Das spanische Nationalgericht ist doch die Paella, oder?

Annette-Schüler wissen es jetzt besser

 

Es gibt allgemein bekannte Wahrheiten, die jedoch nur wenig Wahrheit enthalten. In Spanien spricht man Spanisch, das Nationalgericht ist die Paella und alle mögen Stierkampf. Keine dieser Behauptungen stimmt ganz und gar. Wenn man genauer hinschaut, wird es gleich viel komplizierter.  Den Römern noch galt Hispania als eine der Kornkammern Roms, Reis stand nicht auf dem Speiseplan. Der kam erst mit den Arabern Jahrhunderte später nach Valencia. Seitdem ist die Region Valencia einer der größten Reisproduzenten Europas und die Heimat der Paella. Wenn man dann weiß, dass diese Landschaft zum katalanischen Kulturkreis mit der Hauptstadt Barcelona gehört, wo Katalanisch gesprochen wird, sollte sich spätestens jetzt ein kleines Fragezeichen auftun.

Im Zusammenhang mit der gerade zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse, die als besonderen Gast die Region Katalonien eingeladen hatte, wurde auch in den deutschen Medien etwas breiter über die sprachlichen Besonderheiten Katalonien und die damit verbundenen Auseinandersetzungen innerhalb Spaniens berichtet. Ein wahrhaft nicht einfaches Thema, vor allem für Außenstehende. Und worum ging es dabei eigentlich?

Die einen hatten die katalanischen Schriftsteller eingeladen, die anderen auch. Wo war das Problem? Ach ja, die Sprache. Die einen schreiben ihre Bücher auf Katalanisch, die anderen auf Spanisch. Und wer war nun wirklich eingeladen worden? Und was ist das nun eigentlich, dieses Katalanisch?

Am Annette-Gymnasium wollte man es genauer wissen. Im Zusammenhang mit der Buchmesse hatte das katalanische Kulturinstitut, das Institut Ramon Llull – es arbeitet wie z.B. das Goethe-Institut-  den Schulen, die Spanisch unterrichten, ein ganz besonderes Angebot unterbreitet: Für interessierte Schulen wurden katalanische Dozenten mobilisiert, die eine Einführung in die katalanische Sprache und Kultur anboten.

Am Annette wurde daraus ein ganzer Katalanisch-Tag. Die waschechte Katalanin und Universitätsdozentin Imma Martí zelebrierte in fünf verschiedenen Spanischkursen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen ein Katalanisch-Event. Dazu spendete das Institut Ramon LLull ein hübsches kleines Lehrwerk in zwei Bänden. Katalanisch und Spanisch ähneln sich, haben aber ihre eigenen Geschichte und Traditionen – etwa wie das Niederländische und das Deutsche. Schon nach kurzer Zeit konnten die versierten Spanischschüler ganze Sätze verstehen und auch formulieren. Das I-Tüpfelchen war der Popsong auf Katalanisch, den sie auf Anhieb verstanden. Und schon war die Stunde vorbei , viel zu früh, viel zu abrupt, aber schließlich steht Katalanisch nur als eines von vielen Themen im amtlichen Lehrplan, nicht als offizielles Fach.

Diese Begegnung mit dem Katalanischen hat allen viel Spaß und hoffentlich Lust gemacht, mehr zu erfahren. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass die Stierkampfarenen in Spanien mehr Geld mit Konzert- und Showveranstaltungen umsetzen als mit ihren ursprünglichen Aktivitäten.

 

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