Hegels Geschichtsphilosophie
 

Kapitel:

Kurzbiographie

Geschichte als Zu-Sich-Selbst-Kommen des Weltgeistes

Der Gang der Weltgeschichte

Einteilung der weltgeschichtlichen Philosophie
 
 

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Kurzbiographie
Georg Wilhelm Friedrich Hegel
 

- wurde am 27.8.1770 in Stuttgart geboren

- Theologiestudium

- begeisterter Anhänger der französischen Revolution

- 1793 beendigt er sein Theologie- und Philosophiestudium

- nimmt Stellung als Hauslehrer an

- 1800 Privatdozent an Universität Jena

- Hauptwerk " Phänomenologie des Geistes"

- 1806 flieht er vor Napoleon nach Bamberg, wo er Zeitung gründet

- Direktor eines Nürnberger Gymnasiums

- 1811 heiratet er Marie von Tucher

- 1816 an Universität Heidelberg

- 1818 Rektor an Universität Berlin

- Vorlesungen über Rechts- und Geschichtsphilosophie brachten ihm Ruf als

Preußischer Staatsphilosoph

- starb auf der Höhe seines Ruhms am 14.11. 1831

 

 

In den Vorlesungen, die Hegel regelmäßig in den Jahren 1822 bis 1830 in Berlin über die Philosophie der Weltgeschichte hielt, leitete er seine Geschichtstheorie wie folgt ein:

"[...] die Philosophie der Geschichte [ist] nichts anderes als eine denkende Betrachtung der Geschichte."  Weil die Vernunft die Welt beherrscht, so Hegel, läßt sich auch der Verlauf der Weltgeschichte als vernünftig bezeichnen. Um die Geschichte angemessen zu verstehen, sie nicht als Trümmerhaufen sinnloser Handlungen anzusehen, ist es wichtig, dies zu beachten.

Die Philosophie ist berechtigt, dies (die Vernunftgemäßheit) zu behaupten, weil sie selber die Vernunft in Aktion darstellt. Insofern entdeckt die Vernunft - in Form der Philosophie - in der Geschichte sich selbst bei der Arbeit. Dies besagt indes zugleich, daß die Philosophie als Fach die Betätigung ihres Inhaltes ist: Die Philosophie repräsentiert die Vernunft, ist sich selbst das Material, das sie verarbeitet. So bringt sie im geistigen Universum der Dinge, der Weltgeschichte, die Voraussetzung und den Endzweck selbst hervor.

Die Philosophie beweist mithin, daß es letztendlich das Denken ist, was sich in der Welt und ihrer Geschichte offenbart. Somit läßt sich dieses beim Betrachten der Weltgeschichte voraussetzen!

 

 

Georg Wilhelm Friedrich Hegel:
Geschichte als Zu-Sich-Selbst-Kommen des Weltgeistes

 

Die Frage, was die Realisierung der Vernunft in der Welt bedeutet, ist für Hegel identisch mit der Frage nach dem Endzweck der Welt und nach dessen Realisierungsmöglichkeiten.

Hegel unterteilt seine Darstellung in drei Abschnitte:

  1. das Wesen der Vernunft / des Geistes
  2. die Mittel des Geistes zur Realisierung seiner Idee
  3. der Staat als Gestaltwerdung der realisierten Idee
 

a. Während die Materie die Eigenschaft der Schwere hat, ist Freiheit das Wesen des Geistes. Die Materie hat ihren Mittelpunkt und ihre Substanz außer sich, der Geist ist das Bei-sich-selbst-Sein, d.h. Freiheit, wobei diese Freiheit auch als Selbstbewußtsein, als Bewußtsein von sich selbst verstanden werden kann. Von der Weltgeschichte sagt Hegel nun, daß sie die Darstellung des Geistes ist, wie er sich das Wissen dessen, was er an sich ist, erarbeitet, sie ist "Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit". Durch diesen Endzweck der Geschichte, der in der Bewußtwerdung der Freiheit besteht, sind auch alle Opfer begründet und gerechtfertigt, die im Lauf der Zeit gebracht worden sind. Da Gott das Vollkommenste ist, ist dieser Endzweck gleichzeitig identisch mit dem, was Gott mit der Welt will.

