Flächen- Funktionen mit Computer-Hilfe
Mathematik-Kurs am Annette: Neue Wege
Eigentlich
sind sie schon lange auf dem Markt, die grafikfähigen Taschenrechner und
Computerprogramme, die Kurvendiskussionen und Funktionsberechnungen in
Sekundenschnelle erledigen können und gleich dazu die passenden Graphen liefern.
Gleichwohl zeichnet der Großteil der deutschen Mathematikschüler noch selbst -
nur langsam brechen die alten Denkstrukturen auf, nur langsam öffnen sich die
Lehrpläne für die Möglichkeiten des multimedialen Angebots. Ingrid Kasten,
Mathe- und Chemielehrerin am Annette-von-Droste-Hülshoff‑Gymnasium, ist eine der
Pioniere, die mit ihrem Differenzierungskurs für die 10. Klasse neue
mathematische Wege beschritten hat, die ohne Computerunterstützung undenkbar
sind.
„Der heutige Mathematikunterricht gibt sich noch häufig mit Funktionen zufrieden, die nur eine einzige Variable x besitzen”, stellt Kasten fest. „Die heutigen Computerprogramme bieten uns aber die Möglichkeit, eine weitere Variable hinzuzusetzen, um realitätsnähere dreidimensionale Modelle zu erstellen.” Schließlich hänge auch ein Sachverhalt in der Praxis nur selten von einem einzigen Faktor ab.
Der
Kapitalzinssatz, das Ohmsche Gesetz in der Physik oder auch die Konstruktion von
Dächern in der Architektur - sie alle sind Beispiele für eine praktische
Anwendung der „Flächenfunktionen”, die Kasten mit den Zehntklässlern behandelt
hat. „Durch bloßes Ausprobieren sollten die Schüler zunächst eine Funktion
finden, die sie optisch besonders fasziniert”, erklärt die Lehrerin ihren
Ansatz. „Dann ging es an die Untersuchung der mathematischen Hintergründe.”
Da zu ihrem Thema noch keine Schulliteratur veröffentlicht wurde, entschloss sie sich, selbst ein Begleitskript zu erstellen, das auch im nächsten Jahr wieder zum Einsatz kommt.
Tim Sieben ist einer von 16 Schülern des Differenzierungskurses. Die Methode, durch Medieneinsatz komplexere Unterrichtsthemen anzugehen, schlage seiner Meinung nach die zukunftsfähigste Richtung für die Schulmathematik ein: „Schließlich wird diese Art zu denken umso alltäglicher, je früher man sie gelernt hat!”
Münstersche Zeitung, 30.06.2005