Wille
,in der Philosophie und der Psychologie die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten zu wählen und nach dieser Entscheidung zu handeln, insbesondere wenn sich die Handlung auf ein bestimmtes Ziel richtet oder von bestimmten Idealen und Verhaltensgrundsätzen geleitet ist. Willkürliches Verhalten steht zum willentlichen Handeln ebenso im Gegensatz wie solches, das sich aus Instinkten, Impulsen, Reflexen oder Gewohnheiten ergibt, da es in keinem dieser Fälle zu einer bewußten Entscheidung zwischen Alternativen kommt. In der Psychologie wird heute anstelle des Willens zumeist der Begriff der Motivation gebraucht.
In der klassischen griechischen Philosophie (Platon, Aristoteles) war der Wille gleichbedeutend mit dem von der Vernunft geleiteten Streben. In der christlichen Philosophie (Augustinus) wird dann der Wille als eigenständiges, von der Vernunft unabhängiges Vermögen des Handelns angesehen. Er kann mithin auch auf irrationale Ziele gerichtet sein. Neuzeitliche Versuche einer Synthese dieser beiden Auffassungen sind beispielsweise von Immanuel Kant in seinen Untersuchungen zur Ethik unternommen worden. Der Wille zur Macht steht im Zentrum der Philosophie Friedrich Nietzsches. In seinem Spätwerk beschreibt er diesen Willen als lebenskonstitutiv. Eine besondere Rolle spielte der Wille auch in der Philosophie Arthur Schopenhauers. Für ihn war die primäre Wirklichkeit ein universeller Wille, von dem der Wille der Einzelperson ein Teil sei. Nach dieser Ansicht beherrscht der Wille jeden anderen Aspekt der Persönlichkeit eines Menschen, das Wissen, die Gefühle und die Lebensführung. Einfluß hatte sowohl die Philosophie Nietzsches als auch die Lehre Schopenhauers auf den Existentialismus, z. B. des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre, der die Persönlichkeit als das Produkt von Handlungen und diese wiederum als den Ausdruck des Willens ansah, dem Universum Bedeutung zu verleihen.