Comenius-Projekt:
„Das
waren doch andere Zeiten!“
Lebenswirklichkeit
von Mädchen und jungen Frauen in den Jahren 1920 – 1960
Zeitzeugeninterviews
mit den eigenen Großeltern sind die Grundlage einer Ausstellung, die Schülerinnen
und Schüler des Differenzierungskurses Geschichte / Politik (jetzt Jgst. 10)
erstellt haben.
Das
im Rahmen eines Comenius-Projektes durchgeführte Unterrichtsprojekt zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen in der 1.
Hälfte des vorigen Jahrhunderts stand in Zusammenhang mit dem „Mädchenprojekt“
des Stadtmuseums Münster. Das Schwergewicht sollte daher auf der Biografie der
Mädchen und jungen Frauen liegen, doch nicht in allen Familien lebten noch die
Großmütter bzw. Mütter, so dass in drei Fällen Großväter und in zwei Fällen
auch die Väter befragt wurden.
Die
Gliederung der Ausstellung orientiert sich am historischen Ablauf: 1920
– 1933, 1933 – 1945, Nachkriegszeit
und Fünfziger Jahre und an den thematischen Schwerpunkten des
Interviewleitfadens: Familie,
Schule, Arbeit und Freizeit.
Die
Bilder der Ausstellung sollen die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen
in der jeweiligen Zeit verdeutlichen; es sind teilweise Privatfotos aus den
Familienalben, größtenteils jedoch veröffentlichte Bilder.
Die
Interviewpartner/innen:
1)
Rosa G.
geb. 1910
Lübbecke u. Westbevern
2)
Anneliese B.
geb. 1911 Melsungen
3)
Herr F.
geb. 1914
Kamp – Lintfort
4)
Käthe S.
geb. 1917
Pretai / Siebenbürgen
5)
Helene K
geb. 1917
Neheim – Hüsten
6)
Paula K.
geb. 1919
Borken
7)
U.U.
geb. 1919
Pritzwalk / Magdeburg
8)
Maria N.
geb. 1923
Goldenstedt
9)
Herr V.
geb. 1923
Lauterbach / Hessen
10)
Frau M.
geb. 1927 Soest u. Münster
11)
Herr K.
geb. 1928 Münster
12)
Karin W.
geb. 1929 Danzig
13)
Hedwig S.
geb.
1930 Schlesien
14)
C.R.
geb. 1931 Reken
15)
Marianne S.
geb. 1932
Neustadt/ Oberschlesien
16)
Christel R.
geb. 1932 Herne
17)
Elisabeth B.
geb. 1934
Liesborn
18)
Herr B.
geb. 1939 Wadelsheim
/ Rheine
19)
Brigitte Ö.
geb.
1940 Gievenbeck
/ Münster
20)
Rita K.
geb. 1944 auf der Flucht
21)
Elisabeth W.
geb. 1947
Greven / Münster
22)
Willi W.
geb. 1947 Gelsenkirchen
Sechs
Großmütter und ein Großvater, geboren zwischen 1910 und 1919, haben Kindheit
und Jugend überwiegend in der Weimarer Republik verbracht; die Interviews
berichten von einem im nachhinein als harmonisch empfundenen Familienleben mit
klarer Struktur und Rollenaufteilung. Betont wird auch von allen die harte
Bestrafung – auch körperliche - in Elternhaus und Schule bei Regelverstößen.
Auch die unterschiedliche Arbeitsbelastung von Stadt- und Landkindern wird
sichtbar.
Die
Berichte der acht Großmütter und zwei Großväter, geboren zwischen 1923 und
1934, unterscheiden sich davon kaum; in drei Fällen wird vom Terror der
Nationalsozialisten berichtet, der sich auf die Familie auswirkt. Obwohl
vermutlich die meisten Großeltern in der HJ waren, berichten diese von sich aus
kaum darüber. Dagegen kommen in allen Interviews die Kriegseinwirkungen zur
Sprache: Zerstörungen durch Bomben, Verlust der Väter und Brüder in den
Familien und die Angst um ihr Schicksal, Flucht und Vertreibung (bei drei
Familien).
Verlust
von Heimat und Wohnung, die Schwierigkeit des oft mühsamen Neuanfangs bestimmen
auch die Interviews der fünf Großeltern, die zwischen 1939 und 1947 geboren
sind. Auch von zerstörten Lebensplanungen wird berichtet: vier Großmütter
insgesamt mussten ihre Schulausbildung abbrechen und einen Beruf ergreifen, der
nicht ihrem Wunsch entsprach und von ihnen als Belastung empfunden wurde.
Diese Ergebnisse bestätigen natürlich das, was allgemein bekannt ist über die Zeit; durch die Interviewsituation und die Verpflichtung, das Gehörte in entsprechender Form zu Papier zu bringen und für die Ausstellung auszuwerten, haben sich die Schülerinnen und Schüler jedoch intensiv mit der Zeit – Geschichte und der eigenen Familien – Geschichte auseinandergesetzt, was alle auch als positiv herausstellten. Eine Erkenntnis war den Schülern/innen vorher jedoch nicht so deutlich: Ohne jegliche Freizeitangebote und mediale Unterstützung hatten die Kinder früher doch eine Vielzahl von phantasievollen Spielmöglichkeiten in der Gemeinschaft und im Freien.