Polen-Austausch 2004:

 

Annette-Schüler besuchen polnische Austausch-Schule

„Wir haben eine überwältigende Gastfreundschaft erlebt“, so dass Resümee der 18 Schülerinnen und Schüler des Annette-Gymnasiums nach der Rückkehr aus dem oberschlesischen Dąbrowa Górnicza nahe Katowice. Mit dem dortigen I. Lyzeum unterhält das Annette-Gymnasium bereits seit 15 Jahren einen Austausch, der inzwischen zu einer festen Tradition geworden ist.

Die Schüler aus den 10. Klassen des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums sind Ende September für eine Woche in das polnische Nachbarland gefahren. Neben dem Schulbesuch blieb dort viel Zeit, um mit den polnischen Austauschschülern die nähere und weitere Umgebung zu erkunden. Erste Einblicke bot eine Rundfahrt durch das oberschlesische Industrierevier. Heute prägen noch immer die Kohlegruben und Eisenhütten das Bild, wenngleich der Strukturwandel auch hier deutliche Spuren hinterlassen hat. Inmitten der Industrielandschaft finden sich neben idyllischen Burganlagen viele neu angelegte Erholungsgebiete.

Einen Höhepunkt der Reise bildete der Tagesausflug nach Kraków. Die einstige Haupt- und Krönungsstadt der polnischen Könige blieb im Krieg unzerstört und gehört heute mit ihren zahlreichen Bauwerken und Kunstschätzen zum Unesco-Weltkulturerbe. Am Königsschloss hoch über der Weichsel, am weitläufigen Markt mit den Tuchhallen und der Marienkirche und im alten jüdischen Viertel Kazimierz – überall begegnete die reichhaltige Krakauer Geschichte. Nach den Besichtigungen luden die lebhaften Gassen mit ihren Cafés und Geschäften zum Bummeln und Entspannen ein.

Eine ganz andere Begegnung mit der Geschichte bot der Besuch des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, das nur wenige Kilometer südlich von Katowice liegt. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden hier mehr als eine Million Menschen, vor allem Juden, aber auch Polen, Sinti und Roma und sowjetische Kriegsgefangene systematisch ermordet. Heute bietet die Gedenkstätte am authentischen Ort den Raum für die Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen Geschichte. Sichtlich bewegt werteten die Schüler das Gesehene und Erlebte anschließend aus, wenngleich viele Fragen offen blieben.

Neben Unterricht und Besichtigungsprogramm blieb den Schülern viel freie Zeit für persönliche Begegnungen und Unternehmungen, Freundschaften waren schnell geschlossen. „Der Abschied fiel schwer“, hieß es nach sieben Tagen, doch er wird nur vorübergehend sein. Bereits Anfang Dezember kommen die polnischen Schüler aus Dąbrowa Górnicza für eine Woche nach Münster. Dann kann die hiesige Gastfreundschaft bewiesen werden.

 

Fahrt nach Dąbrowa Górnizca 28.9. - 6.10.2004

Es war einfach genial! Na gut, das muss man allerdings etwas differenzieren: Die Fahrt war ziemlich anstrengend. Aber ansonsten war es einfach cool. Zurück zur Fahrt:

Dienstag Abend um 21.30 Uhr ging es zunächst nach Hamm, wo wir in den Liegewagen nach Posen umstiegen. Da gab es dann eine Unannehmlichkeit: Die Passkontrolle an der Grenze fand um 4 Uhr morgens statt! Weiter ging es mit dem ICE nach Kattowitz, wo wir von den Gastfamilien sehr freundlich empfangen wurden. Den restlichen Tag verbrachten wir in den Familien, und die meisten von uns trafen sich dann abends noch in einer Bar.

Am Donnerstag waren wir in der Schule, wo uns ein freudiger Empfang mit Kuchen am frühen Morgen bereitet wurde. Anschließend fuhren wir mit dem Bus durch Dąbrowa Górnizca und Umgebung, schauten uns ein paar Städte und Burgen an, bis wir dann ermüdet wieder zu Hause ankamen. Abends ging ein Großteil der Gruppe zusammen mit den polnischen Austauschpartnern Billard spielen. Was jedoch nicht von langer Dauer war, da wir ja am nächsten Tag verpflichtet waren, früh aufzustehen.

Eine Fahrt nach Krakau stand nämlich auf dem Programm und um diese wunderschöne Stadt kennen zu lernen, braucht man viel Zeit. Nach einer knapp zweistündigen Fahrt hatten wir um 10 Uhr eine Führung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der früheren Hauptstadt Polens und dann zunächst zwei Stunden Zeit sie auf eigene Faust ein bisschen zu erkunden. Die meisten nutzten diese Zeit zum Shoppen, was in Polen auch wirklich lohnenswert ist, da es dort, gemessen an den Preisen hierzulande, wirklich sehr preiswert ist. Zwischendurch gab es die Möglichkeit das jüdische Viertel zu besuchen. Aufgrund eines Feiertags konnten die Synagogen aber leider nicht besichtigt werden. Obwohl der Ausflug nach Krakau doch sehr anstrengend war, gingen viele am Abend noch in die Disco.

Am Samstag Morgen sind wir alle zusammen in den Nemo-Center in Dąbrowa Górnizca zum Bowlen gegangen. Zu der Anlage gehört auch eine Disco und ein Freizeitbad, dem einige von uns am nächsten Tag, der ein "Tag zur feien Verfügung in den Familien" war, „ihre Ehre erwiesen“.

Am Montag sind die deutschen Schüler nach Auschwitz gefahren, wo (verständlicherweise) eine allgemein sehr gedrückte Stimmung herrschte. Um die Eindrücke des ehemaligen Vernichtungs- und Konzentrationslagers besser zu verarbeiten, hatten wir vor der Rückfahrt noch eine gute Stunde Zeit um uns auszutauschen.

Der 5. Oktober, der Tag der Heimreise, war ein Tag zur individuellen Gestaltung, da es erst am Abend ein offizielles Programm gab. Dieses sah ein traditionelles "Kartoffelbraten" an einem der Seen in Dąbrowa vor. Viele gingen vorher einkaufen oder Eis essen.

Die überwältigende Gastfreundschaft der Polen, die schon während des gesamten Aufenthalts immer wieder überraschte, fand im Lunch-Paket einen weiteren Höhepunkt. Viele hatten für die Rückfahrt, die ja nun wirklich nicht kurz war, so viel zu essen, wie es noch nicht einmal für eine doppelt so lange Fahrt nötig gewesen wäre. Der Abschied fiel damit im wahrsten Sinne des Wortes doppelt schwer. Die Rückreise selbst war kaum angenehmer als die Hinfahrt. Zunächst ging es mit dem Zug nach Warschau, wo wir dann um 23.15 Uhr in den Liegewagen nach Berlin stiegen. Von Berlin führen wir am nächsten Morgen nach Hamm und dann noch einmal 20 Minuten nach Münster, wo wir schon von den Eltern erwartet wurden.

Meria Ronge, Maria Reese, 10a

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