 

b. Bei der Frage nach den Mitteln, die der Geist zur Realisierung seiner Idee einsetzt, verweist Hegel auf die geschichtlich handelnden Menschen, deren Bedürfnisse, Leidenschaften und Interessen als Triebfedern des historischen Verlaufs erscheinen. Interesse für eine Sache und Identifikation mit einem Konzept sind zentrale Motive für das Handeln der Menschen, und da wahres Interesse kaum ohne Leidenschaft denkbar ist, kann Hegel sagen, daß "nichts Großes in der Welt ohne Leidenschaft vollbracht worden ist". Die Fülle des Wollens und des Handelns der Menschen ist das Werkzeug und das Mittel des Geistes, der in der Weltgeschichte seinen Zweck realisiert. Hegel hebt nun die Bedeutung besonderer Menschen hervor, der "welthistorischen Persönlichkeiten", in deren Vorstellung sich die jeweils nächste Stufe der Welt schon abzeichnet, weshalb sie zu Führern breiter Schichten werden, die ihrerseits ein Gefühl für den welthistorischen Auftrag dieser "Geschäftsführer des Weltgeistes" entwickeln. Als Beispiele nennt Hegel Alexander, Cäsar und Napoleon. Das Schicksal dieser Personen ist selten glücklich, sie verfolgen rücksichtslos ihre Ziele, haben sie jedoch ihren Zweck erfüllt, geht die Geschichte über sie hinweg. Hegel nennt das die "List der Vernunft", der die Individuen mit ihren Leidenschaften und begrenzten Zielen geopfert werden.

 

c. Der subjektive Wille des einzelnen, geschichtlich handelnden Individuums findet nun im Staat etwas Allgemeines, Objektives, Wesentliches, "ein substantielles Leben". Der Staat mit seinen Gesetzen und Institutionen ist das "sittliche Ganze", in dem das Individuum seine Freiheit genießt. Dies sieht Hegel allerdings nicht so, als würde dem Individuum im Staat ein eigener kleiner Raum für die Realisierung seiner Freiheit gewährt, vielmehr stellen für Hegel Recht und Staat die Realisierung der Freiheit dar. Insofern zum Staat auch das Land und die geschichtliche Vergangenheit gehören, stellt der Staat eine "geistige Gesamtheit" dar, an der die Individuen teilhaben.

Ein solcher "Volksgeist" ist selbst wieder nur eine isolierte Erscheinung, eine einzelne Stufe im weltgeschichtlichen Gang, in dem der Geist "seine Wahrheit, das Selbstbewußtsein über sich erlangt". Die welthistorischen Volksgeister als die einzelnen Stufen hervorzubringen ist der Drang des Weltgeistes, der erst am Ende dieses Prozesses zum vollen Bewußtsein seiner selbst kommt.

 

 

Hegel: Der Gang der Weltgeschichte

 

Die Weltgeschichte, so Hegel ist ein ungeheures Gemälde von Veränderungen und Taten, es entstehen unendlich viele Völker, Staaten und Individuen in ewiger Reihenfolge.

Das Auffallendste, was sich bei Betrachtung der Weltgeschichte ergibt, ist die VERÄNDERUNG überhaupt, doch dabei meint man meist eine Veränderung im negativen Sinne, wie z.B. der Untergang herrlicher Kulturen (Ägypten zur Zeit der Pharaonen, Griechenland mit seinen Philosophen ).

Hegel legt jedoch Wert darauf festzustellen, daß aus jedem Untergang etwas Neues hervorgeht, aus Leben wird Tod, aber aus Tod wird Leben. Genauso verhält es sich mit dem Weltgeist :

Denn dieser geht verjüngt aus dem Untergang einer Kultur hervor, er wird reiner, verarbeitet sich selbst und verändert sich so, wechselt nicht nur einfach seine Hülle.

Welche Kraft dieser Weltgeist hat, erkennt man in der Vielfalt seiner Produkte und Bildungen, sprich in der Vielzahl verschiedener Kulturen.

 

Ein Volk ist dann am weitesten entwickelt, so Hegel, wenn es den Gedanken seines Lebens und Zustandes, die Hintergründe seiner Sittlichkeit, des Rechts und der Gesetze fasst, denn diese Einheit ist derart, das der Weltgeist in ihr mit sich sein kann.

