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Jede Menge Spaß beim integrativen Tischtennistraining
Bunter ist besser
Wer sich mal von richtig guter Laune anstecken lassen möchte,
schaut samstags zwischen 12 und 15 Uhr in der Sporthalle der Matthias-Claudius-Schule
vorbei. "Offenes Tischtennis-Training" heißt dieser
Termin im Programmheft von Blau-Weiß Aasee. Tatsächlich
ist es weit mehr als das.
Zahllose kleine weiße Bälle klackern, Kids rufen, lachen,
fluchen, Erwachsene schwitzen und flitzen, und war das nicht gerade
ein Rollstuhl, der einen Zentimeter am Fuß vorbeigerollt ist?
Es ist gar nicht so leicht, sich in der Halle einen Überblick
zu schaffen. Am besten, man sucht sich jemanden, der den bereits
hat. Das ist in diesem Falle Sophie Briefs. Die Trainerin findet
man vermutlich in der Nähe des Tischtennis-Roboters, denn dieses
Technikwunder ist heiß begehrt. Umso mehr, seit das Samstags-Training
offen für Menschen mit Behinderungen ist: "Beim Roboter
kann ich hinter den Kindern stehen und sie führen, so dass
sie ein Gefühl für die Bewegung bekommen. Das schafft
Erfolgserlebnisse. Es geht ja nicht um die Behinderung, sondern
um die Fähigkeiten eines jeden."
Im Januar wurde das offene Trainings-Angebot in Kooperation mit
der Lebenshilfe Münster e.V. beschlossen und verkündet.
Wer meint, dies sei eines von vielen dauerhaften integrativen Sportmöglichkeiten
in Münster, der irrt. Außer zwei integrativen Fußballgruppen
des Blau-Weiß Aasee steht das Projekt allein auf weiter Flur.
Und es funktioniert ausgesprochen gut. Ca. 15 Kinder und Jugendliche
mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, darunter viele
mit dem sog. Down-Syndom, sind dabei. Manche kommen mit Eltern oder
Betreuern, andere alleine, jeder wie er mag. Schließlich wird
der Samstag auch von Eltern nicht behinderter Kinder gerne genutzt,
um Familiensport zu treiben - und sich von ihren Sprösslingen
erfrischende Tipps geben zu lassen. "Niemand wir ausgegrenzt"
sagt Sophie Briefs und begrüßt es, dass nun auch ein
Parkinson-Patient zusammen mit seiner Frau am Training teilnimmt.
Spielst du mit mir? Hier fragt jeder jeden, schließlich wissen
alle, dass man voneinander lernen kann. Neben Tischtennis auch Offenheit,
Spielfreude und Selbstbewusstsein. Hans Reinhard Wendt, der hier
mit seinem behinderten Sohn Thomas trainiert, freut sich besonders
über die Atmosphäre, die zwar locker, aber konzentriert
ist. "Niemand wird in Watte gepackt. Sophie lässt sich
nicht auf der Nase rumtanzen und behandelt alle gleich."
Dass das integrative Konzept so gut aufgeht, liegt im Wesentlichen
an dem Credo, das die Trainerin von jeher auf ihre gesamte Vereinsarbeit
anwendet: "Die Kinder sind wichtiger als ihre Leistung"
und "es sollen sich alle in der Halle wohl fühlen."
Wie weit das gehen kann, beweist der Kommentar des 16 jährigen
Max als Sophie Briefs ihm geduldig erklärt, warum das nächste
Training erst in drei Wochen stattfindet: "Scheiß Osterferien!"
Susanne Sparmann
Interview: Wir leben doch alle in einer Gemeinschaft
Thomas Wendt ist 23 Jahre alt und es gibt kaum eine Sportart, die
er noch nicht probiert hat. Dass er vom Down-Syndom betroffen ist,
hält ihn von seiner Leidenschaft für Bewegung und Spiel
nicht ab. Mit seinen Eltern spielt er bereits seit Jahren Zuhause
Tischtennis. Jetzt sind Vater und Sohn beim offenen Samstagtraining
dabei.
Thomas, in welchen Sportarten bist du aktiv?
Neben Tischtennis spiele ich gern Fußball. In den Sportarten
Schwimmen und Tennis nehme ich an den Special Olympics, den Olympischen
Spielen für mit Menschen für Behinderungen teil.
Wie gefällt dir das integrative Samstagstraining beim
Tischtennis?
Das gefällt mir richtig gut. Die Stimmung ist prima und vor
allem die Mischung der Leute. Wir haben bei Blau-Weiß-Aasee
ja auch eine integrative Fußballmannschaft, aber leider nicht
für ältere Spieler wie mich. Wenn sich dafür ein
Trainer finden würde, wäre ich sofort wieder dabei!
Ist für Menschen mit Handicap integrativer Sport wichtig?
Ja, weil es wichtig ist mit anderen zu spielen. Man kann viele Kontakte
zu knüpfen und gucken: Wie spielt der oder die, wie kann ich
mich darauf einstellen, was kann ich dadurch lernen, was kann jemand
von mir lernen und wo stehe ich eigentlich mit meinem Können?
Ich kann also viel mehr Erfahrungen sammeln.
Sollte es mehr Angebote dieser Art geben?
Unbedingt. Behinderte sollten mehr unter Leute kommen. Wir müssen
doch alle in einer Gemeinschaft leben. Warum sollte man im Sport
trennen? Ich habe mir überlegt, dass es toll wäre, einen
Verein für integrativen Sport zu gründen. Mit allen möglichen
Sportarten. Vielleicht lässt sich so etwas ja mal verwirklichen!
Interview: Susanne Sparmann
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