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Westfälische
Landes-Eisenbahn GmbH: |
Seit
einigen Jahren bereits wird beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland
(ZVM) und den politischen Gremien in der Stadt Münster und im Kreis Warendorf
über eine Reaktivierung des Streckenabschnittes Münster – Sendenhorst –
Neubeckum im SPNV diskutiert. Nach
Einstellung des Personenverkehrs auf diesem Teilstück zum 27.09.1975, wird der
Personenverkehr heute durch eine Schnellbus- und eine Regionalbuslinie zwischen
Neubeckum und Münster und innerhalb Münsters zusätzlich durch eine
CityBus-Linie bedient. Die
Verbandsversammlung des Zweckverbandes SPNV Münsterland hat in der Sitzung am
14. September 1998 die Schienenverbund Münsterland GmbH als fachlichen
Dienstleister des Zweckverbandes mit einer vertiefenden Untersuchung zur
Reaktivierung des SPNV auf der WLE-Strecke beauftragt. Diese Untersuchung wurde
gemeinsam mit der WLE als Eigentümerin der Infrastruktur durchgeführt. Zur
Vorbereitung der Entscheidung über eine mögliche Reaktivierung der WLE-Strecke
sollten die konzeptionellen Überlegungen für den Betrieb und die technische
Ausstattung der Strecke weiter entwickelt werden. Das Gutachten enthält Angaben
zu den Planungs-, Investitions- und Betriebskosten, zu möglichen
Betriebskonzepten sowie zum Ausbau der Infrastruktur. Das
Ergebnis des Gutachtens konnte der Zweckverband auf seiner Sitzung vom 13. März
2000 zur Kenntnis nehmen. Demnach soll die Infrastruktur zwischen Münster
(Westf) Hbf und Münster-Wolbeck sowie zwischen Albersloh und Neubeckum
eingleisig, zwischen Münster-Wolbeck und Albersloh zweigleisig ausgebaut
werden. Haltepunkte sind vorgesehen in Münster Hbf, Münster-Halle Münsterland
(neuer Haltepunkt am Kongresszentrum/Cineplex-Großkino), Münster-Loddenheide
(neuer Haltepunkt am Gewerbepark Loddenheide), Gremmendorf, Angelmodde, Wolbeck,
Albersloh, Sendenhorst, Tönnishäuschen, Enniger und Neubeckum. Die
Höchstgeschwindigkeit soll im Abschnitt Münster – Wolbeck auf 80 km/h, im übrigen
Abschnitt auf 100 km/h ausgelegt sein. Das Gutachten favorisiert ein
Betriebskonzept, welches einen 20-Minuten-Takt zwischen Münster Hbf und
Wolbeck, zwei bis drei stündliche Verbindungen
bis Sendenhorst und einen Stundentakt bis Neubeckum mit Zugkreuzungen in Münster-Loddenheide,
Wolbeck sowie auf dem zweigleisigen Abschnitt Wolbeck – Albersloh
(„fliegende Kreuzung“) vorsieht. Die
Investitionskosten für die Reaktivierung der Strecke liegen bei 43,14 Mio. €,
zuzüglich 6,54 Mio. € Planungskosten. Nach Abzug des Förderanteils des
Landes NRW verblieben für die WLE ein Eigenanteil von insgesamt 8,9 Mio. €
(hauptsächlich für die Instandsetzung der Strecke) und für die Kommunen ein
Eigenanteil von 0,61 Mio. € für die Bahnübergänge und Haltepunkte. Die jährlichen
Betriebskosten beliefen sich dem Gutachten zufolge auf 1,94 bis 2,61 Mio. €. Der
gesamte Streckenabschnitt war nach der Einstufung in den vordringlichen Bedarf
des ÖPNV-Bedarfsplans (1998) und Aufnahme in den ÖPNV-Ausbauplan NRW (2001)
vom Zweckverband SPNV Münsterland in die Weiterentwicklung des Integralen
Taktfahrplans NRW (ITF 3) nach 2006 auf Landesebene eingebracht worden. In der
integrierten Gesamtverkehrsplanung NRW wurde die Reaktivierung der WLE-Strecke
nach eiem Erlass des Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung NRW (MVEL)
nur noch als disponibles Projekt berücksichtigt. Das
neue ÖPNV-Gesetz NRW ermöglicht für die Reaktivierung von Schienenstrecken für
den SPNV eine Förderung der Investitionskosten für die Infrastruktur nach §
12 und eine Förderung der Betriebskosten nach § 11 über den jährlich
aufzustellenden SPNV-Finanzierungsplan NRW. Wenn bei der Reaktivierung der
WLE-Strecke die Investitionskosten und die Betriebskosten gefördert werden, ist
keine gesonderte Beteiligung der Region erforderlich. Weder für die
Investitionskosten noch für die Betriebskosten besteht derzeit Klarheit über
den Zeitpunkt und die Höhe der Förderung durch das Land NRW. Bis
zum Jahr 2006 war eine Förderung der Reaktivierung der WLE-Strecke aufgrund der
geringen Mittelzuweisung des Landes für den Regierungsbezirk Münster (nur 6,3
Mio. € bis 2006) nicht realisierbar. Um die Voraussetzung zu schaffen, dass
nach 2006 für die großen Projekte im Münsterland Fördermittel vom Land zur
Verfügung gestellt werden, wurden seitens des ZVM entsprechende Anträge
rechtzeitig bei der Bezirksregierung Münster gestellt. Der
seit Mitte Dezember 2005 vorliegende Entwurf des
Verkehrsinfrastrukturbedarfsplans für NRW bis zum Jahr 2015 beinhaltet
allerdings bisher hauptsächlich Projekte im Bereich
Rhein/Ruhr, Köln/Bonn und Aachen. Die Verbandsversammlung des ZVM fordert daher
nachdrücklich, u.a. das Reaktivierungsprojekt Münster - Neubeckum in den
Bedarfsplan aufzunehmen. Zudem:
Innerhalb der Gebietskörperschaften gibt es weiterhin unterschiedliche
Auffassungen zur Reaktivierung. Nachdem sich nach Diskussion des Projektes in
den politischen Gremien der Rat der Stadt Münster bereits am 13. September 2000
mit der überwältigenden Mehrheit aus CDU, SPD, GAL, UWG und PDS gegen die
Stimmen der FDP für eine Reaktivierung der Strecke ausgesprochen hat, ist im
Kreistag Warendorf eine endgültige Entscheidung „pro WLE“ nicht erkennbar:
Bei der CDU-Fraktion, die im Kreistag über eine absolute Mehrheit verfügt,
gibt es teilweise massive Vorbehalte hinsichtlich des Betriebskonzeptes. Die
Warendorfer FDP-Kreistagsfraktion lehnt eine WLE-Reaktivierung klar ab. Ihrer
Meinung nach ist der derzeit bestehende Schnellbusverkehr ausreichend; eine
Wiederaufnahme des Personenverkehrs wird als Verschwendung von Steuergeldern
angesehen. Für die Reaktivierung haben sich die Oppositions-Fraktionen von SPD
und Bündnis 90/Die Grünen ausgesprochen. Angesichts der ungewissen Perspektiven besteht für eine Entscheidung der Verbandsversammlung des ZVM und auch der Gremien der betroffenen Gebietskörperschaften zur Reaktivierung der WLE aktuell somit leider kein Handlungsbedarf.
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