Bilder von Nay inspirierten

  Schüler des Annette-Gymnasiums stellen im Landesmuseum eigene Werke aus 

 

Zum 100. Geburtstag von Ernst Wilhelm Nay (1902 - 1968) stellen Schüler und Schülerinnen des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums im Foyer des Landesmuseums von Mittwoch, 8. Mai, bis zum 9. Juni eigene Arbeiten aus, die aus der Begegnung mit dem Werk des Künstlers entstanden sind.  

In einer Unterrichtsreihe, die sich über sechs Monate erstreckte, beleuchteten die 28 Schüler und Schülerinnen des Kunst-Leistungskurses einzelne Abschnitte des Werkes und spürten den Entstehungsprozessen der Bilder nach. 

 „Am Anfang konnte ich nicht wirklich viel mit Nays Bildern anfangen“, gibt der Schüler Hakan Cetinyilmaz zu. „Aber nach und nach wird man offener für seine abstrakte Kunst und erkennt, was dahinter steht.“ Nachdem die Schüler und Schülerinnen sich intensiv mit Nays Werk beschäftigt hatten, wurden die gewonnenen Erfahrungen in eigenen Gestaltungen umgesetzt. 

In der ersten Phase ließ man sich von Nays „Scheibenbildern“ inspirieren. Die Werke der Schüler erhielten durch entsprechenden Farbeinsatz und gekonnte Anordnung der Scheiben eine stark plastische Wirkung. Die Bilder der nächsten Phase sind schon weitaus dynamischer und zeichnen sich durch nervösere Formen aus. In einer dritten Phase wandten sich die Schüler und Schülerinnen dem Spätwerk des Künstlers zu. In Anlehnung daran entstanden z.B. die Werke „Kalte Harmonie“ der Schülerin Almut Wiegelmann sowie das Bild „Dynamik“ von Sara Lütkenhaus.

 

Zur Ausstellung im Landesmuseum wurde ein museumspädagogisches Begleitprogramm erarbeitet: Während der gesamten Ausstellung finden Schulführungen statt, bei denen die Schüler und Schülerinnen Gelegenheit haben, den Entstehungsprozessen und malerischen Vorgängen in der Bildwelt Nays in eigener gestalterischer Arbeit nachzuspüren. Die Ausstellung wird mit einer audio-visuellen Sequenz nach dem Bild „Mit poetischem Blau“ von Nay am Dienstag, 7. Mai, um 19 Uhr eröffnet. Hierbei werden Details aus dem Bild per Dia präsentiert. Gleichzeitig findet eine musikalische Interpretation des Bildes statt: Das Ensemble für Experimentelle Musik untermalt die Präsentation mit entsprechenden Tönen. 

Münstersche Zeitung 04.05.2002

 

Die Stille vor dem ganzen Bild 

Annette-Schüler nähern sich Ernst Wilhelm Nay - mit Farben und Klängen 

Mehr Nay war nie — zumindest nicht im Landesmuseum. Dort hat sich der Bestand an Bildern des Koloristen Ernst Wilhelm Nay auf einen Schlag vervielfacht. Es sind zwar keine echten Nays, aber fast: Der Kunstleistungskurs des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums hat sich von Nays Werken inspirieren lassen und präsentiert das bunte Ergebnis im Museumsfoyer. 

Dabei war es nicht einfach, Nays ganz eigene Genauigkeit auszumachen. Immerhin wirken gerade die farbenfrohen Scheibenbilder wie hingetupft, ohne System. Aber die Schüler hätten nach anfänglicher Skepsis schnell einen Zugang zu Nays Werk gefunden, sagt Kunstlehrer Heinz Baumgarten, und: „Sie haben schnell erkannt, dass ein Nay nicht nachzumachen ist." 

Aber annähern kann man sich seiner Kunst, und das nicht nur in Öl: Zur Eröffnung der Ausstellung im Foyer des Landesmuseums am Dienstagabend setzte das Ensemble für experimentelle Musik des Gymnasiums das Nay-Bild „Mit poetischem Blau" in Ton um. Unter der Leitung von Heinz Baumgarten erstellten die Schüler eine audio-visuelle Sequenz, die Nays Farben mit Hilfe unterschiedlichster Instrumente „hörbar" und damit noch sichtbarer machen sollte. 

Zu Details aus dem Bild, mit Dias an die Wand projiziert, bahnten die Musiker einen Weg durch den Flickenteppich, schufen einen musikalischen Zugang zu Nays großformatigem Werk von 1961. Grollend und pfeifend steigerte sich „Farbe wird Klang", begleitete Nays Farbkontraste und Farbreihen bis zum            beeindruckenden Schluss — der Stille vor dem ganzen Bild. Und auf einmal meinte man, verstanden zu haben, was Kurator Dr. Erich Franz in seiner Einführung zu Nays Werk die „Exaktheit in der Unbestimmtheit" nannte.  

 

   WN vom 09.05.2002 

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