Hinduistische Geschichtsauffassung

 von Sandra Frömel

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Kapitel:

 thema1       Was ist Hinduismus?

 thema2       Welche Geschichtsauffassung vertritt die hinduistische Religion?

 thema2        Ist diese Geschichtsauffassung tragfähig? 

 thema2       Welche Quellen wurden verwendet?
 
 

 
 

 

Was ist Hinduismus?
 
Über 4000 Jahre reichen die Ursprünge des Hinduismus zurück. Diese Weltreligion hat keinen Stifter wie etwa der Buddhismus. Es handelt sich vielmehr um eine Volksreligion, die aus der Verschmelzung einer Vielzahl von Sekten entstand.
Die Hindus verehren viele Götter, vor allem aber Schiva und Wischnu. Der Hinduismus kennt kein Dogma, sondern ist Ausdruck vielfältiger Glaubens- und Lebensformen der Inder. Sie glauben an die Wiedergeburtenlehre, den ewigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen, in den auch die Welt der Pflanzen und Tiere einbezogen ist. Wer ein gutes Leben geführt hat, wird in einem höheren Zustand wiedergeboren, schlechtes Handeln führt zur Wiedergeburt als Tier oder Insekt. Dem Kreislauf der Wiedergeburten kann man nur entkommen, indem man in jedem Leben tugendhafter wird. Man erreicht so den Zustand des Moksha.
Von Geburt an gehört jeder Hindu einer bestimmter gesellschaftlichen Klasse, der sogenannten Kaste, an. Diese Kaste legt seine Stellung in der Gesellschaft von Anfang an fest und damit auch sein Verhältnis zu anderen Menschen.
Heute gibt es weltweit über 740 Millionen Hindus, die hauptsächlich in Indien und Ostafrika leben.
 

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Welche Geschichtsauffassung vertritt die hinduistische Religion?
 
Allgemein läßt sich aussagen, daß für den Hinduismus  Begriffe wie Karmalehre, Seelenwanderung, Pantheismus, Unendlichkeit der Welt und ewiger Kreislauf der Zeitalter charakteristisch sind. Zieht man die im hinduistischen Glauben so zentrale Wiedergeburt hinzu, so ist die hinduistische Geschichtsauffassung zyklisch.
Dies geht schon aus den Mythen hervor, so spricht der Gott Shiva:

„König der Götter, ich habe die furchtbare Zerstörung des Alls miterlebt. Am Ende jedes Kreislaufes habe ich wieder und wieder alles vergehen sehen. In dieser schrecklichen Stunde löst sich jedes Atom in die reinen, jungfräulichen Wasser der Ewigkeit auf, woher ursprünglich alles entstieg. Alles sinkt dann zurück in die unergründliche wilde Unendlichkeit des Ozeans, der leer von jedem Zeichen belebten Seins ist und unter äußerster Dunkelheit begraben liegt. Wer will die Welten zählen, die vorübergegangen sind oder die Schöpfungen, die sich wieder und wieder aus dem formlosen Abgrund der weiten Wasser erhoben haben? Wer will die stets wieder vergehenden Zeitalter der Welt zählen, wie sie endlos aufeinander folgen? (...)
Und die Allwelten, die in jedem Augenblick entstehen, jede mit ihrem Brahma und ihrem Indra, wer will ihre Zahl messen? Jenseits der fernsten Schau, jenseits der äußersten Räume kommen und gehen die Welten, eine unzählbare Schar. (...)
Willst du es unternehmen, sie zu zählen? Kannst du die Götter in all diesen Welten nennen, in den heutigen und denen, die längst vergangen sind? (...)
Jede Ameise ist in Wirklichkeit in einem viel früheren Dasein ein Indra gewesen. Durch den unendlichen Wechsel der Wiedergeburten sinken sowohl wir Götter als auch Menschen in niedrigere Existenzformen zurück, oder sie erheben sich zu immer höheren Lebensformen, je nach dem unerbittlichen Gesetz der guten und schlechten Taten. (...)“

Dieser (hier gekürzt wiedergegebene) Mythos veranschaulicht die wesentlichen Züge der hinduistischen Lebensanschauung. Der oben benannte Raum ist unendlich. Innerhalb dieser ewigen und unendlichen Räume, die die Gottheit selber sind, spielt sich das Leben von Göttern und Menschen ab, das denselben Gesetzen unterworfen ist: denen der Taten und der Wiedergeburt.
Eine besondere Rolle spielt hierbei auch die Naturphilosophie, der Pantheismus. Im obigen Zitat spielt besonders das Wasser eine große Rolle. Dies erklärt sich durch die Wasserkreislauflehre des Hinduismus. Sie geht aus von der Beobachtung, daß ohne Wasser kein Leben möglich ist. Der Kreislauf des Wassers geht über folgende Stationen: Aus den Wolken gelangt der Regen hinab auf die Erde, wo das Wasser von den Pflanzen aufgenommen wird. Der Mensch nimmt dieses Wasser mit der Nahrung auf, wenn er die Pflanzen verzehrt. Bei der Zeugung gibt der Mann die lebensspendende Feuchtigkeit als Sperma weiter. Und bei der Leichenverbrennung gelangt das Wasser mit dem Rauch des Leichenfeuers wieder zurück zu den Wolken. Letztlich stammt das Wasser aus dem Mond; von daher erklären sich die Mondphasen. Dies steht in Verbindung mit dem archaischen Glauben, daß der Mond mit der Fruchtbarkeit zusammenhinge.

 
Demnach ist die hinduistische Geschichtsauffassung zyklisch. Dies betrifft sowohl die Wiedergeburtenlehre als auch den Glauben an das ewige Entstehen und Vergehen neuer Welten.
 

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Ist diese Geschichtsauffassung tragfähig?
 
Meiner Meinung nach ist diese Geschichtsauffassung tragfähig, den sie enthält teilweise progressiven Charakter. Die Fortentwicklung der Wesen spiegelt sich in ihrem Aufstieg innerhalb der Kreaturen wieder und schließlich im Menschen selber, der, um das ewige Sein zu erreichen, sich ständig weiterentwickeln, „verbessern“, muß. Durch die ewigen Wiedergeburten durchläuft er gleichzeitig immer wieder den selben Zyklus, ebenso wie das ganze Weltensystem. Wir können nicht beweisen, daß vor unserer Welt andere bereits existiert haben bzw. nach uns existieren werden.
Die hinduistische Auffassung, daß der Kreislauf des Lebens eng mit dem Wasser verbunden sei, ist heutzutage wissenschaftlich nachgewiesen, denn das Leben entspringt, wie es der Gott Shiva andeutet, tatsächlich dem Ozean.
Zusammenfassend ist die hinduistische Geschichtsauffassung tragfähig, wenn auch hinsichtlich der Wiedergeburtenlehre vereinzelte Details angegriffen werden könnten. Die zyklische Auffassung der Weltenlehre würde ich mangels fehlender Gegenbeweise voll akzeptieren.
 
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Welche Quellen wurden verwendet?
 
- Bertelsmann Jugendlexikon, 1994;

- Brockhaus Enzyklopädie, 1995;

- Das moderne Lexikon, Bertelsmann Verlag 1978;

- Die Hauptreligionen des heutigen Asiens, C.-M. Edsman, UTB Paul Siebeck Verlag 1971;

- Hinduismus, Herbert Ellinger, hpt-Verlag 1989;

- Die fünf großen Weltreligionen, Herder 1975;

- Shivas Tanz/Der Hinduismus, Konrad Meisig, Herder 1996;

- Ancient Indian Social History, 1981;

- Assamese Historical Literature, London 1976
 

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