Der Verein wurde am 21.Juli 1960 von 13 Mitgliedern gegründet und hatte sofort 30 Mitglieder. Dies waren ausschließlich Studenten, die vorher Mitglieder in der Akademischen Ruderverbindung Westfalen waren. Dort war es zu Differenzen über den Stil des Verbindungslebens gekommen, in deren Verlauf die Alten Herren des Vorstandes den Studenten der Aktivitas rigoros jede Selbständigkeit beschnitten. Die Folge war ein Massenaustritt und die Gründung einer neuen Verbindung, deren Zweck nach dem Gründungsprotokoll die Pflege des Rudersports und eines Verbindungslebens in zeitgemäßer Form war.
Der ARC war also zunächst eine studentische Verbindung, nur Studenten, nur Männer, mit Füxen, Burschen, Aktivenzeit, allerdings nie Farben tragend oder gar schlagend. Der erste Vorsitzende war Horst Uhlig, der erste Sprecher der Aktivitas Herbert Brekau.
Der neue Verein wurde schnell in den damals noch arbeitenden Akademischen Ruder-Bund aufgenommen, ebenso in alle Dachverbände, in denen wir auch heute noch sind: Stadtsportbund, Nordrhein-Westfälischer und Deutscher Ruder-Verband.
Gerudert wurde zuerst mit Booten der damaligen Pädagogischen Akademie in der Scharnhorststraße auf dem Aasee. Das war aber nur von 7 bis 10 Uhr gestattet! Aber schließlich waren wir ja Studenten!
Dann erwarben wir für 60 DM einen alten A-Zweier und tauften ihn auf den Spitznamen des Vorsitzenden "Alte Frau". Die Uni stellte uns den B-Vierer "Westfalen" zur Verfügung.
Beide Boote durften wir auf dem Platz, wo jetzt das Nissan-Autohaus Lich ist, unter der Laderampe des Kohlenhändlers lagern und an der gleichen Stelle wie heute, aber über das steinige Ufer in den Kanal einsetzen. Das Renntraining konnten wir z.T. vom Ruder-Verein Münster aus machen.
Trotz der Schwierigkeiten trainierten ein leichter, ein schwerer und ein Anfänger-Vierer, denn Renntraining mit förmlichen Trainingsversprechen war Pflicht für jeden Aktiven, bei dem dies die Gesundheit zuließ. Schon am 21. Mai 1961 wurde auf der Aasee-Regatta im 2. Jungmann-Vierer der erste Sieg für den ARC errungen und auf den Hochschulmeisterschaften erreichte der ARC-Achter den 5. Platz
Erstes Vereinslokal war die Gaststätte "Lördemann" an der Telgter Straße. Die Atmosphäre in dieser Zeit war so gut, dass trotz der wenig idealen Bedingungen sehr viele junge Semester zum ARC stießen und im Sommer die Mitgliederzahl schon auf 50 stieg.
Irgendwie hatte Hans Rath in Erfahrung gebracht, dass das alte Gebäude an der Rheinstraße 40, damals unten genutzt von der BP-Bunkerstation und oben von vielen Familien belegt, ein altes städtisches Schülerbootshaus war. Wir erreichten, dass die Universität die alte Bootshalle pachtete, diese wieder herrichtete und einen Steg baute. Im Sommer 1963 zog das Institut für Leibesübungen mit seinen Booten ein und gab dem ARC erstmals ordentliche Rudermöglichkeiten. Im Oktober 1962 erwarben wir unser erstes neues Boot, den C-Vierer "Balduin", wegen der beschränkten Geldmittel nur in der Riemenausführung, für 2.800,- DM. Heute würde er 18.000,- DM kosten.
Seit der Sicherung des Ruderbetriebes wuchs der ARC beständig, natürlich wie jede Gruppe mit gewissen Auf und Ab. Ein paar Zahlen:
| Jahr | Mitglieder | Erwachs. | Jugendl. |
|---|---|---|---|
| 1960 | 30 | 30 | |
| 1970 | 185 | 105 | 80 |
| 1980 | 250 | 151 | 99 |
| 1990 | 260 | 175 | 85 |
| 2000 | 298 | 209 | 99 |
Dabei vollzog sich - ich möchte fast sagen natürlich und leicht verständlich auf dem Hintergrund der Sechziger-Diskussionen - ein Wandel von der studentischen Verbindung hin zum studentischen Sportverein, später zum allgemeinen Sportverein, der sich nur noch "ARC zu Münster" nennt. Die wichtigsten Stationen auf dem Wege dorthin möchte ich nennen:
1967 setzt sich der ARC von den Verbindungen ab. Die Mitgliederversammlung streicht Fux, Bursch, Charge, Verbindung aus der Satzung.
1968 wird von Hans Rath die Ruderriege des Ratsgymnasiums wieder gegründet. Sie wird als selbständige Abteilung neben der Altherrenschaft und der Aktivitas dem ARC angeschlossen.
