Statistische Arbeitsauswertung, Analysen sowie Tätigkeits- und Erfahrungsbericht

nach zweijähriger ABM beim Anti-Mobbing e. V.



 

Juni 1999



Inhaltsübersicht:

I. Auswertung und Analysen

Auswertung der Telefonkontakte und Analysen

Häufigkeit des MOBBING nach Alter und Geschlecht

Wo findet MOBBING am häufigsten statt?

Mobbinghandlungen

MOBBING auf verschiedenen Ebenen

Mobbingfolgen aus medizinischer Sicht

Soziale Folgen
 

II. Tätigkeits- und Erfahrungsbericht Telekommunikation - Sorgentelefon

Einzelgespräche - individuelle Beratung

Gruppenarbeit - Leitung und Betreuung der Selbsthilfegruppe

Öffentlichkeitsarbeit

Beschreibung der Arbeiten im Verwaltungsbereich

Einschätzung unserer Beratungseinrichtung

Authentisches Fallbeispiel
 
 

Im Rahmen der Trägerschaft des Anti-Mobbing e. V. wurde ich in der Zeit vom 15.09.1995 bis 14.09.1997 durch die Bundesanstalt für Arbeit mit einer AB-Maßnahme gefördert und finanziert. Hauptaufgabe meiner Tätigkeit bestand in der psychosozialen Betreuung von Mobbing-Betroffenen.
 
 

I. Auswertung und Analysen

Durchgeführt wurden:

191     protokollierte Telefonberatungen
  51     persönliche Einzelberatungsgespräche
  45    Gruppengespräche
  14    Referate, Vorträge oder Teilnahme an Diskussionsrunden in
          Bildungseinrichtungen, Personal- oder Betriebsratsveranstaltungen etc.
    9    Einladungen und Teilnahme an Rundfunk- und TV-Sendungen

Mehrfach- und Folgegespräche sind statistisch nicht erfaßt worden. Ebenso nicht berücksichtigt, jedoch unbedingt erwähnenswert, sind etliche persönliche und telefonische Kontakte bzw. Interviews mit Journalisten der Printmedien, Redakteuren von TV- und Rundfunkanstalten, sowie ausführliche Gespräche mit Studenten, deren Diplomarbeiten das Thema "Mobbing am Arbeitsplatz" beinhaltet. Eine weitere Unterstützung der Studenten bestand darin, die für das Thema MOBBING konzipierten Fragebögen an andere Betroffene weiterzuleiten bzw. auszufüllen.
 
 
 

Auswertung der Telefonkontakte und Analysen

Von den statistisch und protokollarisch erfaßten Telefonanrufen kamen aus Münster und Umgebung lediglich 44 %; alle anderen waren überregional bzw. bundesweit. Dies ist so zu erklären, daß der Anti-Mobbing e. V. - in persona Werner Rogge - durch die Mitgliedschaft in der GPSM (Gesellschaft gegen psychosozialen Streß und Mobbing) mit Sitz in Bad Lippspringe, in der Liste bundesweiter Ansprechpartner/Experten aufgeführt ist; insoweit wird vielfach auch in der Fachliteratur auf Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen hingewiesen. Dasselbe gilt auch für das "Netzwerk der Mobbing-Selbsthilfegruppen", in dem der Anti-Mobbing e. V. vertreten ist.

Ebenso verweisen zunehmend überregionale Krankenkassen, Gewerkschaften, aber auch Telefonseelsorge oder Rundfunk- und Fernsehanstalten beim Thema MOBBING u.a. auf unsere Adresse.

Etwa 75 % aller Anrufer sind weiblich. Die Annahme liegt nahe, daß Frauen häufiger als Männer gemobbt werden. Einschränkend läßt sich feststellen, daß Frauen wesentlich eher gewillt sind, Beratungsangebote anzunehmen. Männer hingegen identifizieren sich mit/durch ihren Beruf, was gesellschaftliche und erzieherische Ursachen hat, so daß sie kaum weder bereit noch in der Lage sind, Hilfe und Unterstützung zu suchen, anzunehmen oder gar verletzte Gefühle zu offenbaren.
 
