Der Referendar für Deutsch
und Sport, der in Rheine am Gymnasium arbeitet, hielt sein Wort und übertraf
seine ungewöhnliche Voraussage sogar. In der 43. Minute stand er mit dem Ball
45 Meter von dem Preußen-Tor entfernt, schaute nur kurz hoch und zog einfach
mal ab. Torhüter Kai Mühlenhoff wusste nicht, wie ihm geschah, als das Leder
vor ihm abdrehte und zum 1:0 für Roxel in den Maschen landete. Es war ein
Treffer à la Diego und Ribéry, der im Derby ein echter Warmmacher für die
frierenden 150 Zuschauer war. „Ich habe schon häufiger solche Tore
geschossen“, erzählte Künne hinterher gelassen. „Vor ein paar Jahren sogar
schon mal gegen Mühlenhoff, als er noch für Hiltrup spielte. Jetzt ist es
wieder gelungen, meine Woche ist gerettet“, lächelte er.
Der kuriose Treffer beförderte Roxel gegen Preußen II auf die Siegerstraße.
Bis zum 1:0 sah es nicht nach einem Derbyerfolg für den BSV aus. Denn die
Platzherren gingen mit der Vorgabe ins Spiel, in der Defensive kompakt zu
stehen und mit langen Bällen die groß gewachsenen Angreifer in Szene zu
setzen. Preußen setzte hingegen spielerische Mittel entgegen und war in einer
kampfbetonten Partie die bessere Elf mit Chancen zur Führung: Doch
BSV-Torhüter Sven Martin avancierte neben Künne zum zweiten „Helden des Tages“
und lenkte einen präzise getretenen Freistoß von Hüseyin Kücük über die Latte
(21.), ebenso einen Schuss von Sven Krause (38.). Im zweiten Durchgang legte
die Mannschaft von Trainer Cihan Tasdelen noch einen Gang zu, war am Drücker,
rannte sich aber zu häufig in der gut stehenden BSV-Abwehr fest. So machte
Preußen erneut unliebsame Bekanntschaft mit Sonntagsschüssen – Tim Gödecke zog
für Roxel aus 25 Metern ab und traf zum 2:0 in den Winkel (62.). Obwohl
Preußen durch Krause noch verkürzen konnte (73.) und Roxels Marquardt die
Ampelkarte sah, brannte für den BSV nichts mehr an.
„Guter Fußball reicht einfach nicht aus“, haderte Tasdelen hinterher. „Roxel
spielt hier Anti-Fußball und hat sogar Erfolg damit.“ BSV-Trainer Timo Kemming
war das Urteil egal: „Kämpferisch haben wir uns den Sieg verdient.“ Besonders
glücklich über den Erfolg war aber Hans Schulze-Erdel. Der Fußball-Obmann des
BSV feierte gestern seinen 67. Geburtstag. „Die Spieler haben mir das schönste
Geschenk gemacht“, strahlte er ähnlich glücklich wie der Regenbogen über dem
Fußballgelände. „Wir haben Preußen in der Tabelle überholt. Damit sind wir nun
die drittbeste Mannschaft in Münster.“
Roxel: Martin – Seeger – Berk, Pietrucha – Buschung (57. Arlinghaus),
Gödecke (70. Kemming), Israel, Künne, Marquardt – Fleuter, Frönd.
Preußen 2: Mühlenhoff – Brüggemeyer, Mikic, Scholz – Aktas (57.
Isiktekin), Mrodovic, Gaplan (83. Rama), Akame Esame (83. Schröer) – Kücük,
Krause, Ambrozuk.
