Künne hält Versprechen vom Traumtor
 
Von Florian Schlecht


Münster. In der Mitte der Kabine stand ein Kasten Bier. Auf einem kleinen Tisch ein Ghettoblaster, aus dem laute Musik tönte. Benjamin Künne stand in dem kleinen Raum, lächelte verhalten und genoss die schönen Bilder um sich herum. Denn der 29-Jährige war dank eines gehaltenen Versprechens der gefragte Mann bei seinen Kollegen des Landesligisten BSV Roxel nach dem 2:1-Sieg gegen Preußen Münster 2. „Ich habe den Jungs vor dem Spiel ein Tor aus 40 Metern angekündigt“, grinste Künne.
 

Der Referendar für Deutsch und Sport, der in Rheine am Gymnasium arbeitet, hielt sein Wort und übertraf seine ungewöhnliche Voraussage sogar. In der 43. Minute stand er mit dem Ball 45 Meter von dem Preußen-Tor entfernt, schaute nur kurz hoch und zog einfach mal ab. Torhüter Kai Mühlenhoff wusste nicht, wie ihm geschah, als das Leder vor ihm abdrehte und zum 1:0 für Roxel in den Maschen landete. Es war ein Treffer à la Diego und Ribéry, der im Derby ein echter Warmmacher für die frierenden 150 Zuschauer war. „Ich habe schon häufiger solche Tore geschossen“, erzählte Künne hinterher gelassen. „Vor ein paar Jahren sogar schon mal gegen Mühlenhoff, als er noch für Hiltrup spielte. Jetzt ist es wieder gelungen, meine Woche ist gerettet“, lächelte er.

Der kuriose Treffer beförderte Roxel gegen Preußen II auf die Siegerstraße. Bis zum 1:0 sah es nicht nach einem Derbyerfolg für den BSV aus. Denn die Platzherren gingen mit der Vorgabe ins Spiel, in der Defensive kompakt zu stehen und mit langen Bällen die groß gewachsenen Angreifer in Szene zu setzen. Preußen setzte hingegen spielerische Mittel entgegen und war in einer kampfbetonten Partie die bessere Elf mit Chancen zur Führung: Doch BSV-Torhüter Sven Martin avancierte neben Künne zum zweiten „Helden des Tages“ und lenkte einen präzise getretenen Freistoß von Hüseyin Kücük über die Latte (21.), ebenso einen Schuss von Sven Krause (38.). Im zweiten Durchgang legte die Mannschaft von Trainer Cihan Tasdelen noch einen Gang zu, war am Drücker, rannte sich aber zu häufig in der gut stehenden BSV-Abwehr fest. So machte Preußen erneut unliebsame Bekanntschaft mit Sonntagsschüssen – Tim Gödecke zog für Roxel aus 25 Metern ab und traf zum 2:0 in den Winkel (62.). Obwohl Preußen durch Krause noch verkürzen konnte (73.) und Roxels Marquardt die Ampelkarte sah, brannte für den BSV nichts mehr an.

„Guter Fußball reicht einfach nicht aus“, haderte Tasdelen hinterher. „Roxel spielt hier Anti-Fußball und hat sogar Erfolg damit.“ BSV-Trainer Timo Kemming war das Urteil egal: „Kämpferisch haben wir uns den Sieg verdient.“ Besonders glücklich über den Erfolg war aber Hans Schulze-Erdel. Der Fußball-Obmann des BSV feierte gestern seinen 67. Geburtstag. „Die Spieler haben mir das schönste Geschenk gemacht“, strahlte er ähnlich glücklich wie der Regenbogen über dem Fußballgelände. „Wir haben Preußen in der Tabelle überholt. Damit sind wir nun die drittbeste Mannschaft in Münster.“

Roxel: Martin – Seeger – Berk, Pietrucha – Buschung (57. Arlinghaus), Gödecke (70. Kemming), Israel, Künne, Marquardt – Fleuter, Frönd.

Preußen 2: Mühlenhoff – Brüggemeyer, Mikic, Scholz – Aktas (57. Isiktekin), Mrodovic, Gaplan (83. Rama), Akame Esame (83. Schröer) – Kücük, Krause, Ambrozuk.
 

 

 


 
Preußen-Stürmer Sven Krause (Mitte) erzielte in Roxel das Ehrentor für die Adlerträger.
(Foto: Jürgen Peperhowe)