Die „historische Hypothek” von Hadamar untersucht 

Münstersche Schüler und Studenten recherchieren in Gedenkstätte Verbrechen, Sozialpolitik und Psychiatriegeschichte des Naziregimes

 

Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und Studenten aus Münster forschten in Hessen zum Thema „Euthanasie – Verbrechen, Sozialpolitik und Psychiatriegeschichte”. Noch während die Seminargruppe im hessischen Hadamar und in Limburg tagte, berichteten die großen Nachrichtenagenturen aus einem Gerichtssaal in Gera. Dort wurde das bundesweit letzte Strafverfahren wegen NS-Medizinverbrechen an psychisch Kranken und Menschen mit Behinderungen eingestellt, weil die angeklagte Ärztin nicht mehr verhandlungsfähig war. Alle Tatvorwürfe hatte die 89-Jährige stets bestritten, juristisch ließ sich die Schuldfrage konkret nicht mehr klären.

Einer der sechs Tatorte, an dem während des Zweiten Weltkrieges Kranke und Behinderte in Gaskammern ermordet wurden, ist Hadamar. An dieser historischen Hypothek trägt die Kleinstadt bis heute, wie die Seminarteilnehmer in Gesprächen erfuhren. Die Gruppe – u. a. aus Schülern des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und Studierenden der Westfälischen Wilhelms-Universität – recherchierte in der dortigen Gedenkstätte, die Akten zu Verfolgtenschicksalen und zu Täterbiografien verwahrt. Im Rahmen des Seminars an die Opfer zu erinnern – dazu hatten die Akademie Franz-Hitze-Haus und der Geschichtsort Villa ten Hompel aufgerufen.

WN, 12.02.2005

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