Rock N Popmuseum
Gronau
Locke von Elvis
Rockmuseum in Gronau
Wenn es um Rock- und Popgeschichte geht, dann begibt man sich nach
Woodstock,
Graceland, Liverpool oder Gronau. Die westfälische Stadt an der
deutsch-niederländischen
Grenze will sich künftig in die Schar der berühmten
Stätten des Rock'n'Roll einreihen.
Am 21. Juli 2004 öffnete in Gronau das einzige
Rock- und Popmuseum in Europa .Die Idee zum RockNPopmuseum lieferte "Panik"-Rocker Udo Lindenberg, der
berühmteste Sohn der Stadt.
Offenbar hat das Zehn-Millionen-Euro-Projekt große
Anziehungskraft: Etliche Musiker haben das neue Museum mit
Leihgaben bedacht - So spendete
Altrocker Lindenberg eine Schalmei, die er 1987 vom ehemaligen
DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker als Gegenleistung für das
Geschenk einer Lederjacke erhalten hatte. Vorausgegangen war die
musikalische Frage nach dem "Sonderzug nach Pankow", denn der
"Panik"-Rocker durfte in der DDR lange Zeit nicht auftreten.Zu der Sammlung von 130 Exponaten, 90 Ton- sowie 325 Bild- und
Filmdokumenten zählen aber auch die Haschischdose von John
Lennon, eine Locke und eine Uniformjacke von Elvis Presley, Bob
Dylans Mundharmonika und Handschuhe von Marlene Dietrich .Über die Salonmusik des 19. Jahrhunderts und "Black Music",
über Rock'n'Roll der 50er und die
Rockrebellion der 70er bis zur elektronischen Musik kann man etwas erfahren.
Schallkorridore und etliche, speziell angeordnete Lautsprecher sorgen
dafür, dass die Besucher an verschiedenen Stellen eines Raumes
jeweils verschiedene Stücke hören.Die Ausstellung reicht bis in die Gegenwart - etwa mit dem Opel
Admiral der Fantastischen Vier oder einer Skorpion-Bühnendekoration
der Scorpions - und die Geschichte soll fortgeschrieben werden .Das
Museum ist ein lebendiger Ort - es geht nicht nur um Bewahrung .
Neben den Exponaten
steht in dem Museum in der Turbinenhalle einer alten Textilfabrik vor
allem eines im Mittelpunkt - die Musik.In der großen Halle betritt der Besucher einen Zeittunnel mit
Projektionen legendärer Konzerte vom Newport Jazz Festival bis zu
Mayday. Und dort warten Begegnungen mit Projektionen von Stars, die
einen "Rock'n'Roll-Tod" starben - von Charlie Parker, der 1955 an
Alkohol- und Drogenmissbrauch starb, bis zum 1996 ermordeten
Rapper Tupac Shakur.Das Museum peilt eine Marke von 40.000 bis 60.000 Besuchern im Jahr an.
Zur Eröffnung fand am 20.Juli ein
Konzert Udo Lindenbergs mit dem Panikorchester in der Bürgerhalle
statt :"Zeitmaschine Gronau" . Und auch sonst ist der Altrocker allgegenwärtig: Mit
seinen Zeichnungen und
Gemälden in einer Dauerausstellung des RockNPopmuseums . Erstmals
bekommt er einen eigenen Platz - den "Udo-Lindenberg-Platz" vor dem
Museum.
(Werner Klöpper)
Udo Lindenberg Ausstellung

