Eine Halbzeit richtig schlecht
 
Nottuln. Was ist in dieser Saison bloß in der Fußball-Landesliga los? Eines scheint nach dem gestrigen Spieltag sicher zu sein: Offensichtlich will keiner Meister werden. GW Nottuln unterlag nach einer erschreckend schwachen ersten Halbzeit mit 1:3 (0:3) völlig verdient beim BSV Roxel. Die Grün-Weißen blieben trotzdem – nach fünf sieglosen Spielen in Folge fast unvorstellbar – Tabellenführer, weil auch die Konkurrenz patzte. Der Zweite SV Mesum verlor bei der SG Herten-Langenbochum mit 0:2. Und der Dritte TSG Dülmen kam gegen den Abstiegskandidaten Amisia Rheine über ein 1:1 nicht hinaus.

Rainer Leifken, Trainer von GW Nottuln, interessierten die Ergebnisse der anderen so genannten Spitzenteams noch nicht einmal am Rande: „Mit einer solchen Leistung haben wir dort oben absolut nichts zu suchen. Es kann einfach nicht sein, dass Spieler, die in die Verbandsliga aufsteigen wollen, in der Pause eine Motivationsspritze brauchen. Wir waren in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht auf dem Platz“, wetterte der Trainer nach dem Abpfiff.
 

Die Halbzeitansprache des Bösensellers war kurz und knackig, ehe er wutentbrannt die Kabine verließ. Zwar spielten die Nottulner nach dem Abpfiff deutlich engagierter, doch zu diesem Zeitpunkt war der Drops bereits gelutscht. Schon nach sechs Minuten brachte Tobias Fleuter den Gastgeber mit 1:0 in Führung. Dann hatte Nottuln zweimal Pech, als zunächst Alexander Leifeld früh mit einer Bänderverletzung den Platz verlassen musste (12.) und dann Oliver Leifken eine Großchance per Kopf vergab (20.). Fabian Frönd machte es auf der Gegenseite wenig später besser und erhöhte für den BSV auf 2:0 (26.). Als Dirk Marquardt in der 39. Minute sogar noch das 3:0 erzielte, war die Begegnung entschieden. Bei einer etwas konsequenteren Chancenverwertung hätte der Tabellensechste sogar mit einem höheren Vorsprung in die Pause gehen können. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit in der Defensive wie eine Minikicker-Mannschaft angestellt“, schimpfte Rainer Leifken.

Nach dem Seitenwechsel spielten die Grün-Weißen zwar deutlich besser und hatten auch die ein oder andere gute Möglichkeit, doch der Anschlusstreffer von Stefan Sennhenn fiel in der 89. Minute viel zu spät.

Am kommenden Sonntag reist Nottuln nach Mesum. Eine Frage muss dabei geklärt werden: Will einer der beiden Teams noch Meister werden?
VON JOHANNES OETZ, NOTTULN

Auch Nottulns Sven Laumann (l.) blieb gestern hinter seinen Möglichkeiten. In seinem Rücken stürmt Julian Seeger heran. (Foto: Henryk Walkowski)