Geht ein Volk nun unter, so behält der Weltgeist das, was wesentlich ist, das Allgemeine. Eine Kultur geht dann unter, wenn sich neue Prinzipien in ihr entwickeln, nach diesen entsteht dann ein neues Volk. Man kann also sagen, daß in der Geschichte die Prinzipien als Volksgeister vorhanden sind. Die höhere Bestimmung der Volksgeister sei ihre Negation, so Hegel, er meint die Vernichtung der vorhergehenden Kultur unter Beibehaltung der positiven Seiten.

Der Geist der jetzigen Welt ist also das Ergebnis von 6000 Jahren Entwicklung (in Wahrheit noch viel mehr ),das wiederum bedeutet, die Weltgeschichte ist die Arbeit des Weltgeistes, in der man sehen kann, je nach Überleben und Untergang der Völker, wie er sich seine Erkenntnisse erarbeitet hat, und vor allem, was er ist.

 

 

Hegels Einteilung der weltgeschichtlichen Philosophie
 
Die Einteilung erfolgt nach dem Gang des Geistes durch Raum und Zeit. Hierbei wird die Entwicklung des Geistes mit den verschiedenen Menschenaltern in Verbindung gebracht. Die Weltgeschichte entwickelt sich von Osten nach Westen, wobei sie im Osten beginnt und im Westen endet. Im Osten geht die äußerliche physische Sonne auf und im Westen geht sie unter. Umgekehrt steigt jedoch im Westen die innere Sonne des Selbstbewußtseins auf, die einen höheren Glanz verbreitet. Von der Unbändigkeit des natürlichen Willens zum Allgemeinen und zur subjektiven Freiheit hin ist die Veränderung der Weltgeschichte nämlich festzustellen. Diese Entwicklung ist in mehrere Momente eingeteilt. Als grobe Übersicht könnte man demnach also sagen: der Orient erkennt, daß einer frei ist, die Welt der Griechen und Römer, daß einige frei sind und die Welt der Germanen schließlich, daß alle frei sind. So teilen sich die Formen ein in Despotismus, Demokratie + Aristokratie und Monarchie. (Für Hegel ist die konstitutionelle Monarchie die vernünftigste Staatsform.)
Im Orient beginnend verhält sich demnach der subjektive Wille zunächst als Glaube, Zutrauen und Gehorsam. Die zufälligen Momente der Mitbestimmung drehen sich aber im Endeffekt doch nur um den einen Herrscher. Hier zählt das eine Subjekt als Substanz ,der alles angehört, so daß kein anderes Subjekt sich in seine subjektive Freiheit reflektiert.
Der zweite Moment beschreibt die Bildung von Individualitäten. Das freie Wollen des Individuums und somit die Vereinigung des sittlichen und subjektiven Willens prägt sich nun ein. Der individuelle Wille des Subjekts steht in der unmittelbaren Sitte und Gewohnheit. Dies nennt sich jedoch keinesfalls schon Moralität.
Das Reich der Römer ist das Moment der abstrakten Allgemeinheit. Nun ist das Ziel, dem allgemeinen Zweck zu dienen, worin das Individuum untergeht. Der Staat beginnt sich abstrakt herauszuheben, an dem die Individuen nur ein geringen Anteil haben. Einerseits bedeutet dies dann die Unterdrückung der Individuen, andererseits aber auch die Erschaffung der Persönlichkeit indem sie rechtliche Personen werden. Diese Veränderung bedeutet den Verlust der eigentümlichen Lebendigkeit.
Somit setzt das vierte Moment der Weltgeschichte, nämlich das germanische Reich ein. Dieses entspräche nun in der Vergleichung mit den Menschenaltern dem Greisenalter, und zwar in Bezug auf den Geist, der dann die vollkommene Reife erhält. So muß hier die geistesverlassene, weltliche Macht zunächst gegen die geistliche verschwinden. Der Geist ist in sich zurückgedrängt , ist aber fähig geworden aus dem Prinzip der Weltlichkeit allein das Vernünftige zu realisieren und zwar in denkender Gestalt. Daher steht der Staat der Kirche gleich und das Geistige ist dem Staate nicht mehr fremd.
 
Dieses ist das Ziel der Weltgeschichte.
 
 
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anmerkung des philosophielehrers: Bei br-online kann man sich eine schulfunksendung mit manuskript herunterladen mit dem thema: "Philosophische Profile -  Das Wahre ist das Ganze - Georg Wilhelm Friedrich Hegel"
 
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