Die Wahrheit

Allgemeingültig zu sagen, was Wahrheit ist, oder auch, was wahr ist, ist eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Da ich sie aber dennoch freudig und mit viel Mut bearbeiten möchte, kann den folgenden Ausführungen durchaus ein gewisser Reiz zugesprochen werden.

Zunächst einmal möchte ich differenzieren zwischen Wahrheit, dem universellen, abstrakten Wortgebilde und der Wirklichkeit, die jenes mehr oder weniger Individuelle beschreibt, welches jeder Mensch für sich im Stande ist zu erkennen. Da ich aber davon ausgehe, dass jeder Mensch immer und überall sein Bestmögliches tut, seine Persönlichkeit einer Situation angemessen anzupassen und sein „wahres Ich“ zu verstecken, selbst vor sich selber, erscheint es mir unmöglich jemals in diesem Bereich eine Wahrheit zu finden. Jede Moral ist somit lediglich eine egoistische Neuanpassung an äußere oder innere Umstände.

Selbst wenn der Mensch jedoch in irgendeinem anderen Bereich auf eine Lücke zwischen Lügen stoßen sollte, stellt sich dann die Frage, wie er die Unwahrheit entdecken sollte. Da er selber falsch ist und seine Umwelt sich auch nicht im wahren Lichte zeigt, wie sollte er denn dann etwas Wahres entdecken?! Die Wahrheit wird ja sicherlich keinen Zettel an der Stirn tragen, auf welchem so etwas steht wie: „Schaut her! Ihr habt mich entdeckt! Ich bin´s, die große Wahrheit!“  Denn welche Methoden bleiben einem wahrheitssuchenden Menschen schon? Die Sinne. Und die sind ja sogar von den Menschen selbst zu täuschen.

                 Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne  

              (http://www.gutenberg.aol.de/nietzsch/essays/wahrheit.htm)

Hergestellt am 5.2.01 Von   Philo Inc. i.a.J.B.

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