Abbild und Abstraktum 

Leistungskurs des Annette-Gymnasiums für Kunst-Wettbewerb ausgewählt 

Die Welt scheint einfach. Doch das täuscht. Wie komplex Realität sein kann, wie sich Gleichzeitigkeit und Nebeneinander wechselseitig durchdringen - das soll ein Bild veranschaulichen, das der Leistungskurs Kunst des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums erarbeitet hat. Die Schüler unter Leitung ihres Lehrers Heinz Baumgar­ten sind dabei einer Auffor­derung gefolgt: „Schau mir in die Augen, Kunst“. 

Dieses Motto hat sich der „Deutsche-Herold-Preis - Jugend interpretiert Kunst“ ge­geben. Initiiert haben den Wettbewerb das Museum Küppersmühle (Sammlung Grothe) und die Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn. 350 Schulen, die bundesweit einen Leistungskurs Kunst anbieten, haben die Duisburger Organisatoren bislang auf ihrer Liste. Daraus wählten sie 20 aus, die sich beteiligen dürfen. Diesmal wurde auch das münsterische Gymnasium auserkoren.

Die Mitbewerber sind Schulen unter anderem aus München, Würzburg, Bonn und Bremen, verriet Carolin Schmitz, eine der Organisato­ren des Wettbewerbs. Am 13. Dezember wird eine Jury unter Beteiligung des Kunsttheoretikers Prof. Dr. Bazon Brock sowie der Künstler Markus Lüpertz und Abraham David Christian die Entscheidung bekannt geben. Der Preis ist mit 10000 Mark dotiert. Die Arbeiten werden sechs bis acht Wochen im Museum Küppersmühle gezeigt. 

Der Leistungskurs Kunst des Annette-Gymnasiums hat ein 48-teiliges Wandbild als Wettbewerbsbeitrag erarbeitet. Das Großbild setzt sich aus zwei Selbstdarstellungen der Kurs-Gruppe zusam­men. Das eine ist ein Abbild: Die an die fotografische Realität angelehnten Bilder erge­ben „richtig“ zusammengesetzt das abgebildete Porträt des Kurses. Das andere ist ein Abstraktum: Die zwölf Schüler haben sich jeweils als farbigen Strichcode charakterisiert. Jeder Schüler entwickelte eine individuelle Gliederung seiner Person aus reduzierten, diagonal gesetzten farbigen Linien, die nur durch Anzahl, Wahl der Farbe und Linienbreite bestimmt wurde.

 

Dieses „Gemischte Gruppenbild“ ist eine Herausforderung an den Betrachter. Er soll die beiden durchmischten Gegenbilder trennen und wieder zusammenführen. Diese Aufgabe kommt nun der Jury zu. 

Gerhard H. Kock

Westfälische Nachrichten - 06.09.2001

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