Ab 1969 werden weibliche Mitglieder gleichberechtigt in die Aktivitas aufgenommen. 1975 wird mit Kirsten Elfert eine Frau erstmals Sprecherin der Aktivitas.
Den letzten Schritt haben wir erst auf der Mitgliederversammlung im Februar des Jahres 2000 vollzogen: Die Aktivitas für die jüngeren Erwachsenen und die Seniorenschaft für die älteren wurden zu einer Seniorenabteilung zusammengelegt, so dass der Verein wie jeder Sportverein in eine Erwachsenenabteilung und eine selbständige Jugendabteilung gegliedert ist.
Die stetig wachsende Zahl der Mitglieder, insbesondere der vielen ruderwilligen Schüler machten neue Räumlichkeiten erforderlich: 1972 überließ uns die Stadt die ersten Räume im 2. Obergeschoss des alten Schülerbootshauses an der Rheinstraße.
1973/74 wurde mit Hilfe von Zuschüssen des Landes und der Stadt und sehr viel Eigenarbeit die eigene Bootshalle des ARC gebaut und schnell mit Booten des ARC und des Ratsgymnasiums gefüllt.
1978 wurde - wieder von Hans Rath - die Ruderriege des Kantgymnasiums Hiltrup gegründet. Wieder mußte improvisiert werden: Der Bauer Bornemann stellte einen alten Schuppen auf der Kanalinsel zur Verfügung. Die Boote wurden mit Rollwagen über Hof und Pferdekoppel geschafft und über ein bisschen verschobene Steine in die alte Fahrt gelassen. Angesichts des Ansturms auch auf diese Ruderriege konnte die Stadt überzeugt werden, dass eine Ruderstätte notwendig ist. Im Oktober 1983 konnten eine einfache Bootshalle und ein Steg, aber ohne jegliche Sanitärräume eingeweiht werden. Seitdem hat der ARC zwei Ruderorte.
1990 wurde mit der Stadt der Vertrag geschlossen, der die Nutzung der Räume im alten Schülerbootshaus an der Rheinstraße für mindestens 20 Jahre sicherte. Das 1. Obergeschoss konnte nun zusätzlich zum Clubraum und der Herren-Umkleide mit Wasch- und Duschraum auch entsprechend für die Damen und mit einer Küche eingerichtet werden.
1993 kam in Hiltrup die Ruderriege der Hauptschule (Protektor Bernd Schäfer) hinzu.
Für die Vervollständigung des Bootshauses in Hiltrup um Sanitär- und Clubeinrichtungen sowie der Bootshalle bedurfte es äußerst langwieriger und hartnäckiger Anstrengungen. Sie wurden allerdings belohnt. 1995 konnten zusammen mit dem Tauchsportclub Münster mit erheblichen Finanzmitteln der Stadt und des Landes, aber auch eigenem Geld und eigener Arbeit die Bauten begonnen werden. Im September 1996 zogen wir ins Clubhaus ein, im August 1997 wurde alles offiziell eingeweiht.
Damit hat der ARC sowohl direkt in der Stadt als auch hier draußen in Hiltrup vollständig eingerichtete Ruderstätten. Mit einem Bootspark von über 80 Booten sind dies ideale Voraussetzungen für die Ausübung dieses gesunden und Gemeinschaft fördernden Sports in unserem Verein.
Und sie werden intensiv genutzt. An Vormittagen von Sportstunden der 7- und 8-Klässler, am Nachmittag von Oberstufenkursen und Schüler-Arbeitsgemeinschaften, am Abend von Wettkampfruderern und erwachsenen Breitensportlern. Jedes Mitglied kann täglich von einem der beiden Bootshäuser aus rudern - und nach getaner Tat im gemütlichen Club-raum zusammensitzen.
Was sonst im ARC los ist, spiegelt sich einmal in den Programmen wieder, die zu Beginn des Sommer- und des Winterhalbjahres erscheinen, und zum anderen in den ARC-Mitteilungen, seit 1976 der ARC-Zeitung , neuerdings auch auf der ARC-Homepage im Internet.
Den meisten Raum nehmen darin die Berichte ein, die von den erlebnisreichen Wanderfahrten der Schüler, der jüngeren und der älteren Ruderer erzählen. In Deutschland gibt es wohl kein Gewässer zwischen Eider und Donau, das nicht von ARCern berudert wurde. Seit der Wiedervereinigung sind besonders die Fahrten in Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen beliebt. Aber auch Dänemark, Schweden, Finnland, Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn, Frankreich, England, Irland und Holland wurden in Ruderbooten bereist.
Etwas Besonderes sind dabei die Familienfreizeiten und -Wanderfahrten, die ARCer mit Kind und Kegel seit 1990 regelmäßig machen.
Auch unser Wettkampfrudern hat eine stolze Bilanz. Ich hatte schon berichtet vom Renntraining der Aktivitas in der Gründungszeit. In den folgenden Jahren stellte sich heraus, dass man ohne tägliches Training in keinem Rennen der Männer mehr mithalten kann. Unsere Studenten sahen sich zu solch einem Zeitaufwand nicht mehr in der Lage.