Quadriga von Udo
Lindenberg
Foto: Werner Klöpper
Literarischer Lebenslauf
Werner Klöpper
In
der
westfälischen Grenzstadt Gronau
erblickte ich
im Juli 1952
das Licht der Welt
inmitten von Zöllnern und Schmugglern .
Meine Schulzeit verlief wenig ereignisreich , doch entschloß
ich mich , meine Lehrer nicht arbeitslos werden zu lassen .
Ich las Grass und Walser und freute mich meines Lebens .
Der Pressefotograf Niehoff ließ es sich nicht nehmen , mich
in Gesellschaft zahlreicher Gronauer bei Schützenfesten
und ähnlichen Ereignissen für die Gronauer Nachrichten
abzulichten . Kopien der Bilder wurden dann bei ihm kostenlos
abgeholt . Diese Beschäftigung mit der Fotografie wurde
später
eines meiner Hobbies .
In meiner Jugend traf ich auch Udo Lindenberg ,
der als Schlagzeuger in einer Gruppe
zusammen mit Gerd Sikorski spielte . Noch heute höre ich
Lindenberg-Songs , wie, " alles klar auf der Andrea Doria ?"
Sein "Sonderzug nach Pankow" war seiner Zeit weit voraus .
Schon früh wurde ich geprägt von einer Gesellschaft , in
der es Arme
und Reiche gibt . Einer unserer Nachbarn war der Fabrikant Van Delden
,
dessen Familie in der Stadt Gronau durch die Textilindustrie
reich geworden war und die dort das Sagen hatte .
Dem Heer der Industriearbeiter gesellte ich mich für ein paar
Wochen
zu. Doch dann trieb es mich in die große, weite Welt :
nach Münster .
Dort studierte ich wie Goethe und Tucholsky die Rechte an der
ehrwürdigen Wilhelmsuniversität , doch mit weit weniger
Erfolg.
Schon früh entschloß ich mich , den Pegasus zu reiten,
was im Jahre 1979 zur Gründung der Literaturzeitung
MS-Lyrik/Prosa führte .
Nun konnte man sich als Autor
mit anderen über Literatur unterhalten und eigene Texte in einer
Schreib- und Literaturwerkstatt vortragen .
Die damalige Zeit war sehr produktiv , man traf viele Autoren (Erich
Fried )
und alle zwei Jahre gab es die von der Stadt Münster
mitorganisierten
Lyrikertreffen, die am Anfang alle bekannten Lyriker aus ganz
Deutschland nach Münster führten .
Seit dieser Zeit gab es erste Veröffentlichungen von der
Studentenzeitung
"Unicum" bis zu Anthologien im Heike-Wenig-Verlag, Dorsten .
Ein Rundfunkporträt der Münsteraner Autorengruppe bei Radio
Bremen
und eigene Rundfunkproduktionen beim heimischen Lokalfunk
Antenne Münster ergänzten unsere Arbeit .
Seit einigen Jahren bin ich auch journalistisch tätig .
Wie eine Raketenstufe durchs All schwebend
fühle ich mich sehr wohl im 21. Jahrhundert
die blühenden Landschaften im Osten
habe ich hinter mir gelassen
Einigkeit und Gläserklingen
sind Geschichte
als Kind der Grenze
grenzenlos heute Europa .
Werner Klöpper, 6.1.2000

Lederjacke, Schlapphut und Panikgürtel von Udo
Lindenberg
Foto: WK
Udo Lindenberg: Ein sturer Schrat und seine Schalmei
Berlin (West), September 1983. Panik-Rocker Udo
Lindenberg
feiert vor 22.000 Fans zehn Jahre
Panikorchester. Mit der musikalischen Frage nach
dem Sonderzug nach Pankow beschwert sich
Lindenberg darüber, dass er in der DDR nicht
auftreten darf. In Ostberliner Palast der
Republik durfte er es : wenige Wochen später
- bei einer Friedensveranstaltung und vor
ausgesuchtem Publikum. Seine Fans mussten
draußen
bleiben und lieferten sich Rangeleien
mit der Polizei. Es blieb sein einziger Auftritt
in der DDR, denn die Zusage für eine Tournee
wurde kurze Zeit später wieder
zurückgezogen.
„Erich, hey, bist Du denn wirklich so ein sturer
Schrat? Warum lässt Du mich nicht singen im
Arbeiter-und-Bauern-Staat?“ Sonderzug nach Pankow
Der Rest ist Geschichte: „Honey“ besuchte 1987 die
BRD und bekam von Udo Lindenberg eine
Lederjacke. Der Staatsratsvorsitzende revanchierte
sich mit einer Schalmei und wünschte „Viel
Spaß beim Üben“. Die Schalmei hing
bislang
im Weimarer Hotel „Elephant“. Nun ist sie
im Rock’n’Pop Museum Gronau zu bestaunen .
Elvis Presleys Uniformjacke: Rock’n’Roll kommt nach Deutschland
Mittwoch 1. Oktober 1958 - Der Truppentransporter
"USS General Randall" legt um 8.46 Uhr an
der Columbus-Kaje in Bremerhaven an. Elvis ist einer
von 1.170 Soldaten auf dem Schiff. Als er
von Bord geht, wird er von Hunderten jubelnder Fans
und einem großen Presseaufgebot
begrüßt. Der Rock’n’Roll ist nun
endgültig
in Deutschland angekommen .
Im Rahmen einer späteren Pressekonferenz
beschmutzte
Elvis aus Unwissenheit die getragene
Uniformjacke an der eigens für dieses Ereignis
frisch gestrichenen Wand. Er legte sie
anschließend achtlos zur Seite. Der
Kleidungswart
der Kaserne nutzte die Gelegenheit und
nahm die Jacke an sich. Nun wird dieser oft
berichtete
Teil der Rock-Historie noch ein ganzes
Stück lebendiger. Elvis’ Uniform-Jacke ist
nun im Rock’n’Popmuseum
Gronau zu sehen .

Elvis Presley , Militäruniform in
Deutschland
Foto: Werner Klöpper

Im RockNPopmuseum Gronau,
2004
Foto:Werner Klöpper

Im RockNPopmuseum Gronau ,
2004
Foto : Werner Klöpper
Copyright: Werner Klöpper, Münster/Germany