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WM trägt zu anderer Wahrnehmung
bei
Es ist normal verschieden zu sein

Birgit Honsel-Ackermann
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Birgit Honsel-Ackermann ist stellvertretende Vorsitzende
der Lebenshilfe Münster e.V. Mit Björn Wagner spricht
sie über die Organisation der INAS FID WM, die Aufgaben
der Lebenshilfe und die Kooperation mit dem SV Blau-Weiß
Aasee.
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Wer steckt hinter der Fußball WM der Menschen mit Behinderung,
wer organisierte die WM in Deutschland und wer war in Münster
für Vorbereitung und Durchführung des Vorrundenspiels
Japan - Nordirland in Hiltrup zuständig?
Hinter der WM steht der Weltverband für Sport mit Menschen
mit geistiger Behinderung und Lernbehinderung INAS-FID (International
Sports Federation for Persons with Intellectual Disability). Nationaler
Ausrichter war die "Fußball WM 2006 der Menschen mit
Behinderung gGmbH", getragen vom Bundesverband und Landesverband
NRW der Lebenshilfe, dem Deutschen Behindertensportverband und dem
Behindertensportverband NRW, mit Unterstützung des Deutschen
Fußballbundes.
Die Durchführung und Organisation in Münster lag bei der
Lebenshilfe Münster, der Westfalenfleiß gGmbH Arbeiten
und Wohnen, dem TuS Hiltrup (in dessen Stadion das Spiel stattfand),
dem Sportamt der Stadt Münster und dem Stadtsportbund. Tatkräftige
Unterstützung hatten wir durch ca. 70 ehrenamtliche HelferInnen,
u.a. auch MitarbeiterInnen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe,
die das WM-Spiel als Ziel für ihren diesjährigen Betriebsausflug
ausgesucht hatten.
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In welchem Turnus wird die INAS-FID WM ausgespielt? Wer waren
die bisherigen Weltmeister?
Die Fußball WM der Menschen mit Behinderung gibt es seit
1994. Sie wird alle vier Jahre ausgespielt und findet immer in dem
Land statt, das auch die Fußball WM der Menschen ohne Behinderung
ausrichtet. Also nächstes Mal (vielleicht?) in Südafrika.
Weltmeister waren bisher:
1994 Rumänien
1998 Polen
2002 England
2006 Saudi-Arabien
Deutschland stand fast immer an dritter oder vierter Stelle.
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Rund um das Vorrundenspiel in Hiltrup hat die Lebenshilfe ein
buntes Rahmenprogramm organisiert. Welche Aktionen waren das?
Da gab es eine ganze Menge Aktionen, die die Lebenshilfe und Westfalenfleiß
in Kooperation mit anderen Organisationen und Unternehmen rund um
die WM als Sympathiekampagne für Menschen mit Behinderung in
Münster organisiert hatten. So war z.B. die Wanderausstellung
zum Thema "Es ist normal verschieden zu sein", im Zwei-Wochen-Rhythmus
in verschiedenen Firmen und Institutionen in Münster zu sehen.
Der WM-Promotion-Truck mit vielfältigem Programm und zahlreichen
Aktionen machte auf dem Hafenplatz Station. Im DJK-Bildungs- und
Sportzentrum Münster gab es ein Torwandschießen mit ca.
30 prominenten Persönlichkeiten aus Münsters Politik und
Gesellschaft. Die Tanzgruppe "Schrittwechsel" präsentierte
zu verschiedenen Anlässen ihr kreatives tänzerisches Können.
Das Kunstprojekt "Probierstube" hatte im Rahmen von "Schauraum"
eine bemerkenswerte Ausstellung. Das "Schrägstrichtheater"
feierte mit seinem neuen Stück "Up and Down" eine
ausverkaufte und umjubelte Premiere. Die "Schätzbude",
eine Art "Wettbüro", in dem jeder Interessierte einen
Tipp zur Zuschauerzahl beim Vorrundenspiel in Münster abgegeben
und attraktive Preise gewinnen konnte, hatte zwei Tage lang ihren
Standort in der Innenstadt. Und schließlich feierten 400 Fans,
Freunde und Unterstützer des Spiels in der "Weltmeisterschaftsdisco"
in der Sputnikhalle den krönenden Abschluss der Kampagne.
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Wie war die Resonanz auf das Spiel in Hiltrup und das Rahmenprogramm?
Wird das Ereignis INAS-FID WM Deiner Meinung nach in Deutschland
eine nachhaltige Wirkung entfalten?
Die Resonanz war überwältigend. Wir hatten 4.400 begeisterte
Besucher im Stadion. Vor allem hat es mich gefreut, dass auch viele
Schulklassen den Weg nach Hiltrup gefunden haben. Die Stimmung war
super! Davon zeugten auch die Berichte in der Presse anschließend.
Ich denke schon, dass das Ereignis eine nachhaltige Wirkung entfaltet.
Diese WM hat sicherlich dazu beigetragen, dass Menschen mit Behinderung
in der Öffentlichkeit mit einem anderen Blick gesehen werden,
dass nämlich zuerst der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten
gesehen wird und nicht die Behinderung im Vordergrund steht. Das
Motto der Lebenshilfe "Es ist normal verschieden zu sein"
konnte in dieser WM gut transportiert werden.
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Gab es für Dich persönlich ein besonderes WM-Erlebnis?