 
 

Häufigkeit des MOBBING nach Alter und Geschlecht

Bei den von MOBBING betroffenen Frauen waren 17 % bis 30 Jahre, 36 % bis 40 Jahre, 34 % bis 50 Jahre und 13 % bis 60 Jahre. Bei den betroffenen Männern waren 4 % bis 30 Jahre, 35 % bis 40 Jahre, 46 % bis 50 Jahre und 15 % bis 60 Jahre. (s.Tabelle u. Diagramm)
 
 
Häufigkeit des MOBBING nach Alter und Geschlecht

 

Alter
20-30 J.
30-40 J.
40-50 J.
50-60 J.
männlich
4%
35%
46%
15%
weiblich
17%
36%
34%
13%


Männer und Frauen werden dementsprechend am häufigsten zwischen 30 und 50 Jahren gemobbt. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt etwa bei 40, das der Männer bei etwa 43 Jahren. Auffällig im Erhebungszeitraum war auch der Trend, daß sich immer mehr betroffene junge Frauen gemeldet haben, während betroffene junge Männer unter 30 Jahren kaum anriefen.
 
 
 

Wo findet MOBBING am häufigsten statt?

43 % in der Privatwirtschaft
32 % in Pflegeberufen oder pädagogischen Einrichtungen
21 % im Öffentlichen Dienst
  4 % in handwerklichen Betrieben



 







Hier ist zunächst sehr auffällig, daß sich kaum Handwerker oder Arbeiter gemeldet haben. MOBBING scheint also in Handwerksbetrieben oder sonstigen Produktionsstätten kaum ein Thema zu sein.

Demgegenüber bergen Berufe im Angestelltenbereich, sei es im Öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft, ein erheblich größeres Mobbingrisiko, wie es die Zahlen deutlich belegen.

Auffällig ist auch die zunehmende Anzahl von Betroffenen in Pflegeberufen und/oder pädagogischen Einrichtungen, auch in kirchlicher Trägerschaft. Die Ursachen liegen hier sowohl im Widerspruch eines starken Engagements, moralischer Wertvorstellung und großer Identifikation einerseits - andererseits aber auch im großen Frust bei Nichtanerkennung, schlechter Regelung von Kompetenzen und Verantwortung, mangelhafter Organisation sowie einer konkreten Angst vor Stellenabbau.
 
 
 

Mobbinghandlungen

Zu den häufigsten genannten Mobbinghandlungen gehören:

MOBBING oder Psychoterror am Arbeitsplatz liegt dann vor, wenn eine Person gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum z. B. mit den oben beschriebenen Handlungen konfrontiert und angegriffen wird.

Diese Behandlungsweisen beinhalten alle mehr oder weniger Verstöße gegen gute Sitten und bekannte rechtliche Normen und Grundsätze unseres Zusammenlebens (entsprechend GG und BGB). Am häufigsten werden mit den oben beschriebenen Verhaltensweisen der Gleichbehandlungsgrundsatz, das Persönlichkeitsrecht und die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers verletzt.

Mit steigender Verlaufsdauer des Mobbingprozesses entwickelt sich dieser zu einer zunehmenden und immer schwierigeren gesundheitlichen und juristischen Problematik. Die den Mobbingprozeß wie ein roter Faden durchziehende, langanhaltende Verweigerung gesetzlich garantierter Bürger- und Arbeitnehmerrechte (Rechtsbeugung) beinhaltet für den Betroffenen eine sich ständig wiederholende Mißhandlung am Arbeitsplatz und damit psychosoziale Dauerbelastung mit zunehmender und vielfältiger Krankheitssymptomatik bis zur Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit.
 
 
 

MOBBING auf verschiedenen Ebenen:
 

            1. MOBBING von oben nach unten 47 %
            2. MOBBING von Kollegen und Vorgesetzten 28 %
            3. MOBBING auf gleicher Ebene 22 %
            4. MOBBING von unten nach oben 3 %





Die Zahlen belegen es eindeutig: MOBBING ist u.a. ein Managementproblem!

Es gibt keinen Zweifel darüber, daß das Betriebsklima erheblich (mit)-beeinflußt wird durch das Verhalten der Vorgesetzten. Schlechtes Arbeitsklima kann ein Indiz sowohl für Mißmanagement als auch für soziale Inkompetenz der Führungskräfte sein; und eines ist sicher: Schlechtes Betriebsklima ist ein absoluter Nährboden für MOBBING!

