Dramatische Weihnachtsfeier:

Botho Strauß auf der Annette-Bühne

„Bekannte Gesichter“ entdeckten Eltern, Lehrer und Mitschüler gewiss auf der Bühne des Annette-Gymnasiums, als der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 - anfangs vielleicht mit „gemischten Gefühlen“ - das gleichnamige Stück des Dramatikers Botho Strauß in Szene setzte. Die Premiere des Dreiakters hatte an der Grünen Gasse für ein volles Haus gesorgt, und die Anspannung der jungen Schauspieler war in den ersten Szenen noch spürbar.

 Zweifellos bietet der Strauß-Text auch gestandenen Ensembles eine große Herausforderung: An der Weihnachtstafel sitzen die Strauß-typischen Mittelstandsbürger mittleren Alters und entfalten in ihren banalen Dialogen die Öde einer bizarren Seelenlandschaft. Man hat sich eingerichtet - hier in den siebziger Jahren in einem rheinischen Hotel - und nur noch gelegentlich bricht eine - hoffnungslose - Sehnsucht nach Glück auf. Das geschieht zum Beispiel dann, wenn „Stefan“, der Besitzer des Hotels, dieses verkaufen will und damit die Fortsetzung der zwischen allen Beteiligten eingespielten Beziehungen stört. Dass er am Ende - tiefgefroren und tot - auf der Bühne liegt, ist da nur folgerichtig.

 

Es gelang auf der Annette-Bühne den jungen Erwachsenen bravourös, diese Figuren, die ihrer eigenen Lebenserfahrung eher fremd sind, mit Leben zu füllen. Zumal Andreas Kosmider und Laura Jacob verkörperten „Stefan“ und seine Frau „Doris I“ in einer beeindruckenden Ausgestaltung ihrer Rollen.

 

Strauß versammelt in seinem Text das banale Gerede von Durchschnittsmenschen, das nur gelegentlich ins Bizarre oder Groteske umkippt. So steht jede Strauß-Inszenierung in der doppelten Gefahr, das Beschränkte dieser Dialoge in der Darstellung ihrer scheinbaren Selbstverständlichkeit nur zu verdoppeln oder aber durch die Überzeichnung der satirischen Elemente Lachnummern zu erzeugen, die dem Stück ebenso wenig gerecht werden.

 

Hier gelang es allen Mitwirkenden, genau diese schmale Linie zwischen Langeweile und Klamauk sicher zu wahren: Wenn das Publikum lachte, - und es gab häufig zu lachen! -, dann lachte man auch mit der Ahnung, dass einem diese grotesk-alltäglichen Figuren auf der Bühne so unähnlich doch nicht waren. Mit kleinen Gesten, nachdrücklicher Mimik und flexibler Sprache, die dem Wechsel von Sprechstilen folgen konnte, hielt der Literaturkurs unter der Leitung von Martin Althoff sein Publikum im Bann. Lang anhaltender Beifall -- und Spenden für die verdiente Premierenfeier - belohnten die Mitwirkenden.

Münstersche Zeitung, 02.07.2001

zurück