-Rückstand für seinen
Mitspieler den Ball aus dem Aus wieder holt, den möchte der Chronist
noch erleben. Nicht, dass das Sonntag irgend etwas gebracht hätte...
Michael J.
Er war am Sonntag nicht dabei und wurde von vielen schmerzlich
vermisst. "So einen wie Michael, den hätten wir gebraucht." Einen
der einsteigt, der zeigt, was Einsatz ist. Ich wage die Vermutung,
dass uns Michael schon nach 20 Minuten angepfiffen hätte "Männer!
Sind wir Männer oder Memmen?"
Gut, dass er sich das Trauerspiel nicht angucken musste, er hätte sehen
müssen, dass die meisten Memmen waren. Das wären sie vielleicht auch
mit ihm gewesen. So kann Herr Janert wenigstens auch in Zukunft noch
an das Gute in uns glauben.