Ein guter, kompetenter Vorgesetzter muß bereit und in der Lage sein, ausufernde soziale Konflikte zu lösen, auch und gerade im Hinblick auf dessen Fürsorgepflicht.
Leider sieht die Realität anders aus. Vielfach sind Vorgesetzte Einzeltäter oder mobben im Zusammenspiel mit Kollegen oder Untergebenen. Während MOBBING von "unten nach oben" kaum stattfindet, ist Kollegen-MOBBING ein ernst zu nehmender Faktor.

Die meisten Gemobbten waren Frauen - das Heer der Mobber bestand überwiegend aus Männern, wobei dies bei Frauen ebenso zutrifft wie für Männer.
 
 
 

Mobbingfolgen aus medizinischer Sicht

Die Beratungsgespräche dienen in aller erster Linie zur Darstellung, Klärung und Analyse der Konfliktsituation oder der sozialen Situation im Betrieb, wobei der krankheitliche Aspekt nur bedingt vom Betroffenen angesprochen wurde. Es wurde deshalb weder nachgefragt, noch wurde eine gesonderte Statistik geführt; dennoch war auffällig, daß Betroffene immer wieder über gleiche Beschwerden klagten wie z.B. über Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Ängste, Weinen, Schweißausbrüche, Erschöpfungszustände, Depressionen, Streßsymptome bis zum Hörsturz, Nervenzusammenbrüche, Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen, Rastlosigkeit, Aggressionen, Alpträume, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Schwindel, Zittern, Hauterkrankungen etc.

Je länger der/die Betroffene die Konfliktsituation erduldet und erleidet, desto größer wird die Gefahr einer andauernden Störung des seelischen Gleichgewichts als Streßfolge (PTSD = posttraumatische Streßerkrankung), anhaltende Schuld- und Versagensgefühle sowie allgemeiner Angstzustände (GAD = generelle Angstsyndrome).

Massive körperliche und seelische Beschwerden sind nach jahrelangem MOBBING ebenso die Folge wie schwere Depressionen, Spannungskopfschmerzen, chronische Muskelschmerzen oder zwanghaftes Verhalten (Obsessionen), z.B. Redezwang, Alkohol-/Tablettenkonsum, mit der Gefahr, abhängigkeitskrank zu werden, Verlust der Konzentrationsfähigkeit, erhebliche Selbstmordgefahr.
 
 
 

Soziale Folgen
 

  1. "Innere Kündigung", erschwerte Berufsausbildung, Versetzung bis zum Verlust des Arbeitsplatzes infolge Eigenkündigung, Kündigung durch den Arbeitgeber - die sich vielfach oder in den meisten Fällen als Rechtsbrüche erweisen -, Frührente und damit Verlust der eigenständigen materiellen Existenzgrundlage und beruflicher Identität.

  2. Beeinträchtigung der sozialen Beziehungen und des sozialen/gesellschaftlichen Ansehens bis zum Verlust von Partnerschaft, Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreises, vollständige soziale Isolierung und Selbstmord.
Das Zusammenspiel der Ursachen mit den möglichen Folgen wird an einem Schaubild deutlich:
 
 


 








II. Tätigkeits- und Erfahrungsbericht

Die Tätigkeit in der Kontakt- und Beratungsstelle umfaßt vier Schwerpunktbereiche:
 

  1. Telekommunikation - Sorgentelefon
  2. Einzelgespräche - individuelle Betreuung
  3. Gruppenarbeit - Leitung und Betreuung der Selbsthilfegruppe
  4. Öffentlichkeitsarbeit

 

Telekommunikation - Sorgentelefon

Telefonische Erstkontakte stehen am Anfang einer Beratung. Sie dienen der/dem Betroffenen zur ersten Reflexion der Konfliktsituation. Man kann sowohl seinen Frust ablassen, als auch ganz bestimmte und konkrete Fragen stellen. In vielen Fällen sind diese Telefongespräche gleichzeitig Beratungen.

Auf Wunsch der/des Betroffenen werden Termine für ein Einzelgespräch vereinbart.

Über die durchgeführten Telefonberatungen werden ausführliche Protokolle erstellt.
 
 
 

Einzelgespräche - individuelle Beratung

Nach dem Erstkontakt können auf Wunsch des/der Betroffenen Einzelgespräche vereinbart werden. Diese dienen zunächst einer ausführlichen Schilderung der Situation am Arbeitsplatz, einer ersten Analyse des Konfliktes, sowie einer möglichen strategischen Vorgehensweise.

