Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

 

Besonderer Erfolg für Schülerinnen und Schüler des Annette-Gymnasiums

Ganz besonders erfolgreich haben beim Geschichtswettbewerb 2004/05 des Bundespräsidenten Schülerinnen und Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums abgeschnitten. An dem Wettbewerb, der diesmal das Thema „Sich regen bringt Segen? Arbeit in der Geschichte“ hatte, beteiligten sich bundesweit rund 6000 Schülerinnen und Schüler mit insgesamt 1380 Wettbewerbsbeiträgen.

Einen der fünf ersten Preise erhielt Friederike Krause, Klasse 9a, für ihre Arbeit „Verkäuferin – das allmähliche Verschwinden eines alltäglichen Berufes”. In ihrer Arbeit hat Friederike drei Generationen von Verkäuferinnen in „Tante-Emma-Läden“ porträtiert und ist der Verantwortung der Verbraucher für das Aussterben der kleinen Läden mit ihrem gut ausgebildeten Fachpersonal nachgegangen. Jeweils einen vierten Preis erzielten Judith Krekeler, Kaspar Neuhaus, Judith Plenter und Christel Spital, alle aus der Klasse 8b. Betreut wurden die Schülerinnen und Schüler  wie auch alle weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Annette-Gymnasiums von unserem Geschichtslehrer Herrn Dr. Beck. Am vergangenen Mittwoch fand in Hamburg die feierliche Preisverleihung durch den Bundespräsidenten Dr. Köhler statt. Neben den Einzelpreisen erhielt das Annette-Gymnasium auch einen der Preise für die zehn erfolgreichsten Schulen.

 

 

 

Schon mit vier Jahren alleine auf Einkaufstour

Friederike Krause steckte viel Herzblut in ihre Facharbeit

 Manchmal in diesen sechs Monaten hätte sie gerne mal etwas ausgespannt. Gerne mehr Zeit mit ihren Freundinnen verbracht oder sich einfach nur ausgeruht. Die Seele baumeln lassen, das war von September 2004 bis Februar dieses Jahres purer Luxus für Friederike Krause. In dieser Zeit schrieb die Schülerin des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums an ihrer Arbeit mit dem Titel „Verkäuferin – das allmähliche Verschwinden eines alltäglichen Berufes” – und das nach den regulären Hausaufgaben in der Woche und vor allem an den Wochenenden.

Auch wenn für das aufwendige Werk sehr viel Freizeit draufging, blickt die 15-Jährige nicht mit Schrecken auf diese Zeit zurück. Ganz im Gegenteil. Wenn Friederike Krause Interviews führte, sich auf Telefonrecherche begab oder an Formulierungen feilte, fühlte sie sich in ihrem Element. „Die Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht und ich habe viele wichtige und schöne Erfahrungen gesammelt”, zieht die 15-Jährige eine positive Bilanz. Dieses Gefühl dürfte sich gestern noch einmal verstärkt haben, als sie in Hamburg von Bundespräsident Horst Köhler als eine der Erstpreisträgerinnen des Geschichtswettbewerbs ausgezeichnet wurde.

Friederike Krause sitzt in der Essecke der elterlichen Wohnung, zieht ein Bein auf den Stuhl und erzählt unaufgeregt, aber selbstbewusst und engagiert von ihrer Facharbeit. Wie sie mit den drei ausgebildeten Verkäuferinnen verschiedenen Alters und verschiedener Lebenswege – zum Teil in der DDR – Gespräche führte. Wie sie mit deren früheren Chefs Kontakt aufnahm. Wie sie mit Geschäftsführern größerer Unternehmen oder Verbände sprach – oder auch mal von Vorzimmer-Damen abgewimmelt wurde. „Ein alltägliches Thema mit sehr interessanten Zeitzeugen” – das machte für Friederike Krause den Reiz ihrer Arbeit aus.

Darin erforschte sie den Wandel im Einzelhandel von den 50er Jahren bis heute. „Friederike fragt kritisch nach und nimmt Stellung, ohne Vergangenes zu romantisieren oder einseitig Zukunftsskepsis an den Tag zu legen”, urteilte die Jury. Als Tutor stand ihr Geschichtslehrer Dr. Wolfhart Beck zur Verfügung – und Fragen beantworteten natürlich auch ihre Eltern.

Vermutlich liegt der Erfolg auch darin begründet, dass der Teenager das Thema mit viel Herzblut beackerte. Sie sprach mit den Verkäuferinnen des kleinen Lebensmittelladens in der Nachbarschaft, in dem sie als Vierjährige das erste Mal alleine eingekauft hat. „Den Einkaufszettel hat mir meine Mutter ins Fotoalbum geklebt”, erzählt sie schmunzelnd. Tieftraurig war sie, als der Laden dicht machte, während sie gerade an der Arbeit schrieb.

Beim letzten Geschichtswettbewerb übrigens belegte Friederike Krause einen zweiten Platz. Logisch, dass Geschichte gemeinsam mit Deutsch und Französisch zu ihren Lieblingsfächern gehört. Neben Treffen mit ihren Freundinnen, Telefonieren und Einkaufen zählen Theaterspielen und Nähen zu ihren Hobbys. „Ich möchte gerne Modedesign in Paris studieren oder Requisiteurin am Theater werden. Aber das kann sich noch ändern“, sagt die 15-Jährige.

Die 2000 Euro Preisgeld will Friederike Krause übrigens sparen. Einen kostspieligen Wunsch hat sie derzeit nicht. Mal ein bisschen auf der faulen Haut liegen, kostet ja nichts.

 Westfälische Nachrichten, 20.10.2005

Fotos: Körber-Stiftung

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