Ein Weckruf!

Der Hörsaal am Leonardo-Campus war voll und die Teilnehmer*innen beteiligten sich engagiert an den Diskussionen.
Der Hörsaal am Leonardo-Campus war voll und die Teilnehmer*innen beteiligten sich engagiert an den Diskussionen. Foto Gabi Fortak

Die BuWos hatten sich schon gedacht, dass das Thema „Gemeinschaftliches Wohnen in der Innenstadt“ auf Interesse stoßen wird. Aber dass an einem Samstag mit vielen andere Alternativ-Veranstaltungen letztlich deutlich über 200 hochinteressierte Besucher*innen kommen würden, war schon eine freudige Überraschung. Die Menschen suchten rege Kontakt und Austausch auf dem Markt der Möglichkeiten. Bei den drei Foren drängten sie sich förmlich in den Hörsaal zum Zuhören und Mitreden (siehe auch das Programm der Veranstaltung).

 

Auf dem turbulenten Markt der Möglichkeiten präsentierten sich Wohngruppen und andere Akteure im Bereich Gemeinschaftliches Wohnen. Hier wurden Kontakte geknüoft und es gab einen intensiven Erfahrungsaustausch. Foto: Gabi Fortak
Auf dem turbulenten Markt der Möglichkeiten präsentierten sich Wohngruppen und andere Akteure im Bereich Gemeinschaftliches Wohnen. Hier wurden Kontakte geknüpft und es gab einen intensiven Erfahrungsaustausch. Foto: Gabi Fortak

Wir bewerten die Veranstaltung als vollen Erfolg. Das ist ein Weckruf an die Politik und Verwaltung in Münster! Menschen schließen sich selbst organisiert und verwaltet in Gemeinschaften zusammen und fordern jetzt aktiv und unmissverständlich den ihren Bedürfnissen angepassten Wohnraum in der Innenstadt ein. Nachdem sich Münster lange genug im Dornröschenschlaf einer „lebenswertesten Stadt“ ausgeruht hat, geht es nun für die Stadtentwicklung und Stadtplanung darum, den gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte entschlosssen Rechnung zu tragen.

 

Von allen Seiten wurde die Hoffnung geäußert, dass diese Veranstaltung wiederholt wird. Wir rechnen nach dem Erfolg vom Samstag mit einer steten Ausweitung des Bündnisses und zählten auf den ausliegenden Teilnehmerlisten fast 140 Einträge von Personen, die weiter informiert werden wollen.

 

Die Situation von Wohnprojekten in Münster und in anderen Städten war Thema auf den ersten beiden Podien. Wolfgang Bensberg vom BuWo präsentierte zunächst einen Überblick über die verschiedenen Wohnformen, die als „gemeinschaftlich“ gelten können. Vertreter*innen verscheidener Wohnformen standen anschließend Rede und Antwort. Das Spektrum reichte von einem Investorenmodell (Wohnhof Delstrup), bei dem die Mieter weitgehend mit vergleichsweise geringem Aufwand und Risiko – dafür aber im Durschnitt auch etwas teurer – miteinander wohnen können, bis hin zu einer Genossenschaft (Haus Coerde eG) oder einem Projekt des Mietshäuser Syndikats (Grafschaft 31), bei der ein Maximum an Autonomie und Selbstbestimmung gewahrt ist. Dafür setzen diese Modelle ein hohes Engagement seitens der Bewohner*innen voraus.

 

Aus architektonischer Sicht beleuchtete Prof. Dipl-Ing. Joachim Schulz-Granberg von der münster school of architecture (msa) die Bedeutung von Wohnprojekten für eine sich verdichtende Stadt (Zusammenfassung). Die Beteiligung der zukünftigen Bewohner*innen sowie die Berücksichtigung sozialer Entwicklungen erfordern flexible und ungeplante Räume – eine Herausforderung für Architektur und Stadtplanung.

Frau Dipl.-Päd. Ursula Woltering, erläuterte auf dem Podium kurz die konzeptionelle Vorgehensweise der Stadtverwaltung in Ahlen, die erste positive Ergebnisse zeige. Der Impuls für dieses ganzheitliche, strategische Vorgehen kam aus der Sozialplanung und wurde in enger Zusammenarbeit aller Verwaltungsbereiche aufgegriffen und umgesetzt (Zusammenfassung des Konzeptes der Stadt Ahlen).

Die Erfahrungsberichte aus Hamburg, Dortmund und Ahlen boten ergänzende Perspektiven. Das Bündnis „Recht auf Stadt“ warb für eine kritischen Blick auf die derzeitige Stadtentwicklung.

 

Zu Beginn des abschließenden Podium problematisierte Dr. Tobias Behrens von der Stattbau GmbH in Hamburg das Wachstum von Städten (Präsentation seines Vortrags). Was bei Politiker*innen oftmals Freude hervorrufe, sei eher ein Grund zur Besorgnis und bedrohe gewachsene Strukturen und eine lebendige Stadtkultur. Die Stadt müsse mit geeigneten Maßnahmen zur Förderung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten aktiv gegensteuern.