Gegenüber herkömmlichen Gesprächstherapien bestehen wesentliche Unterschiede:

  1. Es besteht kein zeitlicher Druck!
  2. Der/die Betroffene entscheidet selbst, ob weitere Kontakte oder Gespräche erforderlich sind.
  3. Wir versuchen gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, die zu einer Lösung oder Beendigung des Konfliktes führen kann.
  4. Da die eigenen persönlichen Anteile am Mitwirken eines ausufernden Konfliktes, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, ganz oder allenfalls teilweise zurückstehen, wird in der Beratung keine persönliche Ursachenforschung betrieben.
  5. Nur bei auffällig destruktiven Verhaltensmuster wird der/dem Betroffenen dies bewußt gemacht, um zukünftig derartige Verhaltensweisen zu ändern oder abzustellen.
  6. Ansonsten gilt: Beratungsgespräche sind generell kein Ersatz für notwendige Therapie!
Nicht selten werden (Ehe)-Partner in das Gespräch mit einbezogen, da eine derartige gravierende psychische wie physische Belastung vor der Haustür nicht halt macht, so daß Beziehungen/Familien enormen Streß und Belastungen ausgesetzt sind.

Mit dem/der Betroffenen wird außerdem abgeklärt, ob der Eintritt in die Selbsthilfegruppe (SHG) sinnvoll ist oder nicht.
 
 
 

Gruppenarbeit - Leitung und Betreuung der Selbsthilfegruppe

Die Gruppengespräche finden regelmäßig zweimal im Monat jeden 2. und 4. Montag von 19.00 Uhr - 21.00 Uhr in der MIKS statt. Jede/r ist willkommen, ob Be- oder Nichtbetroffene, Mitglieder unseres Vereins oder Nichtmitglieder, Interessierte etc. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist die Schweigepflicht aller Teilnehmer!

Die SHG trägt dazu bei, soziale Ressourcen aufzubauen und gibt den Betroffenen die Möglichkeit sich auszusprechen, sich gegenseitig Rat und Unterstützung zu geben, um der sozialen Isolation entgegenzuwirken. Die Gruppe vermittelt auf Dauer ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und die Gewißheit, daß man mit seinem Problem nicht alleine ist.

Durch aktive Hilfeleistung - auch und gerade bei neuen Betroffenen - entsteht wieder ein positives Selbstwertgefühl, mit dem Effekt, daß auch die eigene Situation besser verarbeitet werden kann. Alles wird vertraulich behandelt und darf den Kreis der SHG nicht verlassen.

Die SHG kann weder eine notwendige Therapie noch Rechtsberatung ersetzen; dennoch können erprobte Adressen mit weiterführenden Hilfen angeboten werden. Ratschläge und Tips sind individuelle Erfahrungswerte und leiten weder einen Rechtsanspruch ab, noch kann Erfolg garantiert werden.

Gruppenmerkmale:

Die Gruppe hilft durch: Ziele: Grundsätze:
 

Öffentlichkeitsarbeit

MOBBING ist sowohl ein individuelles als auch ein gesellschaftliches Problem. Erster und wichtiger Ansatzpunkt um den Betroffenen zu helfen und die Gesellschaft für diese Problematik zu sensibilisieren ist Öffentlichkeitsarbeit, also Aufklärung und Information!

Wir stellen in unserer Arbeit seit Jahren fest, daß zunehmend alle Bereiche unserer Gesellschaft auf das Phänomen MOBBING sensibler reagieren. Nur wenn es uns gelingt, das individuelle und öffentliche Bewußtsein über Ursachen und Auswirkungen von MOBBING zu schärfen und zu sensibilisieren, kann dem Psychostreß am Arbeitsplatz wirksam Einhalt geboten werden. Dazu dienen wie erwähnt allgemeine Aufklärung, Analysen der Arbeitssituation und Unternehmenskultur, Beratung und Schulung von Betriebs- und Personalräten, Beratung von Führungskräften in puncto Sozialkompetenz und Problemlöseverhalten, allgemeine Verbesserung des Betriebsklimas, Einsatz von Anti-Mobbing-Betriebsvereinbarungen (z.B. VW in Wolfsburg).

