Münster. Der Filmbericht über das Sommermärchen im vergangenen Jahr hat der deutschen Fußballnation nicht nur ungewohnte Einblicke in die geheiligte Kabine, sondern auch den geflügelten Ausdruck von „höchschter Disziplin“ gebracht. Nun ist es nicht wahrscheinlich, dass Roxels Trainer Timo Kemming ähnliche schwäbisch angehauchte Ausdrucksweisen benutzt, der Inhalt seiner Ansprache an die Mannschaft dagegen dürfte sich zumindest inhaltlich stark an die Prämisse von Jogi Löw gehalten haben. Kemming hat jedoch einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Trainerkollegen – er kann selber mitspielen und damit nicht nur von außen bestimmen, was auf dem Platz passiert. Genau 15 Minuten dauerte es, bis Roxels Spielertrainer von dieser Möglichkeit Gebrauch machte. Nach einer Unsicherheit des Borghorster Torhüters und einem Roxeler Lattentreffer nutzte Kemming die Gunst der Stunde und brachte den Ball im Tor unter: „Ich weiß gar nicht wie, aber irgendwie muss ich ihn rein gemacht haben“, lächelte er nach dem Schlusspfiff nicht ohne Grund. Seinem Führungstreffer folgten nach der Pause nämlich noch zwei weitere Tore durch Tobias Fleuter und Fabian Frönd zum 3:0-Endstand.
„Wir sind sicherlich derzeit nicht in der Situation hier Zauberfußball
anzubieten“, analysierte Kemming nach der Partie, in der Roxel nach nervösem
Beginn immer besser ins Spiel fand, treffend. Doch negativ wollte Kemming die
fehlende fußballerische Brillanz keineswegs verstanden wissen: „Die Mannschaft
hat heute Charakter bewiesen, was kann man besseres über jemanden sagen“,
fragte Kemming. Dabei kam dem BSV bereits erwähnte Disziplin zugute, die die
Überraschungsmannschaft aus Borghorst immer wieder an der Abwehr der Roxeler
zerschellen ließ. Konsequent zudem die Roxeler Offensive. Fleuter bewies in
Minute 70 seine Klasse, als er eine eigentlich bereits geklärte Situation dazu
nutzte, das Leder mit viel Übersicht und Geschick ins Toreck zu schieben. Fünf
Minuten später wich Mitspieler Frönd vom Weg des Feingefühls ab und hämmerte
das Leder aus zehn Meter mit Gewalt zum 3:0 in die Maschen. „Vielleicht ein
Tor zu hoch“, urteilte Kemming über das Ergebnis, doch diese Frage war müßig,
denn letztlich war der Endstand das Resultat von „höchschter Disziplin“. Die
kennt man halt auch in Roxel und nicht nur im Schwabenland.
Roxel: Martin – Berk, Seeger, Pietrucha – Daldrup (57. Buschung),
Israel, Gödecke (35. Lahutta), Kemming, Marquardt – Fleuter, Frönd (80.
Griesche).
