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Bücherei im Aaseemarkt wird 40
Schlangestehen muss sein
Im Herbst kann gefeiert werden. Dann besteht die Bibliothek
im Aaseemarkt 40 Jahre. Doch um ein Haar hätte sie dieses Jubiläum
nicht mehr erlebt. Ihre Schließung zum 1. Juli 2006 schien
besiegelt. Nur dank des "Fördervereins für die Stadtteilbücherei
im Aaseemarkt" und vielen ehrenamtlichen Helfern konnte ihr
Bestehen gesichert werden. Doch einfach ist der Alltag dort nicht.
Carsten Topp, Vorsitzender des Fördervereins, berichtet.
Sonntagabend der Blick auf die Büchereizettel. Schon wieder
sind zwei Bücher überzogen und die Tochter hat auch zwei
CDs am Freitag vergessen. Morgen gehe ich ganz bestimmt in die Zweigstelle.
Dann kann ich auch gleich die Bücherwünsche mitnehmen.
Nein, da ist ja neuerdings montags geschlossen. Dann also am Dienstag.
Wenn Sie Ansammlungen von mehr als drei Menschen nicht lieben,
Send und Flohmarkt seit Jahren nicht mehr besucht haben und überhaupt
zu sportlicher Ungeduld neigen, dann sollten Sie den Zweigstellenbesuch
am Dienstagnachmittag meiden. Am ersten sonnigen Sonntag im Frühling
kommen etwa fünf bis sechs Tausend BesucherInnen in den Allwetterzoo:
Großkampftag. Am Dienstag macht die Zweigstelle etwa ein Zehntel
so viele Ausleihen. Dafür aber jede Woche und das auf nur 80
Quadratmeter. Da kann es schon mal eine Minute dauern, wenn dann
noch Kunden wie ich kommen...
Dienstagnachmittag, 16:15 Uhr: Starker Verkehrsfluss auf der A43
Richtung Senden und auch in der Zweigstelle herrscht reger Betrieb.
Nach wenigen Minuten Wartens hebe ich meine drei Baumwollbeutel
mit den Büchern, den CDs und Kassetten, den Spielen und der
Liste mit den Vormerkwünschen auf die Theke und wechsle dreizehn
Worte mit der freundlichen Freiwilligen (FF). Auch wenn wir uns
alle diesen Genuss nach Ansicht liberaler Wirtschafts- und zunehmen
auch Kulturpolitiker nicht mehr leisten können, ich genieße
trotzdem. Schamlos, während hinter mir ein älterer Herr
noch Anzeichen vermutlich all zu knapp bemessener Geduld zeigt.
Nach Verbuchung der Rücknahmen ist sein Kontingent erschöpft,
auch das Augen-Drehen hilft ihm nun nicht mehr. Ich weiß genau,
gleich kommt die erste unfreundliche Bemerkung, da rollt die klassische
Doublebind Mutter mit zwei Kindern heran. Sie hat im fröhlichen
Freiheitsgewinn ihre Bücher gesucht und offenbar auch gefunden,
während sich die lieben Kleinen als Jäger und Sammler
im Kinderbereich vergnügten. Schön. Der ältere Herr
sondiert diesen kräftiger sprudelnden Quell seiner Unzufriedenheit
und lässt mir weitere zwei Minuten zum Darlegen unserer dringendsten
Bücher und Medienwünsche.
Nach herzlichem Dank für die Geduld mit den vielen Bücherwünschen
verabschiede ich mich und gebe den Platz frei für die Mutter
und ihre beiden Lieblinge. Der ältere Herr ist inzwischen frustriert
noch mal zur Zeitschriftenwand gegangen und ruht sich mit "Der
Baumarkt - Sonderausgabe 'Gärtnern ohne Nut und Feder'"
aus.
Ohne Zweigstelle fehlt Dir was.
Carsten Topp
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