Mein persönliches WM-Erlebnis war das Endspiel in der mit
14.500 jubelnden Zuschauern besetzten BayArena in Leverkusen. Ich
war mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen da. Obwohl ich
alles andere als ein Fußball-Fan bin, hat mich dieses spannende
Spiel, in dem die Mannschaft von Saudi-Arabien schließlich
nach einem dramatischen Elfmeterschießen den Sieg über
die Niederländer errang, richtig mitgerissen. Als unser Alt-Bundeskanzler,
Gerhard Schröder, der Schirmherr der WM war, dem neuen Weltmeister
den Pokal überreichte, war ich richtig gerührt. Dass mich
Fußball so begeistern kann, hätte ich niemals gedacht!
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Was genau ist die Aufgabe der Lebenshilfe?
Die Lebenshilfe ist ein Selbsthilfeverein, der die Interessen von
Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Angehörigen vertritt.
Eltern und zunehmend auch Menschen mit geistiger Behinderung selbst
unterstützen sich gegenseitig, ihr Leben zu gestalten. Darüber
hinaus bietet die Lebenshilfe Unterstützung durch professionelle
Mitarbeiter in verschiedenen Einrichtungen und Diensten an. Die
Lebenshilfe setzt sich für die Verbesserung der Lebensqualität
sowie die gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe von Menschen
mit Behinderung ein. Sie unterstützt Menschen mit geistiger
Behinderung auf ihrem Weg zu immer mehr Selbst- und Mitbestimmung.
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Was leistet der Freizeitbereich der Lebenshilfe Münster?
Wie viele MitarbeiterInnen arbeiten dort?
Der Freizeitbereich schafft organisatorische Rahmenbedingungen,
gibt Impulse und begleitet Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit
geistiger Behinderung bei der Gestaltung ihrer Freizeit. Es gibt
feste Freizeit- und Sportgruppen, Bildungs- und Kulturangebote,
Projekte, Urlaubs- und Ferienreisen, Feste und Veranstaltungen.
Zunehmend kooperieren wir mit anderen Freizeit- und Sporteinrichtungen
in Münster im integrativen Bereich. Unser Ziel ist es, dass
Menschen mit Behinderung ihre Freizeit verbringen können, wie
alle anderen Bürger der Stadt auch, nämlich in Jugendeinrichtungen,
Sportvereinen, Bildungshäusern, Kirchengemeinden, etc. in ihrem
jeweiligen Stadtteil. Dort, wo sich ihre nichtbehinderten Nachbarn
je nach Interessenslage auch aufhalten und nicht separiert in "Behinderten-Spezial-Angeboten".
Dieses Ziel fasst die Fachwelt unter dem Begriff "Inklusion"
zusammen. Das bedeutet, dass Menschen mit Behinderung von Anfang
an überall dabei sind, vom Kindergarten über Schule, Wohnen,
Freizeit bis hin zur Arbeit. Der Weg ist noch weit. Daran arbeiten
bei uns im Freizeitbereich vier hauptamtliche MitarbeiterInnen (in
Teilzeitarbeit), ein Zivi und ca. 60 ehrenamtliche Kräfte.
Ihr von Blau-Weiß Aasee habt in Sachen "Inklusion"
schon einen Super-Anfang gemacht.
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Beim SV Blau-Weiß Aasee gibt es in Kooperation mit der
Lebenshilfe Münster e.V. seit Juli 2003 eine integrative Fußballgruppe,
in der Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung miteinander
kicken. Was als Projekt begann, ist ein fester Bestandteil im Programm
des Sportvereins geworden. Seit April 2006 gibt es sogar eine zweite
Gruppe. Hast Du mit diesem Erfolg gerechnet?
Wir hatten natürlich gehofft, dass es ein erfolgreiches Projekt
wird. Dass es sich aber so nachhaltig etabliert, davon konnten wir
eigentlich nur träumen. Wir freuen uns darüber sehr! Dieser
Erfolg ist aber auch im Wesentlichen dem Engagement eurer Leute
im Verein zu verdanken. Insbesondere Du, Björn bist maßgeblich
daran beteiligt, dafür möchte ich mich an dieser Stelle
noch einmal herzlich bedanken.
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Neben dem Fußball gibt es bei Blau-Weiß Aasee auch
integrative Angebote im Bereich Walking sowie Bewegung, Spiel und
Spaß für Grundschulkinder. Welches Angebot würdest
Du Dir für die Zukunft wünschen?
Vielleicht wäre es eine gute Idee, so etwas wie die sportmotorische
Grundausbildung für Kinder auch als integratives Angebot im
Erwachsenenalter mit ins Programm zu nehmen. Es soll da nicht die
Ausübung einer bestimmten Sportart im Vordergrund stehen, sondern
je nach Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmer die Möglichkeit,
einfach mal verschiedene Sachen auszuprobieren, z.B. eine zeitlang
Federball spielen, dann Gymnastik, dann autogenes Training/Entspannung,
vielleicht ein wenig Tanz oder, oder... Wenn das alles ganz leistungsfrei,
nur nach Lust und Laune der jeweiligen Teilnehmer stattfindet, können
auch Menschen mit Behinderung da problemlos mitmachen.
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Zum Schluss noch eine private Frage. Welches Buch würdest
Du für den Weihnachtswunschzettel empfehlen?
Ich bin ja der absolute Krimifan. Zurzeit lese ich das Buch "
Sundermann und der Tote ohne Herz" von Andreas Busch. Das ist
ein in sehr witzigem Stil geschriebener Krimi, der in Münster
spielt. Diese Mischung aus Spannung und Humor mag ich sehr - auch
im Leben!
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