Erzen macht sich in Roxel zum Kopfball-Riesen

Mehr war wohl nicht drin für die an sich sehr reife Roxeler Elf, die dem Umstand, vom Trainingspensum her den Preußen hinterher zu hinken, später am Tage Tribut zollte. Die dritte Pokalniederlage seit August 2005 war die deutlichste. An ihrer Berechtigung gab es null Zweifel.
Viele frische Preußen
Vor 650 Zuschauern ließ SCP-Trainer Roger Schmidt aus der Anfangsformation vom Freitag (2:0 gegen Wiedenbrück) nur Artur Matlik als Abwehrchef und Simon Talarek als Abräumer in der Startformation. Der Rest gruppierte sich als nagelneue Aufstellung drum herum. Die sehr tief stehenden Gastgeber, die Fabian Frönd als einzige echte Spitze aufboten, ließen eine gute Viertelstunde lang nichts zu. Roxel stand - geschickt im Raum und gut am Mann - den Preußen schlichtweg im Weg.
Da der Favorit ebenfalls seine feste 4-4-2-Formation partout nicht auflöste gen Überzahlversuch, schleppte sich das Spielchen so dahin. Bis zu Tim Gödeckes Rückpass-Patzer auf Keeper Sven Martin, der sich plötzlich Preußenspieler Timo Scherping gegenüber sah und von dem ausgespielt wurde an der 16-Meterlinie (17.).
Erzen: Vorteile in der Luft
Die erste heraus gespielte Chance produzierten die kühl auf absolute Spielkontrolle erpichten Preußen erst nach 35 Minuten. Den Kopfball von Robert Magos hielt Sven Martin, aber nicht den nächsten von Michael Erzen (43.), der als ausgewiesener Nicht-Riese einen Freistoß über Martin hinweg einköpfte. Der 25-Jährige rödelte nach der Pause weiter und drehte seine 170 cm Köperlänge zum 3:0-Kopfball wunderschön in eine Hereingabe von Peter Endres (58.), der mit einigen feinen Diagonalbällen überzeugte. Rutschte Erzen später an einer harten Magos-Hereingabe vorbei, so nahm er die Öztürk-Flanke sehenswert per Flugkopfball zum 4:0 ab (77.).
Roxel hatte längst kapituliert und räumte den Preußen zu viele Freiräume ein, auch direkt vor dem Kasten funktionierte die Abstimmung nicht mehr. Magos drehte nun mehr und mehr auf: Massih Wassey, der über die rechte Seite vorrückte, setzte den Mitspieler per Seitenwechsel ein und Magos strebte geradeaus auf Martin zu, um ihm dann keine Chance zu lassen (81.).
Minuten später eroberte der bissige Erzen den Ball, schaute hoch und bediente Magos perfekt (83.). Nach einem nächsten weite Schlag von Endres schloss Wassey freistehend vor dem bedauernswerten Sven Martin zum 7:0 ab.
SCP-Keeper Maximilian Schulze Niehues rasselt mit Roxels Fabian Frönd zusammen.
Schmidt lobt Reife
„Das war eine reife Leistung von uns. Wir haben dafür gesorgt, dass Roxel offensiv kaum etwas machen konnte“, war Preußentrainer Roger Schmidt von der taktischen Disziplin seiner Elf angetan. „Wir wollten defensiv nicht offen stehen und haben das sehr gut umgesetzt.“ Von Scherping, der gegenüber Erzen deutlich abfiel, „darf man nach dieser langen Auszeit keine Wunderdinge erwarten. Solche Spiele helfen ihm weiter.“
Kemming: "Viel zu früh"
Ex-Preuße Kemming, der im Sommer in seine sechste Saison an der Tilbecker Straße geht, nahm die hohe Niederlage mit der gebotenen Zurückhaltung zur Kenntnis. „Das Spiel kam viel zu früh für uns. Schade, dass später die Treffer wie reife Früchte fielen, aber wir sind körperlich längst nicht da, wo die Preußen jetzt schon stehen. Die waren doch alle topfit. Wir müssen die Partie als verschärfte Laufeinheit nehmen. Und abhaken.“
Thomas Austermann
Namen und Zahlen
Roxel: Martin – Seeger – Berk, Pietrucha – Buschung, Israel,
Gödecke (57. Arlinghaus), Künne, Marquardt (67. Griesche) – Fleuter
(76. Canal-Bruland) – Frönd.
SC Preußen: Schulze Niehues – Ornatelli (74. Öztürk),
Brüggemeyer, Matlik, Endres – Wassey, Talarek, Dede, Magos –
Scherping, Erzen.
SR: Florian Kupka – Zuschauer: 650
Tore: 1:0 Scherping (17.), 2:0 und 3:0 und 4:0 jeweils Erzen
(43./58./77.), 5:0 und 6:0 jeweils Magos (81./83.), 7:0 Wassey (87.)
Gelbe Karten: Frönd - Erzen