Haben Sie schon den Kraken gestreichelt?

 

Auf diese einfache Frage hin streckt Jenny beherzt ihren Arm aus, um sich vom Museumsführer des Museo del Mar in A Coruña ein Prachtexemplar von Kraken auf den Arm platzieren zu lassen. Als Schmusetier eignet er sich dennoch nicht, denn kurz darauf zieht er sich wieder in eine ruhige Ecke des Bassins zurück, um aus sicherer Entfernung die Austauschschülerinnen des Annette-Gymnasiums zu beobachten.

     

 

 

 

Das Meeresmuseum im regnerischen Nordwesten Spaniens ist einer der Höhepunkte des Austauschprogramms, das nun schon im dritten Jahr das Annette-Gymnasium in Münster mit dem Instituto das Moas in Galizien verbindet. Das Museum auf dem Gelände eines ehemaligen Fischzuchtbetriebes will alle Aspekte der Meeresbiologie in diesem Teil des Atlantik dokumentieren und mit zahlreichen interaktiven Ausstellungsformen dem Besucher spielerisch nahe bringen. Nach einhelliger Ansicht der Besucher aus Münster ein äußerst gelungenes Museum, das nicht nur wegen des Kraken bleibende Eindrücke hinterlässt.

Für Landratten in diese so eng mit dem Meer verflochtene Landschaft von größtem Reiz. Selbst aus den Klassenräumen der Partnerschule schweift der Blick gerne über den Meeresarm, der tief in die Stadt hineinreicht. Der Speiseplan in den Gastfamilien bestand häufig aus Mariscos, einer Vielfalt von Meeresgetier, für deren spanische Namen die Schülerinnen keine deutsche Entsprechung im Wörterbuch finden konnten. Geschmeckt hat es trotzdem.

Auf dem Programm standen neben dem Besuch des Unterrichts mit den spanischen Partnern nach Themengruppen gestaltete Rundgänge durch die Stadt: Kunst, Stadtentwicklung, spanische Freiheitskriege, Franquismus  und vieles mehr. Auch Sir Francis Drake durfte nicht fehlen. Ihm haben die Bewohner A Coruñas ein Gegendenkmal in der Figur der María Pita errichtet. Diese resolute Frau  war es, die im letzten Moment die Eroberung der Stadt durch die Männer Drakes verhinderte. Was die Beziehungen zu England nicht auf Dauer trübte: Der Bürgermeister der Stadt wurde vor nicht allzu langer Zeit von der Queen zum Ritter geschlagen.

Muschelfarm, Fischzuchtbetriebe, Fischspedition, Fisch- und Gemüsemarkt – das Programm war dicht gedrängt und wäre auch einseitig gewesen, aber es fand sich auch noch ein wenig Zeit für die schönen Strände, die Esplanaden, die Strandcafés und die vielen kleinen Lokale für Jung und Alt.

Selbst ein Tagesausflug nach Santiago de Compostela, den wichtigsten Wallfahrtsort Spaniens und noch heute Ziel von Millionen von Pilgern aus ganz Europa, passte noch in das reichhaltige Programm.

Der verantwortliche Lehrer des Annette-Gymnasiums, Studienrat Matthias Walther, freute sich über das Durchhaltevermögen und die Wissbegier der Schülerinnen, die sich weder von Nebel noch von atlantischen Sturzregen beeindrucken ließen. Da waren sich alle einig: Ein bisschen Abenteuer muss sein.

M. Walther

 

 

 

    

  

 

 

 

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