Referate und Vorträge, die die Öffentlichkeitsarbeit komplettieren sind in folgenden Bildungseinrichtungen auf Einladung gehalten worden:

Von folgenden Rundfunk- und Fernsehsendern erhielten wir Einladungen, um Sendungen zum Thema MOBBING mit zu gestalten: Sonstige Institutionen, mit denen wir losen oder intensiven Kontakt hatten:
 

Beschreibung der Arbeiten im Verwaltungsbereich

    1. Planung und Erstellung verschiedener Formblätter für:
    1. Planung und Erstellung von Info-Material:
    1. Erstellung von Protokollen:
    1. Buch- bzw. Kontoführung für:
    1. Personalbuchführung für:
    1. Vorbereitung der SHG-Treffen
    2. Erstellung von Verwendungsnachweisen und Spendenanträge für Siverdes-Stiftung
    3. Fristenüberwachung für Anträge bei Behörden, Zahlungstermine etc., Tätigkeitsbericht für das Arbeitsamt
    4. Korrespondenz mit Behörden, Institutionen usw.
    5. Terminierung von Einzelgesprächen, Seminaren, Referate usw.
    6. Archivierung sämtlicher Protokolle, Anträge, Korrespondenz, GPSM-Unterlagen, Überweisungsbelege, Rechnungen usw.
    7. Überwachung der Büroorganisation und Einkauf/Bestellung von Büromaterial
    8. Registraturarbeiten/Aktenführung
    9. Betriebsnotwendige Fahrten zu Veranstaltungen, Banken, Seminaren, Mitgliederversammlungen, Radio/TV-Sendungen etc.
    10. Interviews/Gespräche mit Journalisten, Studenten etc.

     
Einschätzung zum Stellenwert unserer Beratungseinrichtung

Das Angebot einer psychosozialen Betreuung von Mobbing-Betroffenen ist nach unserer Einschätzung unbedingt notwendig. Die Hemmschwelle vieler Betroffener wird dadurch geringer, daß wir als gemeinnütziger Verein unbürokratische und behördenunabhängige Hilfe anbieten.

Es zeigt sich immer wieder in der Arbeit mit Mobbing-Betroffenen, daß neben einer erforderlichen juristischen Beratung oder krankheitsspezifischer ärztlicher Betreuung eine psychosoziale Begleitung wichtig ist.

Leider trauen sich nur wenig Betroffene aktiv zu werden. Unserer Einschätzung nach liegt die Dunkelziffer derjenigen Betroffenen, die sich nicht um Rat und Hilfe bemühen, bei 95 %. Die ist zu erklären in der Angst der Betroffenen vor Verlust des Arbeitsplatzes und vor weiteren Schikanen oder Ausgrenzung.

In einer ausufernden und ausweglos erscheinenden Konfliktsituation erfährt jede/r Betroffene einen emotionalen und sozialen Rückzug. Dies hängt zusammen mit der sozialen "Schieflage" einerseits und mit der gestörten eigenen Befindlichkeit andererseits.

  1. Betriebliche Situation:

  2. Das eigene Vertrauen zu Kollegen schwindet, negativer Solidarisierungseffekt der Kollegen untereinander und/oder mit dem Täter/Vorgesetzten, man hat Angst sich jemanden anzuvertrauen, man ist isoliert und stigmatisiert.
     
  3. Private Situation:

  4. Man kann nicht mehr abschalten/Gedankenterror, Partner/Bekannte/Freunde sind überfordert, es kommt zu direkten/indirekten Schuldzuweisungen, man erhält Ratschläge die nicht immer hilfreich sind, deshalb auf breiter Front sozialer Rückzug.
Wenn der/die Betroffene jetzt keinen kompetenten und neutralen Ansprechpartner findet, kann es auf Dauer zu schweren seelischen und körperlichen Beschwerden führen, in der oft nur als Erlösung der Suizid steht. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, daß jeder 4. Selbstmord auf betriebliche/berufliche Konflikte zurückzuführen ist.

Genau hier setzt unsere Arbeit an, indem wir jedem Betroffenen die Möglichkeit bieten, seinen Frust, Ärger, Wut Luft zu verschaffen. Wir versuchen aber auch konkrete Hilfe oder Hilfestellung anzubieten. Neben der Problem- und Ursachenanalyse versuchen wir mit dem Betroffenen, falls erforderlich, auch eine andere oder neue Verhaltensstrategie zu entwickeln/anzu-bieten, mit dem Ziel, den Konflikt am Arbeitsplatz an- jedoch nicht hinzunehmen, auch und gerade im Hinblick einer persönlichen Stabilisierung.