 

Bei der anschließenden Diskussion musste Christian Schowe, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Stadt- und Verkehrsplanung, Rede und Antwort stehen. Er vertrat Stadtdirektor Schultheiß, der kurzfristig abgesagt hatte.

 

Amtsleiter Christian Schowe (Mitte) musste sich beim letzten Podium kritischen Fragen aus dem emgagierten Publikum stellen. Links: Dr. Bernd Drücke, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt preiswerten Wohnraum (VEpW e.V.); rechts: Dr. Tobias Behrens,
 Geschäftsführer Stattbau GmbH Hamburg. Foto: Gabi Fortak
Amtsleiter Christian Schowe (Mitte) musste sich beim letzten Podium kritischen Fragen aus dem engagierten Publikum stellen. Links: Dr. Bernd Drücke, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt preiswerten Wohnraum (VEpW e.V.); rechts: Dr. Tobias Behrens,
 Geschäftsführer Stattbau GmbH Hamburg. Foto: Gabi Fortak

Insbesondere die engagierten Wortmeldungen aus dem Publikum machten deutlich, dass Verwaltung und Politik in der Vergangenheit die Dringlichkeit des Handelns unterschätzt haben. Schowe stellte eine stärkere Beteiligung der interessierten Bürger*innen in Aussicht und kündigte an, dass es bei der Verfügbarmachung von geeigneten Liegenschaften ein Zurück in die 1990er Jahre geben soll. Damals hätte es bereits mehrere Instrumente gegeben, welche die Stadt in die Lage versetzte, öffentliche Interessen stärker zur Geltung zu bringen.

 

Politiker*innen der CDU, SPD, der GRÜNEN und der PIRATEN meldeten sich ebenfalls aus dem Publikum heraus zu Wort und taten allesamt ihre Bereitschaft kund, sich dem Thema aktiv zu widmen. Bereits eingebrachte Vorlagen zur Verbesserung der Wohnsituation sollten noch vor der Kommunalwahl erfolgreich durch den Rat gebracht werden. Thomas Fastermann (SPD), Vorsitzender des Planungsausschusses, stellte zudem in Aussicht, dass seine Partei die Forderung des BuWo nach Einrichtung einer Kontaktstelle für Wohnprojekt-Interessent*innen unterstützen werde.

 

Insgesamt sechs Forderungen hat das Bündnis in seinem Bürgerantrag formuliert, der im Rahmen des Forums am Samstag vorgestellt und auf den Weg gebracht wurde. Während des Forums unterstützten bereits 143 Teilnehmende diesen Antrag mit ihrer Unterschrift. (vollständiger Text hier).
[Update: Der Prozess ist mittlerweile abgeschlossen. Die Stadt reagierte mit einem Schreiben von OB Markus Lewe Lewe und einer Beschlussvorlage an den Stadtrat, der am 10.12.2014 einstimmig angenommen wurde. Alle Dokumente zur Ratsentscheidung finden Sie hier.]

 

Das Catering-Team sorgte für das leibliche Wohl mit leckerem Kaffee und Snacks.
Das Catering-Team sorgte für das leibliche Wohl mit leckerem Kaffee und Snacks.

Dank gilt nicht nur den Besucher*innen, Teilnehmer*innen und Marktbeschicker*innen. Ohne die vielen BuWo-Aktivist*innen, die im Vorfeld, während der Veranstaltung und danach beim Abbau für das hervorragende Gelingen des Forums gesorgt haben, wäre das alles nicht möglich gewesen. Ihnen gilt ein besonderer Dank!

 

Das Team des medienforums münster e.V. war immer mit dabei. Foto: Gabi Fortak
Das Team des medienforums münster e.V. war immer mit dabei. Foto: Gabi Fortak

Das medienforum münster e.V. hat sich für die Liveberichterstattung im Web-Radio enorm ins Zeug gelegt und das Ergebnis war großartig! Tausend Dank an Gabi Fortak, Katrin Steiner, Gotwin Elges, Matthias Rese, Klaus Blödow, Karsten Hannig, Karl Knauer und Anja Herbig! Mehrere Menschen sind tatsächlich erst während der Sendung auf die Veranstaltung aufmerksam geworden und dann noch spontan zum Leonardo Campus gekommen.

 

Hinter den Kulissen sorgte u. a. Katrin Steiner als Moderatorin für eine lebendige Liver-Berichterstattung.
Hinter den Kulissen sorgte u. a. Katrin Steiner als Moderatorin für eine lebendige Liver-Berichterstattung.

Zwei Urlauber*innen meldeten per SMS, dass sie gerade im TGV nach Frankreich unterwegs sind und die Veranstaltung mit verfolgen. Wir freuen uns, dass „Macht Platz!“ hier zum Pilotprojekt für eine neue Art aktiver medialer Bürgerbeteiligung geworden ist und hoffen, dass es bald mit ähnlichen weitergeht …

 

 

Schließlich danken wir unseren Sponsoren dafür, dass sie diese Veranstaltung auch finanziell ermöglicht haben!

 

GLS Bank

Stiftung Trias

Wohn- und Stadtbau

Bäckerei Cibaria

 

 

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