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Saison 2002/2003 - Kreisliga B3
14. Spieltag, Sonntag, 01.12.2002, 14.15 Uhr
Blau-Weiß Aasee - SC Westfalia Kinderhaus 3
1 : 3 (1
: 2)
Aufstellung: Björn W. - Dirk, Jens, Nicolas - Thotty,
Joachim, Frank H., Philip, Helmut - Johnny, Frank Schm..
Tore:
0:1 (2.)
0:2 (6.)
1:2 (27.) Frank Schm. (Philip)
1:3 (74.)
Knapp vorbei ist auch daneben.
Das war mal eher gar nix im "Spitzenspiel" am Sonntag. Mit 1:3
(1:2) unterlag man dem damit eine ganze Halbserie lang
ungeschlagenen Kontrahenten aus Kinderhaus.
BWA pfiff personell auf dem letzten Loch. Zwölf Mann hatte
Wolfgang Jansen aufzubieten, deren Zwölfter, Björn U., mit dem
Aufwärmen passen musste. Der Knöchel und der Rücken. Frank Heitkamp
rückte auf rechts ins Mittelfeld, Thotti sollte zentral vor der
Abwehr abräumen, Dirk musste Libero spielen. Das spielerische
Element im Mittelfeld sollte, so der Plan, trotzdem gestärkt
bleiben, indem sich der Libero bei Gelegenheit immer wieder in den
Spielaufbau einschalten sollte. Trainer Jansen hatte die Marschroute
vorgegeben: "Jungs, lasst die Kinderhäuser Altinternationalen nicht
ins Spiel kommen! Das Pfund, mit dem wir wuchern können, ist unser
läuferische Potenz." Die Taktik war richtig, nur bis BWA sie
begriffen hatte, waren bereits zehn Minuten vergangen - und es stand
schon 0:2.
Beim 0:1 (2.) hatte Helmut sich den Ball an der rechten Auslinie
wegspitzeln lassen, der verlorene Ball wurde zum Zuspiel und
erreichte den Kinderhäuser Mittelstürmer. Das war zwar Abseits, aber
irgendwie hatte BWA es nicht gemerkt und reklamierte also nicht.
Tiefschlaf. Der Mittelstürmer gummelte den Ball im Fallen von der
Sechzehnerkante Richtung Tor, das Spielgerät war marginal schneller
als Keeper Björn und trudelte in die Maschen. Der von allen
herbeigesehnte frühe Rückstand.
Überhaupt Björn. Respekt dem Torwächter, der mit hohem Fieber immer
wieder von Hustenattacken geschüttelt das Tor hütete. Eigentlich ein
Fall fürs heimische Bett. Nicht der einzige Invalide. Zu allem
Überfluss hatte Helmut sich in der ersten Minute den Oberschenkel
gezerrt, der Stratege biss aber 90 Minuten auf die Zähne und hielt
durch. Gehandicapt, aber vom Aussetzer beim 0:1 abgesehen, mit
starker Leistung.
Chronistenpflicht das 0:2. (6.) Frank Heitkamp stand auf Rechts
urplötzlich alleine gegen Drei, wurde überspielt und der
hinzueilende Dirk ging nicht konsequent genug in den Zweikampf, um
den gegnerischen Kapitän an der Flanke zu hindern. Dessen
Vollspannhereingabe legte der am zweiten Pfosten postierte Stürmer
wunderbar (und von BWA so nicht erwartet) auf den Elfmeterpunkt ab,
wo Jockel Budde sich die Ecke aussuchen konnte. Was er auch tat.
Dieses Tor illustriert sehr gut, welche feinen Unterschiede
zwischen dem Klassenprimus und BWA existieren. Was BWA von der
Spitze trennt ist das wir, bei allem guten Willen, in letzter
Konsequenz zu grün sind. Wir können noch nicht, wenn wir Ball 1
sehen, Ball 2 und 3 denken. Spielverständnis nennt man das wohl, wie
anders ist es zu erklären, dass sich in den ersten zehn Minuten so
häufig gegnerische Spieler in den Rücken der Halbpositionen zum
Doppelpass anbieten konnten.
Es hat Spielzeiten gegeben, da hätte sich BWA an dieser Stelle
bereits ergeben und nurmehr das 0:3 und 0:4 erwartet, begleitet vom
Chor der Defätisten "Immer das Gleiche!" "Geht das schon wieder
los."
Es ging los. Und wie.
Der Gegner wollte offensichtlich Ärger, den konnte er kriegen. Aasee
klappte sein Visier hoch und griff nun seinerseits an. Ein Mann
marschierte vorne weg: Philip, im allwöchentlichen Trikotsalat
diesmal mit der Nummer Neun bedacht,
nahm das Spiel in die Hand und trieb seine Mannen nach vorne, getreu
dem Motto: "BWA muss sich eigentlich nur Gedanken machen, wer den
Ausgleich schießt, ein Tor gelingt uns ja sowieso!"