Mit anderen Worten, viele Dinge, die von Betroffenen angesprochen werden, können weder juristisch noch von ärztlicher Seite abgedeckt werden - deshalb ist eine psychosoziale Begleitung/Betreuung so notwendig!

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren festgestellt, daß wir mit unserem Angebot eine breite, wohlwollende Akzeptanz, nicht nur bei Betroffenen, gefunden haben.

Bedauerlich ist letztlich nur die Tatsache, daß wir nach zwei Jahren unsere offizielle und öffentliche Beratungsstelle wegen fehlender Trägerschaft/Sponsoren schließen mußten; dennoch gilt unser Dank dem Arbeitsamt Münster für die finanzielle und unserer 1. Vorsitzenden, Margret Jellentrup, für die ideelle Unterstützung.
 
 
 

Authentisches Fallbeispiel

Beratungsprotokoll

Name/Vorname: Müller, Anne (Nachnahme geändert)
Anschrift: Bochum
Alter: 37 Jahre
Beruf/Arbeitgeber: Arbeiterin/Verleih-Firma

Frau M. ist Mutter einer 11-jährigen Tochter und alleinerziehend.

Vor unserem persönlichen Beratungsgespräch am 25.07. hat sie mit mir oft telefoniert, so daß ich ihre Situation gut einschätzen konnte.
Sie war/ist nicht verheiratet und der Vater ihres Kindes hat genau wie sie ständig mit finanzieller Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach der Trennung hatte sie diverse Gelegenheitsjobs wie z.B. Zeitung austragen. In ihren erlernten Beruf als Erzieherin will sie nicht mehr rein, was wohl u. a. mit ihrem verminderten Selbstwertgefühl zu tun hat.

Da sie keinen Ansprechpartner hat und sie sich in einer ausweglosen Situation fühlte, kamen in ihr Selbstmordgedanken hoch. Als es ihr ganz schlecht ging, rief sie die Telefonseelsorge in Bochum an. Dort riet man ihr, sich doch mit der AOK in Verbindung zu setzen, da sie auch von Problemen am Arbeitsplatz berichtete. Dort informierte man sie über unsere Beratungseinrichtung.

Fast jeden 2. Tag ruft sie bei mir an, meistens in den Abendstunden zwischen 22.00 und 23.00 Uhr, weil dann ihre Tochter zu Bett ist und sie dann in Ruhe telefonieren kann.

Seit einigen Monaten jobbt sie nun - ohne Arbeitsvertrag - bei einer Verleih-Firma. Dort wird sie an Produktionsfirmen "ausgeliehen", wo sie je nach dem zwischen ein bis max. drei Monate Arbeiten durchführt, die absolut eintönig und monoton und sowohl für ihre Intelligenz als auch für ihr Selbstwertgefühl absolut schädlich sind. Außerdem klagt sie über starke Rückenschmerzen.

Erheblich schlimmer wirkt sich jedoch für sie aus, daß sie von den Kollegen/Innen ständig schikaniert und gehänselt wird. Hin und wieder wird auch ihre Tätigkeit sabotiert. Leider hat sie diese Probleme schon in mehreren Einsätzen erlebt; darüber hinaus wurde sie von den Vorarbeitern kritisiert und man stellte ihr auch z.T. schlechte Zeugnisse aus.

In regelmäßigen Telefonaten informiert sie mich über die jeweiligen Vorgänge. Es sieht so aus, daß die ständigen Kontakte sie einigermaßen stabilisiert haben. Für sie ist es wichtig und notwendig, einen kompetenten und neutralen Ansprechpartner gefunden zu haben, der ihr glaubt und zu dem sie Vertrauen hat.

Da sowohl die Bezahlung bei der Verleih-Firma nicht gut ist, als auch ihre Tochter sich immer stärker über die ständige Abwesenheit der Mutter beklagt, wird Frau M. früher oder später kündigen bzw. sich zunächst krank schreiben lassen, um auch ihre körperlichen Beschwerden auszukurieren.

Wegen schwerer Erkrankung der Therapeutin fällt auch schon seit einiger Zeit die therapeutische Betreuung aus, was natürlich erschwerend für sie hinzukommt.
Sie muß unbedingt mit professioneller Hilfe an ihrem stark eingeschränkten Selbstwertgefühl arbeiten, ggfls. mit Hilfe durch NLP*), um kurzfristig in dieser Hinsicht was zu erreichen.

*) NLP = Neurolinguistisches Programmieren
 
 



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