Bilder hören - Klänge sehen 

... mehr als ein Konzert 

Im Rahmen eines Auftritt der Alten Philharmonie führte das Ensemble für experimentelle Musik des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums unter der Leitung von Heinz Baumgarten  am 18. und 19. November im Konzertsaal der Freien Waldorfschule Münster die Klang-Collage "schwarz auf weiß" für 5 Percussionisten und 3 Over-head-Projektoren auf, eine Komposition des Leitungskurses Kunst der Jahrgangsstufe 12 des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums. 

Inwieweit sind musikalische Abläufe in Bildern darstellbar - und umgekehrt? Zu einer ersten Auseinandersetzung erstellten die Schülerinnen und Schüler spontan malerische Niederschriften gehörter Musik verschiedener Stile: Offenbar führt die Art der gehörten Musik zu unterschiedlichen grafischen Ausdrucksformen, versucht man ihre Eigenart bildnerisch darzustellen. 

Die so entstandenen Bilder galt es anschließend näher zu betrachten und die Aspekte zu bestimmen, die - in Umkehrung des Prozesses - geeignet wären, als Vorlage für daraus ableitbare musikalische Prozesse zu dienen. Zu diesem Fragenkomplex wurden auch Werke aus dem Bereich der neuen Musik im Unterricht betrachtet, in denen Elemente der „Musikalischen Grafik“ eingesetzt werden, wie z.B. „Odyssee“ von Anestis Logothetis oder „Dezember“ von Earl Brown. 

Im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe setzten sich die Schülerinnen und Schüler dann auch weitergehend mit Wechselbezügen zwischen Kunst und Musik auseinander. Eingegangen wurde in diesem Zusammenhang u.a. auf das Werk Robert Strübins, der mit strengen, von ihm gesetzten Kriterien konkrete Musikvorlagen in Bilder umsetzte, oder auf Dieter Schönbachs Komposition „Farben und Klänge in memoriam Wassily Kandinsky“. 

Die vom Leistungskurs Kunst anschließend erstellte Klang-Collage macht neben dem musikalisch-akustischen Eindruck auch die visuellen Elemente der Komposition für die Zuhörer/innen und Zuschauer/innen erkennbar. Zahlreiche Möglichkeiten wurden dazu im Vorfeld angedacht; aus der Fülle der Möglichkeiten musste jedoch schließlich eine Auswahl getroffen werden, die den Rahmenbedingungen des schulischen Arbeitens in Vorbereitung und Finanzierung entsprach. 

Die Struktur der Komposition besteht aus fünf vertikalen Einheiten, die jeweils von oben nach unten zu lesende grafische Zeichen und Symbole enthalten. Von den Schülerinnen und Schülern entwickelt und auf Leinwand gemalt, fordern sie zu musikalischen Aktionen auf. Durch die „Aktivierung“ einzelner oder zusammenhängender Felder mittels der Aufprojektion definierter Felder mit Overheadprojektoren werden den Percussionisten Spielfelder aus dem Angebot der Grafik angezeigt. Diese werden durch die Operateure der Projektoren vor der Aufführung aleatorisch bestimmt. Ein Durchgang durch eines der angezeigten Felder, die in der Größe der jeweils angezeigten Fläche durch die aleatorisch angelegte Grundstruktur variieren können, dauert 2 ½ Minuten. Dabei durchläuft jeder Spieler einmal jede der fünf vertikalen Spielflächen bzw. die jeweils durch die Operateure angezeigten Zonen. Lichtpunkte, von den Operateuren der Projektoren durch das jeweils angezeigte Spielfeld bewegt, zeigen die Position des erklingenden musikalischen Ereignisses in der Grafik an. Da die einzelnen fünf Phasen des Ablaufes mittels eines Zufallsverfahrens vorher festgelegt wurden, werden möglicherweise alle Teilbereiche der Grafik interpretiert, vielleicht wird aber auch nur ein Teil zu Gehör kommen. Das konkrete, collageartige Klangergebnis sowie die Dichte des musikalischen Geschehens werden deshalb erst kurz vor der Aufführung bestimmt, so dass jede Wiederholung des Stückes zu einer notwendigerweise neuen Interpretation führt. Bei gleichbleibender Struktur des Ablaufes und der festgelegten Zeitdauer verändern die eingebauten aleatorischen Faktoren und die jeweils neu zu leistende improvisatorische Umsetzung der Grafik die Gestalt der tatsächlich erklingenden Musik. 

Der Titel „schwarz-weiß“ verweist auf die grafische Grundlage des Stückes und damit auf die Intention, auditive und visuelle Elemente simultan in der Aufführung zu verknüpfen.

zurück