Dato Barbakadse(geb.1966) – Schriftsteller, Essayist und Übersetzer. Zum Lebenslauf : 1984-91 - Studium mit Diplomabschluß an der Staatlichen Universität Tbilissi, Fakultät der Philosophie und Psychologie. 1992-94 - Studium an der Aspirantur (Lehrstuhl für Soziologie an der SUT), freiwillige Aufgabe des Studiums, um sich gänzlich der literarischen Arbeit zu widmen. 1994 - Redakteur der literarischen Zeitschrift “Polylog”. 1996 - Redakteur der literarischen Zeitschrift “ ± Literatur”. 1991-2001 - pädagogische Tätigkeit an den verschiedenen Hochschulen in Tbilissi; Logiklehrer an der Tbilisser Geistlichen Akademie und Seminarie (1996-2001). 1997-2001 - Mitarbeiter(als psychologischer Berater) des sozial-Psychologischen Hilfezentrums „Ndoba“ (eine wissenschaftlich-praktische NGO), Tbilissi. Bisherige Veröffentlichungen in georgischer Sprache Bücher: Dichtung: Lasst uns dem Herbst das Beileid aussprechen. Tbilissi, 1999; Sehensucht nach Logik. 1993; Die Fragenstellung. 1994; Eine Minute oder ein Leben vor der Abreise. 1994; Der Dachdecker. 1995; Negation der Summierung. 1999; Wesentliche Züge. 2001 Romane: Die Mutation. 1993; Die zweite Ferse des Achills, 2000 Sammelwerke der Essays: Poesie und Politik. 1992; Begegnende Hindernisse. 1994;Fragen und soziale Umgebung. 2000 Sammelwerke der Übersetzungen: Aus der deutschsprachigen Poesie des 20. J.h. Erstes Sammelwerk. 1992; Die Muster der europäischen und amerikanischen Poesie (Erstes Sammelwerk, 1992; Zweites Sammelwerk, 1993; Drittes Sammelwerk, 2000); Hans Arp, Gedichte. 1992; Georg Trakl, Gedichte. 1999; Paul Celan, Gedichte. Erstes Sammelwerk. 2001; Hans Magnus Enzensberger, Gedichte. Erstes Sammelwerk. 2002 Text von Dato Barbakadse : Es regnet und die Menschen mit den Regenschirmen gehen um die Mittagszeit am Seeufer entlang ihrer Wege (Aus dem Zyklus „Gesänge des Seeufers“) Für Oguz Tarihmen Unsere leisen und unumkehrbaren Erzählungen sind durch andere nicht an die Wände und auf die Leinwand, sondern in den Himmel gemalt. Die leisen und unumkehrbaren Erzählungen unserer leisen und unumkehrbaren Geschichtsmaler sind durch uns mit Wasser und Feuer gemalt. Über das Schicksal dieser uns unbekannten Maler wird uns durch vielerorts gemalten, in den Himmel gestreuten, gestreut ohne Wasser und ohne Feuer, Erzählungen berichtet. Diese für uns unbekannten Maler lesen über unser Schicksal in alten und verblichenen Erzählungen, die sie nah des Himmels, in engen Fluren und aus Stein gebauten Zimmern, beherbergen. Die leisen und unumkehrbaren Erzählungen der anderen sind von Fremden zum Verkauf ausgebreitet, gemalt, für uns ganz überraschend, von ganz Fremden und schon von uns irgendwo und irgendwann gelesen. Wir erinnern an eine ganz andere Zeit und woanders erlebte Lesungen und sehen unsere leisen und unumkehrbaren Erzählungen, die die Fremden in fremden Orten und Zeiten malen. Unsere leisen und unumkehrbaren Erzählungen beobachten Maler, die jene mit Feuer und Wasser im Himmel gemalt haben. Diese Maler sind wir nicht. Diese Maler sind wir. Wir malen unsere durch andere gemalten leisen und unumkehrbaren Erzählungen, deren Schicksal für die uns unbekannten Maler unbekannt sind, deren Gemälde wir in den alten verblichenen Erzählungen nah des Himmels beherbergen. Die Erzählungen, die über für uns unbekannte Malerschicksale erzählen, sind in enge Flure und aus Stein gebaute Zimmer gestreut, die schon nicht mehr existieren. Die Maler, die nicht mehr existieren, malen unsere leisen und unumkehrbaren Geschichten, die nicht mehr existieren und ganz andere Maler, die auch nicht mehr existieren, erzählen von unseren Schicksalen, die nicht mehr existieren, aber an die sich ganz andere Maler erinnern, die derzeit noch existieren. Wir malen im Himmel ohne Wasser und ohne Feuer zerstreute unbekannte Malererzählungen, die über ganz andere Malergeschichten von ganz anderen Malern erzählen werden. Auf den Geschichtsseiten ist von unseren Schicksalen, die ganz andere leise und unumkehrbar Malererzählungen und anderen Orten und andern Zeiten beinhalten, schon nicht mehr zu lesen. Die von uns vielerorts gemalten Geschichten werden mit Wasser und Feuer im Himmel gelesen. Die von uns gemalten unsichtbaren Erzählungen, für uns von fremden Malern gemalte und durch andere Menschen zum Verkauf ausgestellt, erzählen uns über enge Flure und aus Stein gebaute Zimmer, wo jetzt andere leben. Diese schon erloschenen Erzählungen lesen die Maler und Dichter direkt im Himmel. Diese Dichter und Maler sind wir nicht. Diese Dichter und Maler sind wir. Aus dem Georgischen ins Deutsche übersetzt von Steffi Chotiwari-Jünger