Der kleine Mittelfeldspieler sprang in die Bresche, als es Not tat, und
lieferte seine bis dato beste Saisonleistung ab. Wenn er
Verantwortung zu übernehmen fürderhin häufiger willens und in der
Lage ist, wird er ein echter Führungsspieler. (Ein schöner Satz.)
In der 12. Minute die erste größere Chance für BWA. Nach Helmuts
Freistoßflanke behinderten sich Dirk und Johnny freistehend am
zweiten Pfosten. Da war mehr drin. In der 20. Minute trifft Helmuts
Freistoß das rechte Lattenkreuz, danach eine Reihe gefährlicher
Eckbälle, BWA macht Dampf, spielt zeitweise richtig gut und wird
dafür in der 27. Minute mit dem Ausgleich belohnt. Philip lupft
halbrechts gefühlvoll in den Lauf von Frank Schmidt und der
Goalgetter hämmert den tippenden Ball aus sechzehn Metern in die
lange Ecke. Tolles Anspiel, tolles Tor.
Beim Stichwort Goalgetter fällt an dieser Stelle üblicherweise auch
Johnnys Name. Der Sturmführer, sonst ’Mister Zuverlässig’, nahm sich
Sonntag leider seine erste Saisonauszeit. Nur zwei kümmerliche
Chancen, er war vor allem mental dem hohen Tempo des Spieles nicht
gewachsen. Das kann gegen schwächere Gegner reichen, für Kinderhaus
hätte es etwas mehr gebraucht. "Ich spiele wie eine achtzigjährige
Oma" dann auch die Selbsteinschätzung Herrn Jöttens Dem ist nichts
hinzuzufügen.
Für die zweite Halbzeit hatte sich BWA sehr viel vorgenommen,
konnte dies aber nicht umsetzen. In deren ersten 25 Minuten war man
zwar klar feldüberlegen, den Druck der ersten Halbzeit aufzubauen
gelang indes nicht. So kam es nur vereinzelt zu Torchancen, zumeist
nach Standards. Dann aber brandgefährlich und mit etwas mehr Glück
hätte Aasee hier den Ausgleich erzielt. Stattdessen traf Kinderhaus
zum 3:1 (74.), ein klassisches Aasee-Gegentor. BWA verhinderte die
schnelle Ausführung eines Freistoßes nicht, der gegnerische Kapitän
ließ zwei Gegner stehen, zog zum Tor und konnte in höchster Not von
Dirk per Grätsche vom Ball getrennt werden – leider genau in den
Lauf eines weiteren Kinderhäuser Stürmers, der wenig Probleme hatte,
hart unter die Latte einzuschießen. Tiefschlaf – kollektiv.
Das alte Lied. BWA ist zu lieb. Keine taktischen Fouls, kein "Vor
den Ball stellen", kein Festhalten. Und wahrscheinlich sind wir die
einzige Kreisliga-B-Mannschaft, deren Mauer sich bei Freistößen
immer zwanzig Meter vom Ball entfernt postiert und dann vom Schiri
aufgefordert werden muss, doch bitte näher heranzutreten.
Nach dem 3:1 Lethargie allerorten. Bei BWA formulierten die
maßgeblichen Spieler schon einmal die Abgesänge für "Nach-dem-Spiel".
Man gefiel sich bereits jetzt darin, eine gute Leistung gezeigt und
dem Tabellenführer Paroli geboten zu haben. Tenor: Anfangs
geschlafen, dann Pech. Als man frischen Wind gebraucht hätte,
fehlten die Alternativen auf der Bank, weil schlicht nicht
vorhanden. Das 3:1 fiel in eine Druckperiode, mit etwas
Schönrednerei machen wir einen Kinderhäuser Konter daraus. Alles
versucht.
Alles richtig! Alles gut?
Mitnichten. Die letzten 20 Minuten waren Alibi-Fußball, nicht
zwingend. Das Spiel war gelaufen, obwohl es das nicht war. Und noch
einmal! Als es notwendig wurde, noch eine Schüppe draufzulegen,
hatten wir nicht die Eier dazu. Genau da fehlte der letzte Wille,
der letzte Biss. Und das war, wie Helmut nachher richtig
feststellte, schlicht "Ärgerlich!" Man kann sich immer toll finden
und denken, alles gegeben zu haben.
Nur fangen die 110 Prozent erst nach dem ersten Wadenkrampf an.
Ich bleibe dabei: Es wäre mehr drin gewesen, wenn mehr drin
gewesen wäre. |