Auf den Spuren der Römer

 

Wer genau hinsah, der musste sich doch sehr wundern. Da schritt gestern ein Mann über den Schulhof des Annette-Gymnasiums, winterlich gekleidet zwar, die nackten Füße jedoch nur unzureichend bedeckt von kargen, altmodischen Sandalen.

Erstes Anzeichen einer Verkleidung, die Keith Mulhearn als Arbeitsuniform dient. Seit Montag befindet sich der 38-Jährige auf Einladung des Oberbürgermeisters in Münster. Seine Heimat ist das englische York, wo Mulhearn Touristen bei Rundgängen als Stadtführer auf die Spuren der römischen Besatzer (71 bis 410 nach Christus) führt. In dieser Woche unternimmt er den Ausflug in die Vergangenheit Yorks an acht münsterschen Bildungseinrichtungen " mangels echter Schauplätze mit einer Mischung aus Rede und Theaterspiel. Und natürlich stilecht gekleidet in einer römischen Uniform.

Das passende Schuhwerk trug Mulhearn beim Betreten des Annette-Gymnasiums bereits. Im Lehrerzimmer legte der englische Gast dann auch die restliche historische Montur an: grüner Stoffanzug, Rüstung, Helm.

So ausstaffiert schritt er gemeinsam mit seinen ebenfalls verkleideten Söhnen Danny (10) und Connor (11) unter verblüfftem Gelächter der Schülerschar zum Klassenraum einer Jahrgangsstufe 6. "Wir sind alle schon sehr gespannt", schmunzelte Lehrerin Gabriele Freise.

Ihre Schützlinge wurden nicht enttäuscht. Pointiert berichtete Mulhearn von den erbitterten Kämpfen, mit denen sich die Römer den Weg bis nach York erkämpften, lehrte einen Angst einflößenden Blick und verpasste Schüler Philipp Weischer eine römische Aufmachung. Dass Mulhearn nur Englisch sprach, störte nicht. Lena Apolte: "Man versteht alle Zusammenhänge." Neben der Mischung aus authentischem Englisch- und Geschichtsunterricht stellte der Auftritt auch "eine nette Variante dar, Schulen aus Münster eine Verbindung zur Partnerstadt York zu ermöglichen", sagte Christiane Lösel vom initiierenden städtischen Fachamt.

Mit gleicher Intention hatte Mulhearn nur wenige Stunden zuvor einer Jahrgangsstufe 7 des Ratsgymnasiums von seiner Heimatstadt berichtet. Und seine umständlich zu schnürenden Sandalen gleich angelassen.

MZ, 01.02.2005

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