Einzug des Gesandten Adriaen Pauw in Münster

Das Gemälde von Gerard Ter Borch und G.V.H. entstand um 1646 und zeigt den Einzug des zweiten holländischen Vertreter Adriaen Pauw in Münster.

Gerhard Ter Borch malte lediglich die Figuren und die Kutsche, wobei er sich selber zentral im Bild auf den Betrachter blickend gemalt hat. Man vermutet, dass sich Ter Borch mit den Niederländern identifiziert hat, da er selber Niederländer war.

Die Landschaft und die Stadtansicht stammen von einem zweiten Maler mit den Initialen G.V.H.. Man vermutet, dass es sich um Gerryt van der Horst handelt. Diese geteilte Arbeit war zu der Zeit üblich, da der eigentliche Künstler, in diesem Falle Gerard Ter Borch viele Auftragsmalereien annahm und somit Zeitmangel herrschte.

Der Monogrammist G.V.H. hat Münster nicht in natura gesehen, denn sonst wäre ihm bei seiner Detailstudie aufgefallen, dass die Landschaft nicht so hügelig ist wie dargestellt.

Darüberhinaus stimmt die Entfernung der Kirchen nicht überein.

Links auf dem Gemälde befindet sich das Münstersche Stadtwappen an einem Baum aufgehängt und die typischen Frauen mit der münsterische Tracht, auch Felken genannt.

Sie diente zu der Zeit zum Schutz vor Sonne und Regen. Es ist eine Haube mit einer Art Korb darunter, der sich wie ein Halbkreis um den Kopf befindet. Rechts im Bild sieht man zwei Mönche spazieren und drei Schafe die grasen. Dies soll noch einmal den ländlichen Charakter von Münster verdeutlichen. Im Hintergrund ist der Mauerring Münsters mit dem Graben zu erkennen.

Auch typisch für Münster sind die vielen Kirchen. Von links nach rechts: Das Fraterhaus, die Johanniterkommende, die Überwasserkirche, die Aegidiikirche, der Dom, St. Martini, St. Lamberti mit den drei Täuferkäfigen und St. Ludgeri. Der Blick ist aus dem Südwesten Münsters, so dass Adriaen Pauw durch das Aegidiitor eingezogen sein muss, heute Weseler Straße in Höhe der Antoniuskirche. Das Gemälde zeigt eine Sommerlandschaft, somit kann es sich nicht um den offiziellen Einzug Pauws im Januar handeln, sondern um die zweite Ankunft Mitte Mai.

In der Kutsche sitzen Adriaen Pauw, der ein feierlich und würdiges Gesicht macht, seine Frau Anna von Ruytenburg, die sehr mütterlich und wohlernährt aussieht und Pauws Enkelkind Adriana, die keck aus der Kutsche schaut. Das Gemälde vermittelt eher den Eindruck eines Sonntagsausfluges, obwohl Pauw mit einer ernsten Absicht nach Münster reist.

Die Niederländer waren Ambassadeure, das heißt, sie waren direkte Vertreter ihrer Souveräne, dennoch stand Adriaen Pauw keine sechsspannige Kutsche zu, doch damit wollte er höchstes Ansehen und Gleichberechtigung veranschaulichen. Sein Ziel der Verträge mit den Spaniern war es, einen von Spanien unabhängigen Staat zu erreichen.

Gemälde, Öl auf Leinwand, monogrammiert von Gerard Ter Borch G.T.B. und dem Monogrammisten G.V.H.,

evtl. Gerryt van der Horst, Figurenstaffage Ter Borchs um 1646 , Landschaft evtl. früher, undatiert

Ohne Rahmen: 100 x 161,5 cm

Stadtmuseum Münster

 

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