BuWo – Positionspapier (PoPaPi)

Bündnis urbane Wohnformen Münster
PositionsPaPier

Im Vorfeld der ersten BuWo-Aktion auf dem Domplatz im September 2013 hatte das Bündnis seine Ziele und
Forderungen gemeinsam formuliert und im Plenum beschlossen. Unter diesem Vorzeichen agiert seither das „Bündnis urbane Wohnformen“.

Das Bündnis urbane Wohnformen (BuWo) ist ein Netzwerk selbstinitiierter gemeinschaftlicher Wohnprojekte und Initiativen.
BuWo wächst, wird einflussreicher und heterogener in seiner Gestalt. Verschiedene Projekte im Bündnis haben unterschiedliche Strukturen und Schwerpunkte und verfolgen u. U. auch unterschiedliche Interessen.

Dieses Positions Papier formuliert die Grundposition des BuWo.
Konflikte lösen wir vertrauensvoll, sachlich und einvernehmlich.

Expert*innen werden
Wir machen uns innerhalb des Bündnisses selbst kompetenter, wenn wir unsere Ziele und Forderungen gegenüber Partnern, aber auch gegenüber möglichen Widerständen in der Öffentlichkeit wirksam vertreten. Auf der
Grundlage der hier niedergelegten Positionen erarbeiten wir uns gemeinsam Kriterien und Maßstäbe, mit deren Hilfe wir z. B. Pläne im Bereich von Stadtentwicklung und Architektur konkret bewerten können.
In diesem Prozess bilden wir uns im BuWo gemeinsam weiter und machen uns im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten zu Expert*innen in Sachen Wohnprojekte, gemeinschaftliches Wohnen und nachhaltiger Stadtentwicklung.

Urbanes Wohnen in Gemeinschaft
Gemeinschaftliches Leben in der Stadt hat sich niemals vielgestaltiger dargestellt als heute. Lebensentwürfe und Bedürfnisse der Menschen werden sich weiter ausdifferenzieren. Die klassische Familie mit den traditionellen Anforderungen an Wohnung und Umfeld ist heutzutage nur noch ein Modell neben anderen, ohne dass der
individuelle Wunsch nach Gemeinschaft damit verloren geht.

Die Stadt und die Wohnungen müssen diesen verschiedenen „Wahlverwandtschaften“ gerecht werden können, um zukunftsfähig zu sein. Der Vereinzelung muss aktiv vorgebeugt werden und es sollte einfacher werden, verlässliche Beziehungen in der Nachbarschaft aufzubauen.

Die Menschen, die sich im BuWo organisieren, übernehmen über ihre Gemeinschaft hinaus Verantwortung und wirken gemäß ihren eigenen Möglichkeiten und Wünschen aktiv ins Viertel hinein. Dazu gehört die Entwicklung und Pflege einer Kultur des Miteinanders, Teilens und des sozialen Lernens.

Solidarität
Wir BuWos sind überzeugt davon, dass die sozialen Probleme der Zukunft nur zu lösen sind, wenn in der Politik wie in der alltäglichen sozialen Praxis grundsätzlich die Bedürfnisse und Interessen aller Menschen gleichberechtigt berücksichtigt werden.
Auch mit Blick auf Quartier und Wohnumfeld werden wir uns gegen soziale und wirtschaftliche Aus- bzw. Abgrenzung einsetzen. Gemeinschaftliches Wohnen in der Stadt bedeutet, soziale Grenzen zu überwinden.

Inklusion und generationenübergreifende Gerechtigkeit heißen für uns: Die Gemeinschaften des BuWo unterstützen sich gegenseitig solidarisch nach ihren Möglichkeiten in ideeller, praktischer oder finanzieller Hinsicht.

Stadt für alle
Jenseits aller Unterschiede zwischen den Gruppen des BuWo setzen wir uns dafür ein, innerstädtische wie stadtnahe, für alle bezahlbare Wohnräume für das Leben in Gemeinschaften zu ermöglichen, zu schaffen und zu bewahren. Wir wollen an Stelle der Kommerzialisierung des öffentlichen Lebens innerhalb der Stadt Räume zum
Mitgestalten schaffen.
Die urbanen Viertel sollen vielfältig sein, bleiben und werden: Wohnen und Arbeiten, Kultur und Soziales sollen auf kreative Weise miteinander verbunden sein. Es geht auch darum, neue Wege und Möglichkeiten für das gemeinschaftliche Wohnen zu erforschen und zu fördern sowie solidarische Modelle der Finanzierung (Genossenschaften, Mietshäuser Syndikat etc.) und des Grundstückserwerbs (z.B. Erbpacht) zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit
Gemeinschaftliches Wohnen muss sich nicht nur der sozialen sondern auch der ökologischen Verantwortung stellen. Die Potentiale des reduzierten Flächenverbrauchs durch das gemeinschaftliche Wohnen müssen im urbanen Raum genutzt werden. Flächen sollen nicht weiter ver- sondern entsiegelt werden. Über das Teilen und gemeinschaftliche Nutzen sollen im Alltag Ressourcen geschont werden. Außerdem müssen Aspekte der
Bauökologie (Baustoffe, Energie etc.) umfassend berücksichtigt werden.

Für BuWo-Gemeinschaften ist es selbstverständlich, das eigene Wohnen aus einer weitergefassten Perspektive zu bewerten: Bedacht werden stets CO2-arme Mobilitätskonzepte sowie kurze Wege der regionalen Wirtschaft.

BuWo berät und hilft
Das BuWo teilt sein Wissen und seine Kontakte. Durch Beratung und Information (z.B. bei Projektplanungen und der Wahl von Finanzierungsmodellen) fördern wir das gemeinschaftliche Wohnen. Wir richten uns dabei an unsere Mitglieder, an Wohnprojekt-Interessierte, in der Bau- und Immobilienbranche Tätige sowie an Stadtverwaltung
und Politik.

BuWo ist politisch aktiv
• Wir sind Teil der kritischen Öffentlichkeit.
• Wir bilden uns und eine eigene Meinung.
• Wir setzen uns ein für Emanzipation und Gleichberechtigung.
• Wir grenzen uns ab von menschenverachtenden Ideologien.
• Wir planen und führen Aktionen und Veranstaltungen durch.
• Wir bleiben unabhängig und überparteilich.

 

Verabschiedet auf dem Plenum des BuWo

Münster, der 10. November 2015

 

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