Verrückt — oder ganz normal?

„Mal anders“: Annette-Schüler mit Monologen auf der Bühne

Das weiße Brautkleid leuchtet. Die frisch Vermählte spricht ruhig, trotzdem fast schon heiter. Doch ihre Worte sind makaber. „Ich wollte mein Meerschweinchen nicht mehr füttern, also habe ich es aufgehängt.“ Ist sie verrückt? Oder normal? Und: Wer entscheidet das?

Diese Fragen stellten sich die Neuntklässler des Annet-te-von-Droste-Hülshoff-Gym-nasiums am vergangenen Samstag in dem Theaterstück „Mal anders“. In Monologform gaben neun Charaktere zwei Stunden lang tiefe Einblicke in ihr Innerstes. „Uns war es wichtig, dass das Publikum in die Entscheidung gedrückt wird, zu urteilen, was denn nun verrückt ist“, sagte die Regisseurin und angehende Theaterpädagogin Esther Kemna.

Die Entscheidungen fielen dem Publikum sichtlich schwer. Wie bei der Businessfrau Sabine (Alicia Fattorini), die in einem Aufzug feststeckt und darüber nachdenkt, wie locker sie einer Mitarbeiterin gekündigt hat. Im nächsten Moment fühlt sie sich jedoch von eben dieser Mitarbeiterin verfolgt. Sie glaubt sogar, dass sie von ihr im Fahrstuhl gefangen gehalten wird. Es beginnt ein Gespräch mit der imaginären Entlassenen.

„Wir haben mit Absicht Charaktere gewählt, die im ersten Moment völlig normal sind, aber im Laufe des Monologs ihre andere Seite zeigen. Dadurch geraten die Schauspieler, aber auch das Publikum in einen inneren Konflikt“, so Kemna.

Münstersche Zeitung, 27.05.2008

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