Ab 1969, also ein Jahr nach der Wiedergründung der Ruderriege Rats tummelten sich die Schüler des Rats, später auch des Kants auf den Regatten Nordrhein-Westfalens und brachten von Anfang an Siege mit nach Hause. Aus der Fülle der Starts und Plazierungen können hier nur die herausragenden Erfolge genannt werden, die wir in unseren Unterlagen und Erinnerungen gefunden haben. (Wer meint, es fehle eine entsprechende Medaille oder eine Mannschaft sei nicht richtig angegeben, der teile dies uns bitte mit.)
Zunächst sind solche herausragenden Erfolge eine Reihe von Bundessiegen im Schüler-Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" in Berlin:
1971: Gold im Gig-Vierer (Michael Hackert, Dieter Morgenroth, Theo Hovestadt, Jochen Elbertshagen, St. Christian Pörkert) und Bronze. im Achter (Dieter Busch, Fritz Jacobs, Hans Richter, Dieter Philipp, Hubert Lasthaus, Norbert Ochsenfarth, Herbert Mellage, Christoph Wolters, St. Friedhelm Busch)
1973: Silber im Achter (Christian Degenhard, Peter Figge, Peter Jopen, Michael Kroll, Heiner Mangels, Ulrich Ochsenfarth, Stefan Schönfelder, Christian Pörkert, St. Roland Hustert)
1974: Bronze im Doppelzweier (Michael , Heiner)
1975: Silber im Achter (Wolfram Lindner, Paul Hovestadt, Heinz-Jürgen Stehr, Nico Stadtbäumer, Wilhelm Drepper, Hans-Jörg Mierke, Georg Esterhues, Roland, St. Andreas Nose)
1976 und 77: Gold und Silber im Gig-Vierer (Roland, Heinz-Jürgen, Jochen Hackert, Georg, St. Roger Grosser bzw. Rolf Warnke)
1985: Gold im Gig-Vierer (Jürgen Schulte, Elmar Hugenroth, Klaus Tönnies, Olaf Rickers, St. Frank Weyer)
1988: Silber im Gig-Vierer (Michael Herzig, Stefan Bauer, Falko Fugel, Jens Heimann, St. Christian Bäumer)
1989, 90 und 91: Gewinner im Doppel-Vierer (Michael, Stefan, Falko, Jens)
Dann Deutsche Kinder-, Jugendmeisterschaften bez. Deutsche Meisterschaften:
1974: 3. Im Doppelzweier (Roland, Georg)
1987: 2. im Leichtgewichts-Vierer (Frank Neufelder, Peter Hoeltzenbein, Jens, Stefan, St. Markus Speich)
1988: 1. im Doppel-Vierer (Michael, Stefan, Falko, Jens, Christian)
1989: 1. im Einer (Falko) und im Vierer-ohne (Frank, Peter in Renngemeinschaft)
1990: 1. im Leichtgewichts-Doppelvierer-ohne (Michael)
1991: 1. im Achter (Falko)
1993: 1. im Achter (Falko)
und in Weltmeisterschaften der Junioren bez. der Unter-23-Jährigen
1989: 4. im Achter (Peter)
1991: 2. im Zweier ohne (Falko)
1992: 3. im Vierer-ohne (Falko)
1994: 6. im Doppelzweier (Jens) und 4. im Vierer-ohne (Falko).
Hauptsächlich für die zahlreichen eigenen Kinderruderer( 10 - 14 Jahre), dann aber praktisch für alle Vereine aus dem Ruhrgebiet, dem Niederrhein und dem Rheinland richtete der ARC ab 1973 Kinderregatten aus. Die Regattastecke waren 500 m vor dem Bootshaus an der Rheinstraße. Ab 1983 veranstalteten wir die Kinderregatta gemeinsam mit dem Ruderverein Münster von 1882 zusammen mit Landesmeisterschaften der Senioren und Junioren noch einige Jahre auf dem Aasee.
1988 gründeten der RVM und der ARC den Münsteraner Regattaverein, der von 1991 an regelmäßig im Frühjahr die große DRV-Nachwuchsregatta, veranstaltet, neben gelegentlichen Landesmeisterschaften und Bundeswettbewerben für die 12 bis 14-jährigen Jungen und Mädchen.
Ab 1995 erhalten auch die Breitensportler bei uns Gelegenheit, ihre Kräfte im Wettkampf zu messen. Im Herbst veranstaltet der ARC eine Trimm-Regatta RUDI "Rundum die Insel" für die Ruderer des ARC und der benachbarten Vereine.
Geselligkeit hat immer dazu gehört. Wir schlagen keine Kneipen mehr, aber wir setzen uns zum Stammtisch zusammen oder wissen unsere regelmäßigen Sommer- und Winterfeste zu feiern.
Peter