Anerkennung unserer Schicksale“ 

Schüler des Annette-Gymnasiums im Dialog mit ehemaligen Zwangsarbeitern

Im Rahmen ihres einwöchigen Aufenthaltes in Münster schilderten vier ehemalige russische und lettische Zwangsarbeiter Schülerinnen und Schülern einer Klasse 10 und des Geschichts-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12 des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums ihre vielfach bedrückenden persönlichen Erfahrungen in der Zeit zwischen 1941 und 1945. Larisa Starikowa (geb. 1928), Soja Petrowna Iwanistschewa (geb. 1929), Valentina Sokolowa (geb. 1937) und lwan Putschinskij (geb. 1932) waren als Kinder im Alter zwischen vier und 14 Jahren, zum Teil in Begleitung ihrer Mütter, nach Deutschland zwangsdeportiert worden.

Sie wurden in Lagern in Münster (Erphoschule, Reichsbahnlager Bremer Straße, Lager in Gremmendorf) bzw. im Münsterland (Emsdetten) untergebracht. In der Folgezeit wurden sie als „Arbeitskräfte“ eingesetzt, berichteten sie den Jungen und Mädchen. Diejenigen, die noch zu jung für schwere physische Arbeit waren, wurden zu Putz- und Aufräumarbeiten herangezogen. Diese weniger anstrengende Arbeit habe auch eine geringere Nahrungszuteilung bedeutet.

Wie Dr. Gisela Schwarze, Sprecherin des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V." (Regionalgruppe Westfalen) und Mitinitiatorin dieses Treffens, betonte, waren nach der Befreiung 1945 viele der ehemaligen Zwangsarbeiter wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, hatten dort jedoch noch jahrzehntelang unter der staatlichen Ächtung als „Volksverräter“ zu leiden. Ihnen wurde es u. a. verwehrt, die von ihnen angestrebten Berufe zu ergreifen, „weil sie während des Krieges in Deutschland waren“. Erst 1993 wurden sie offiziell rehabilitiert. Larisa Sokolowa berichtete den Annette-Schülern, dass sie und ihr Ehemann sich erst nach dieser Rehabilitierung "gestanden" haben, dass sie als Kinder in Deutschland waren. Die Erzählung von den oft jahrzehntelangen Leidenswegen machte die Schülerinnen und Schüler und Lehrer am Annette-Gymnasium sichtlich nachdenklich und betroffen.

Obwohl die Aussagen der Gäste von einem Dolmetscher übersetzt werden mussten, war den ehemaligen Zwangsarbeitern unschwer anzumerken, wie nah ihnen all diese Erlebnisse noch heute sind und wie sehr es ihnen ein Anliegen ist, gerade mit jungen Menschen zu sprechen und sie zum persönlichen Engagement für ein friedliches Miteinander aufzurufen. So beantworteten sie alle Fragen mit großer Offenheit und machten den Schülern deutlich, wie viel ihnen solche Gespräche auch als Möglichkeit der Rehabilitation und Anerkennung ihrer Schicksale bedeuten.

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