„Beitrag leisten zum Verständnis”

Zeitzeugin Friedeman erinnerte an Holocaust

 

Als Gerda B. Friedeman vor über 70 Jahren das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium besuchte, ahnte sie nicht, dass sie eines Tages als Zeitzeugin in ihre Heimat­stadt zurückkehren würde, um junge Schüler, die Krieg nur aus Geschichtsbüchern kennen, an den Holocaust zu erinnern.

„Für mich ist es eine besondere Erfahrung, da kommen sentimentale Erinnerungen an die Zeit auf, als ich selber hier lernte”, so die 91-jährige während ihres Gesprächs mit dem Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12.

Mit vier Geschwistern in Münster aufgewachsen, betrachtete Friedeman sich immer als Deutsche mit jüdischem Glauben und empfand es als „schweren Schlag, vom deutschen Leben und der Kultur ausgeschaltet zu werden.”

Als ihr Ehemann 1938 nach Buchenwald gebracht wurde, stand für die 24-Jährige fest, dass es an der Zeit war, die Heimat zu verlassen. „Mit dem Fahrrad fuhr ich zur holländischen Grenze, das war sehr beängstigend”, erinnert sie sich an ihre Flucht vor Kriegsbeginn.

Bei Freuden fand sie Unterschlupf, harrte aus, bis ein Visum bereitstand, um zum Bruder nach New York zu gelangen. „Er hat dann Geld für die Überfahrt geschickt und rettete so mein Leben. Es war das letzte Schiff vor der Invasion Hollands.” Ihrem Mann gelang zwei Jahre später die Flucht. Heute sehe sie Deutschland mit anderen Augen, es sei sehr viel zur Wiedergutmachung unternommen worden. Friedeman selber wolle einen Beitrag zum Verständnis leisten. „Es ist meine Verantwortung mit jungen, Menschen zu sprechen, damit sie verstehen, was passiert ist.”

Münstersche Zeitung 03.11.2005

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