Weil wir grundsätzlich Schwierigkeiten haben, Texte von Kant zu verstehen und der zu Grunde liegende Text offenbar grundlegend für die Erkenntnistheorie ist, haben wir uns durchgerungen, die folgende Satz-für-Satz-Übersetzung anzufertigen.
Für
konstruktive Kritik sind wir immer dankbar.
Grundkurs
Philosophie 13.1 2001/2002 bei R. Schmidt
Alexander
Alexandra
Andre
Benjamin
Dimitrios
Julia
Manuel
Robert
1.
Der Metaphysik ist es bisher noch nicht gelungen den sicheren Gang einer
Wissenschaft einzuschlagen, weil sie eine isolierte, spekulative
Vernunfterkenntnis ist, die sich über Erfahrungsbelehrung erhebt. Dies
geschieht nur durch bloße Begriffe ohne Anwendung auf Anschauungen. Aufgabe der
Metaphysik ist es synthetische Sätze a priori zu finden.
2.
Das ist so, obwohl sie älter ist als alle Wissenschaften und noch überlebte,
wenn alle anderen niedergingen.
3.
In der Meta-Physik kommt die Vernunft andauernd ins Stocken, auch bei den Sätzen,
von denen die meiste Erfahrung sagt, dass sie wahr sind.
4.
In der Metaphysik muá man bisher immer wieder neu anfangen, weil bisher ein
bestimmtes Ziel noch nicht erreicht wurde. Als ein Resultat konnte in der
Metaphysik noch keine allgemeine Übereinstimmung dauerhaft gefunden werden.
5.
Die Metaphysik hat bisher keine sicheren Erkenntnisse geliefert, die auch keinen
Bezug zur Realität hatten.
6.
Woran liegt es aber, dass hier noch kein sicherer Weg der Wissenschaft gefunden
werden konnte?
7.
Ist er etwa unmöglich?
8.
Warum sucht dann unsere Vernunft so sehr nach dem sicheren Weg der Wissenschaft?
9.
Können wir unserer Vernunft überhaupt vertrauen, wenn sie uns letzten Endes in
dem wichtigsten Stück unseres Dranges nach Wissen betrügt?
10.
Oder haben wir diesen Weg bisher nur verfehlt und durch welche Hinweise können
wir Hoffen, diesen Weg zu finden?
11.
Man sollte vielleicht versuchen die Veränderung der Mathematik und
Naturwissenschaften in ihrer Denkart auch auf die Metaphysik anzuwenden.
12.
Bisher hat sich unsere Erkenntnis danach gerichtet, was die Welt uns geboten
hat. Unter diesen Vorraussetzungen sind alle Bemühungen, synthetische Sätze a
priori zu bilden (d. h. Sätze, die ohne jegliche Erfahrung das Wissen über die
Welt vergrößern) gescheitert.
13.
Deshalb sollen wir mal versuchen anzunehmen, dass sich die Welt nach unserer
Erkenntnis richtet. Dies passt besser zu der Forderung etwas über die Gegenstände
zu wissen, bevor wir sie wahrgenommen haben.
14.
Genau auf diese Weise hat es Kopernikus versucht. Nachdem er scheiterte, die
Sternenbewegung zu erklären, unter der Vorraussetzung, dass sich die Sterne um
den Beobachter drehen, nahm er an, dass sich der Beobachter um das Weltall
dreht.
15.
Analog dazu sollte man es in der Metaphysik machen.
16.
Wenn sich unsere Erkenntnis danach richtet, was die Welt ihr geboten hat, kann
man nicht verstehen wie man vor jeder Erfahrung etwas von den Gegenständen
wissen kann. Wenn sich aber der Gegenstand nach der Möglichkeit unserer
Erkenntnis richtet, kann ich mir das sehr gut vorstellen.
17.
Ich habe die Aufgabe, die Sicht der Welt auf einen Gegenstand zu beziehen. Die
Sicht der Welt muss ich als Vorstellungen benutzten. Woher nehme ich diese
Vorstellungen?
Die
Vorstellung kann sich entweder nach dem Gegenstand richten,
18.
oder ich nehme an, dass sich die Gegenstände nach den Begriffen richten, wenn
ich dies annehme, verschwinden alle Probleme, weil man um etwas erfahren zu können
selbst schon Verstand besitzen muss.
19.
Es gibt Gegenstände, die notwendigerweise von unserem Verstand gedacht werden müssen,
die wir aber nicht erfahren können. Dadurch bietet sich die Möglichkeit zu
testen, ob die neue Denkweise richtig ist. Und diese neue Denkweise ist, dass
wir von den Dingen nur das vor jeder Erfahrung erkennen, was wir selbst in sie
legen.
20.
Dieser Test gelingt und verspricht der Metaphysik den sicheren Weg der
Wissenschaft, da sie sich mit Begriffen beschäftigt, die vor jeder Erfahrung
gegeben sind.
21.
Durch die Veränderung der Denkart wird eine Erkenntnis a priori möglich. Was
aber noch wichtiger ist, ist die Tatsache; dass die Naturgesetze jetzt mit
hinreichenden Beweisen versehen sind. Dies beides war nach der alten Denkart
nicht möglich.
22.
Es ergibt sich aus unserem Vermögen, a priori zu erkennen, ein anscheinend sehr
nachteiliges Resultat: dass wir nämlich mit ihm nie über die Grenze möglicher
Erfahrung hinauskommen können, was aber gerade den zweiten Teil der Metaphysik
beschäftigt.
23.
Der Test zeigt, dass wir über Dinge zwar a priori etwas wissen können, aber
nur das, was wir selbst in sie legen und nicht, was das Ding an sich ist.
24.
Wegen des Dinges an sich forschen wir weiter, denn dieses Ding an sich setzt die
Vernunft als Bedingung voraus.
25.
Wenn man annimmt, dass sich unsere Erfahrung nach den Dingen an sich richtet, so
kann das Unbedingte nicht ohne Widerspruch gedacht werden. Wenn wir aber
annehmen, dass sich die Gegenstände als Erscheinungen nach unserer
Vorstellungskraft richten, fällt der Widerspruch weg. Folglich findet sich das
Unbedingte an den Dingen an sich, die selbst aber nicht von uns erkannt werden.
Hiermit zeigt sich, dass der anfängliche Versuch erfolgreich ist.