Das Thema Recht und "Gerechtigkeit" ist in unterschiedlicher Weise
Thema und Gegenstand weiter Teile der Weltliteratur von Shakespeare bis
Camus , von Kleist bis Kafka .
Literaten sind häufig im Brotberuf als Juristen tätig gewesen.
(Goethe, Hoffmann, Kafka, Storm u.a.)
Werner Klöpper, 2004
Werner Klöpper
Verhältnisse
Das Zahlenverhältnis
der Professoren
zu den Studenten
ist ungünstiger
als das
der Wärter im Zoo
zu den Tieren
Das Verhältnis
der Wärter im Zoo
zu den Tieren
ist besser
als das
der Professoren
zu den Studenten
Werner Klöpper
Kerstin, stud. jur.
Irgendwie hatte ich dich
schon bemerkt:
sinnend blicktest du auf den Professor.
Dein Blick schweifte wie
deine Gedanken umher.
Unsere Herzen schlugen
im Gleichklang.
Doch waren wir uns fremd.
Deine Welt
aus tausend Schmetterlingen
ist bunt und voller Farben.
Rauch ist in der Luft und den Augen.
Dein verlorenes Herz
zwischen Paragraphen
ist weniger abstrakt
als das Abstraktionsprinzip.
Es schmilzt
am löchrigen Horizont.
Werner Klöpper
Vöglein an der Uni
Wenn ich ein Vöglein wär
so tät ich fliegen
über Täler und Berge
hoch hinaus über die Wolken
bis zum Erdenrund
bis ins All hinaus.
Da ich aber hier leben muß
sitz ich an der Uniplatte der Bücherei
schaue aufs Juridicum
wie die Zeit vergeht
im Halb-Stunden -Takt
und Fürstin von Gallitzin
von früher erzählt:
vom Altweibersommer
von Englein, die singen
und
von Gläsern, die klingen.
Werner Klöpper
Stilleben
Das Blumengebinde
im metallisch glänzenden Wasserkessel
auf dem weißen Blumenpodest .
Blaudunkle Wolken, gelber Himmel
durch ungeputzte Scheiben .
Das gehäkelte Blumenbild
an der Oberkante des Fensters .
Kleine Wabenfenster
mit roten Vorhängen .
Emsige Studenten
üben sich
im Honigschlecken
im grauen Beton .
Werner Klöpper, Jahrgang 1952, freier Journalist und Autor,
studierte Jura an der Westf. Wilhelmsuniversität in Münster
.
Picassoplakat in Münster
Foto: Werner Klöpper
Helga Meschede
Spuren
Deinen Spuren seh` ich nach im Schnee,
wie sie niederschwingen aus der Höh`,
wie sie glänzen, gleißen, mir entgleiten,
sich verlieren jäh in weißen Weiten,
so gefahrvoll wie verlockend schön.-
Deinen Spuren such`ich nachzugehn-
bis zum Gipfelkreuz, das sich erhebt
über Wolken schwarz zum Himmel strebt,
aufwärts trägt auch meine Totenklagen-
wilden Schmerz und nie verstummte Fragen.-
Deine Spuren kreuzten meine Zeit
und entführen in Unendlichkeit.
Helga Meschede, Jg. 1932, lebt in Münster. Germanistin und
Anglistin. Lehrtätigkeit an der Universität
Edinburgh. Unterricht an einem Gymnasium in Münster. Schreibt
Lyrik und Kurzprosa. Buchveröffentlichung "Spiegelungen" zum Drostejahr
1997 , Preis der Nationalbibliothek des
deutschsprachigen Gedichtes 1998 .