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Rilke und seine Krankheit In den Jahren, seit 1923, musste sich Rilke mit seiner Körperlichkeit beschäftigen, und es macht einen staunen, wie sich dieser Mann selbst einschätzt: "Auf der anderen Seite wäre es ein Neues und irgendwie Schmerzliches für mich, sollte ich genötigt sein, mich mit nie gebrauchter geistiger Überlegenheit über einen nachlassenden Körper gewissermassen hinwegzusetzen. Ich habe da nie einen Gegensatz entwickelt, im Gegenteil, ich war überzeugt, dass alle Elemente meiner Natur zu einer reinen Eintracht zusammenwirkten, an deren Höhepunkten dann die Leistung sich ergab, hervorgehend aus diesem Überschuss gemeinsamer (physischer und geistiger) Froheit. Mein Leib, als der in alles Eingeweihte, hat auch immer die Prokura gehabt, er durfte, ebenso wie seine Mitverantwortlichen, zeichnen für die ganze 'Firma'. Ein Umsturz dieser Geschäftsordnung wäre ein Desaster für mich; denn soviel grosse, ja gewaltige Gegenbeispiele man mir entgegenhalten könnte, unendliche Ergebnisse aufweisend, die aus der Überwindung des Körperlichen, seiner Ignorierung, ja sogar noch aus der Ausnutzung seiner Uebelstände, hervorgehen konnten, es wäre nicht mein Weg, dergleichen zu erreichen, und ich weiss nicht, welche Lösung ich mir in solcher Situation, so wie ich einmal bin, erarbeiten müsste." Hans Carossa, Schriftsteller und Arzt, schreibt dazu: "Rilke litt, wie alle, die nahe der Chaosgrenze wohnen, an einem Gefühl dauernden Bedrohtseins, war überaus reizbar und seiner Gesundheit nicht sicher." Einen ganz anderen Ton erhalten seine Klagen in seinem Briefwechsel mit der achtzehnjährigen Erika Mitterer: "...ja, ich bin krank, Du fragst genau zur Stunde, da ich unendlich wusste, dass ichs bin; allmählich sank ich ein in eine Wunde, die offen bleibt, weil ich nicht weiss wohin und in ihr steh. Ich steh im eignen Blut, im Folterbad des eignen Blutes, drin, auf einmal wach und feindlich ausgeruht, so vieles wirrt und wühlt was ich nicht bin... Nicht bin: doch mit-bin, mit-war -, oft vielleicht bereichert durch den Kampf der Gegensätze, nun aber drängt das Fremde an die Plätze, die ich mit seinem Beistand blind erreicht. Hier springt einen das Hellseherische an, wie Rilke, zu einer Zeit, da er darum noch nicht wusste, die Ursache seines Leidens ins Blut versetzt, wie auch an anderer Stelle: "Jusque dans la moelle de mes os." |